Lebensqualität in Städten "Das Thema Wohnraum steht ganz oben"

In welcher Stadt lebt es sich am besten? Lebensqualität muss bezahlbar sein, sagt Stadtmarketingexperte Thorsten Kausch. Er erklärt, wie Metropolen wie Hamburg, München und Berlin im direkten Vergleich punkten - und welche Rolle City-Bikes, Home-Office-Angebote oder ein Alkoholverbot in S-Bahnen spielen.
Wohnen in der Hamburger Hafencity: Schick, aber teuer

Wohnen in der Hamburger Hafencity: Schick, aber teuer

Foto: Andreas Rentz/ Getty Images

mm: Städterankings sind ein beliebter Schönheitswettbewerb: Im jüngsten Vergleich von Mercer verweist München in punkto Lebensqualität Städte wie Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und Berlin auf die Plätze. Welche Faktoren haben in solchen Rankings am meisten Gewicht?

Kausch: Es gibt verschiedene Rankings zum Thema Lebensqualität in Städten, die unterschiedliche Kriterien und Gewichtungen heranziehen. Wichtig bei solchen Untersuchungen ist immer, dass sie transparent dargestellt und gut begründet sind. Auch der Absender muss eindeutig sein.

mm: Lassen sich Vergleiche wie "München ist lebenswerter als Düsseldorf, in Hamburg lebt es sich besser als in Berlin ..." überhaupt durchhalten? Wem nützt ein Vergleich der deutschen Metropolen?

Kausch: Klar, jede Stadt ist einzigartig. Dennoch hilft ein solches Ranking schon dabei, sein eigenes Radar zu justieren. Der Vergleich mit anderen Städten ist dabei ein permanenter Ansporn, sich auf dem einen oder anderen Feld zu verbessern. Außerdem bekommt man dadurch interessante Hinweise, wo welche Maßnahmen offenbar schon Früchte tragen.

mm: Lebensqualität muss man sich auch leisten können. Was nützt die schönste Stadt, wenn man dort Wohnungen oder die kulturellen Angebote mit einem Durchschnittseinkommen nicht mehr bezahlen kann?

Kausch: Das Thema Wohnraum steht in Hamburg ganz oben auf der Agenda. Der Senat hat das Ziel ausgegeben, pro Jahr 6.000 Wohneinheiten zu schaffen. Dass Lebensqualität nicht vom Geldbeutel abhängig sein darf, ist dabei sehr wichtig. Wenn Sie etwa die zahlreichen Grünanlagen in Hamburg sowie die vielen schönen Plätze an Elbe und Alster nehmen, ist Hamburg hier sehr gut aufgestellt. Nicht umsonst ist Hamburg in diesem Jahr Europas Umwelthauptstadt. Hinzu kommen frei zugängliche Großveranstaltungen wie etwa der Hafengeburtstag, die Hamburg Cruise Days oder das Alstervergnügen.

mm: Welcher Faktor hat in den vergangenen drei Jahren am meisten zusätzliches Gewicht bekommen? Was ist Menschen in Städten derzeit besonders wichtig?

Kausch: Wir von Hamburg Marketing beschäftigen uns sehr intensiv mit der "Stadt der Zukunft" und gehen beispielsweise in Gesprächen mit Stadtentwicklern, Universitäten und auch Unternehmen der Frage nach, wie eine Metropole in 10, 20 oder 50 Jahren aussehen und vor allem funktionieren wird. Ein Ergebnis: Materielle und immaterielle Mobilität werden für die Menschen immer wichtiger. Die materielle Mobilität wird durch eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs aber auch durch Angebote wie Carsharing und City-Bikes optimiert. Immaterielle Mobilität entsteht dann, wenn die technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen unabhängiges Arbeiten, flexible Arbeitszeiten und -plätze sowie Home-Office-Jobs ermöglichen. Der Grund für die neuen Anforderungen liegt im Trend der wachsenden Verschmelzung von Arbeits- und Lebenswelten, auf den sich eine Stadt einstellen muss.

mm: Was muss passieren, damit Hamburg im nächsten Mercer-Ranking an München und Wien vorbeizieht?

Kausch: Das Thema Wohnraum ist hier sicherlich sehr wichtig und ja bereits erfolgreich in Angriff genommen worden. Außerdem kann Hamburg in punkto Sicherheit - übrigens ganz ähnlich wie Berlin - noch mehr erreichen. Das Alkoholverbot, welches gerade im öffentlichen Nahverkehr durchgesetzt wurde, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Und natürlich muss das Thema Umwelt auch über unseren Titel als Umwelthauptstadt 2011 ein Schwerpunkt bleiben. Gerade was den Einsatz erneuerbarer Energien, speziell den Bereich Windenergie, angeht, ist Hamburg auf dem richtigen Weg.

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