Fotostrecke

Luxus Spas: Wellness im Untergeschoss

Foto: Heinz Troll

Wellness ganz unten Keller-Spas und Wohlfühlhimmel

Die Spa-Zonen der Luxushotels bedienen perfekt die Illusion einer kompletten Rundumerneuerung. Meist steht für das Regenerieren viel Fläche zur Verfügung, zuweilen mit traumhaftem Ausblick. Allzu oft aber befinden sich die Räumlichkeiten, die das Wohlbefinden in den Himmel heben sollen, im Keller.
Von Uta Petersen

Hamburg - In meinem großartigen Townhouse-Reise-Domizil mit modernem, wohligem Tweedambiente könnte ich Wurzeln schlagen, blühe ich auf angesichts des beglückend geschickten Lichtdesigns und der überraschend jungen Gastronomie. Für meine Anwendung im hochgelobten Spa aber muss ich im Fahrstuhl den Knopf "B"drücken - Basement.

Man muss nicht zwingend als Kind zur Strafe in einem dunklen Kohlenkeller eingesperrt gewesen sein, um in Kellergeschossen Unwohlsein zu entwickeln. Lange, mit wenigen Watt beleuchtet Gänge, dunkles Interieur, fensterlose Kabinen, teure Schieferwände, dunkelfarbige Kacheln.

Wohlfühloasen in Untergeschossen sind auf jedem Luxury-Level zu finden. Was ist das Konzept? Gelingt mehrere Meter unter der Erde die Entspannung leichter? Wie wird überhaupt ein Wellnessbereich geplant? Das frage ich mich und Claudio Carbone. Der Designer muss es wissen, hat er doch bereits eine lange Reihe von Spas gestaltet - wie das 12.800 Quadratmeter große im Grand Resort in Bad Ragaz, eines im St. Regis Mardavall auf Mallorca oder das Selfness Hotel Eiger in Grindelwald.

"Zuerst kommt immer eine Bedürfnisabklärung", erläutert Carbone, "ich ziehe gemeinsam mit dem Hotelier einen roten Faden durch das Projekt, erkunde sein Konzept oder seine Haltung. Ich frage, welche Aussage das Spa haben soll: Welche Gäste möchte er ansprechen? Ist es ein Business- oder ein Ferienhotel?" Wenn möglich, empfiehlt Carbone, das Spa in obere Etagen oder gar auf dem Dach anzusiedeln.

Königliches Treatment in fensterlosen Kabinen

Ich denke an einen der betörendsten Hotelpaläste der Welt, erinnere mich an königliche Treatments, aber in fensterlosen Behandlungskabinen aus kostbarem, schwarzem Marmor, während draußen die Sonne schien. Da kann schon mal das Gefühl aufkommen, in einem Sarkophag zu liegen.

Claudio Carbone bedauert es ebenfalls, dass die meistens Spas so dunkel gehalten werden. Dass so viele von ihnen in Kellerräumen angesiedelt werden, erklärt er so: "Der Platz in den oberen Geschossen wird als zu wertvoll angesehen. Oftmals wurde bei bestehenden Hotels auch erst zu einem späteren Zeitpunkt ein Spa eingeplant." Aha.

"Es stimmt zwar, dass ein gedämpftes Licht beruhigend auf Körper und Geist wirkt", sagt er weiter, "aber gerade in Spas wird das oft übertrieben. Sicher kommt es auf die verschiedenen Räume an. Bei einer Sauna brauche ich nicht unbedingt Tageslicht." Bei Beauty, Maniküre oder Pediküre aber sei Tageslicht unbedingt erforderlich, da sonst Farben und Teint nicht originalgetreu herüberkommen könnten.

Ein weiterer Aspekt: "Ein Spa- und Wellnessbereich muss sehr gut zu reinigen sein, so dass er auch nach fünf- bis sechsjähriger Laufzeit einen hygienisch einwandfreien Zustand vermittelt. Des Weiteren sollte er trotz Modernität Intimität und Wärme ausstrahlen."

Für Damen muss es lieblicher und feiner sein

Natürlich würde Claudio Carbone auch ein Spa gestalten, das im Keller untergebracht ist. Mit künstlichem Licht könne man heute sehr viel Atmosphäre schaffen, für Farben allerdings gebe es kein Patentrezept: "Das Zusammenspiel der Farben und Materialien muss als Ganzes betrachtet werden. Wo habe ich natürliches Licht? Wie kann ich durch künstliches Licht Flächen und Habtik verändern? Wie ist die Form des Raumes? Wie sieht die Eingangssituation aus?"

Bei größeren Flächen könne ruhig mit dunkleren Materialen gearbeitet werden, damit die Fläche optisch kleiner erscheint. Bei kleinen Flächen sei es genau umgekehrt. Bei Räumlichkeiten für Damen beispielsweise sollte die Farbgestaltung lieblicher und feiner sein, sagt Claudio Carbone, es dürfen auch mehr verspielte Elemente zum Vorschein kommen.

Als Dame bin ich auf meinen Spa-Expeditionen schon mit eiskalten Händen berührt worden, habe auf ultraschmalen Liegen verkrampft gelegen, wegen der Klimaanlagen gefroren und durch das Kopfteil-Guckloch statt auf Blütenarrangements auf Füße mit abgelatschten Gesundheitstretern oder Kabelsalat geblickt.

Welcher Standard ist eigentlich Pflicht, um die Bezeichnung Wellness oder Spa tragen zu dürfen? Gibt es irgendeine Kontrollinstanz? Ich frage Peter Droessel. Er ist Präsident des Spa Director's Roundtable & Club, seit 2005 eine Institution für fachlichen Austausch auf höchster Ebene. "Die Kontrolle ist leider nur unzureichend. Wellness-Verbände verschiedenster Couleur versuchen das seit Jahren. Manche gut und viele weniger gut. Hier ist noch viel Verbesserungsarbeit zu leisten. Eine verlässliche Beschreibung und Festlegung solcher Kriterien gibt es im Einzelnen bereits, wird jedoch leider nicht verbindlich anerkannt".

Zertifikate gibt es noch nicht

Was ist aus Droessels Sicht ein absolutes No-Go im Wellnessbereich? "Ich möchte das gerne an den Versprechen mancher Spa-Angebote festmachen. Denn es wird zu oft zu viel und manchmal sogar Falsches versprochen, der Gast und Kunde oft sogar getäuscht. Hier hilft nur gnadenlose Zertifizierung, allerdings mit den entsprechend fachlich orientierten und von Fachleuten durchgeführten Tests und Bewertungen."

Es ist also in der Spa-Industrie noch nicht wie im Gastronomiebereich so, dass Fachleute durch die Gegend ziehen. Leider werden oft nur Laien geschickt, die dann genauso häufig eine eher unqualifizierte Meinung von sich geben. Aber Droessel macht Hoffnung: "Wir sind dabei, das zu ändern! Gut Ding braucht auch hier Weile."

Gern fasse ich mich in Geduld, würde die unbestimmte Wartezeit am liebsten für den Trip mit dem Spa-Train in Kanada nutzen. Er ist ein ganz normaler Zug der Canadian Pacific Railway. Er fährt entlang dem Ontario-Lake, hält zwischen Ottawa, Toronto und den Niagara-Falls an 18 Verwöhnstationen zum Aussteigen. Ausgewiesen schöne Hotels bieten besondere Spa-Packages und nehmen die Spa-Spass-Reisenden am Bahnhof in Empfang. In Kanadas endloser Weite ist bestimmt ausreichend überirdischer Platz.

Ist es denn wenigstens ein erkennbarer Trend, dass Luxushotels ihre Spas nach oben verlegen? "Ein fühlbares Spa-Erlebnis ist das natürlich schon, über alle Gipfel oder das Meer hinweg blicken zu können. Ob es allerdings nachweislich effektiver ist, ist nicht bewiesen." Fast in jedem Spa gebe es allerdings bei der Kombination Wohlfühlambiente gepaart mit Spitzenklasse einer perfekten Behandlung noch einiges nachzuholen.

Ausschlaggebend werde, so Droessel, dabei das Personal sein. Die Professionalität der Mitarbeiter sei das entscheidende Kriterium in der Zukunft. Bisher hätten sich viele Spas durch Design und Größe definiert, das ändere sich gerade entscheidend. Deshalb sollten die Anbieter sich abgrenzen und die richtige Nische besetzen. Die nächste ist schon in Sicht: Carbones nächstes Projekt sind Element-Spas in Deutschland. Die meisten dieser Spas sind in oberen Geschossen angesiedelt, kündigt der Designer an. Ich bin beruhigt.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.