Donnerstag, 19. September 2019

Superjacht-Industrie Eine Branche bibbert vor der Kippel-Konjunktur

Es hängt am seidenen Faden: Vor drei Jahren beendete die Finanzkrise den Boom der Luxusjachten-Industrie. Jetzt droht die globale Schuldenkrise den sensiblen Markt erneut gefährlich nach unten zu ziehen. Das trifft nicht nur Millionäre. Weltweit sind Hunderttausende Arbeitsplätze bedroht.

Hamburg - Als gälte die Omertà, das Gesetz des Schweigens. Wer in diesen Tagen die Hersteller von Superjachten nach ihrer Auftragslage und der aktuellen Stimmung im Markt fragt, bekommt zumeist gar keine oder nur ausweichende Antworten - von privaten Eignern aber schon mal empörte Reaktionen. "Woher haben Sie meine Adresse?", blafft beispielsweise Hani Jabsheh, Chef des arabischen Nachrichtenportals "Al Bawaba" und Eigner der 43-Meter-Yacht "Hana", bevor er sich ebenfalls entschließt, nichts zu sagen.

Verschwiegen geben sich auch die deutschen Schiffbaugiganten an Elbe und Weser, und ihre Mitbewerber in den Niederlanden, an der Waddenzee, dem Ijssel-, Marker- und Vollenhovermeer, am Rietveldenhaven, der Noord und Westerschelde - sie tun es ihnen gleich. Von den südenglischen Docks in Falmouth kommt keine Reaktion und von den Dänen am Skagerrak kein Kommentar. Angesichts dieser gewaltigen Glocke des Schweigens muss man Till von Krause, Verkaufsdirektor der niedersächsischen Traditionswerft Abeking & Rasmussen, fast schon als redselig bezeichnen, wenn er sagt: "Der Markt ist nach wie vor schwierig."

Drastischere Worte findet Mehmet Karabeyoglu, Chef von Proteksan Turquoise Yachts in Istanbul: "Derzeit gibt es weltweit etwa 25 Werften, die überhaupt keine Arbeit haben." Andere wiederum hätten 2011 nur noch Aufträge abgewickelt, also Jachten ausgeliefert, die bereits vor der Krise bestellt worden seien. Nein, sagt Karabeyoglu, er sei "auf kurze Sicht nicht optimistisch", glaube auch nicht, dass die "Superyacht-Industrie trotz der düsteren Weltwirtschaft einem strahlenden Horizont entgegen segelt", wie die Veranstalter der Monaco Yacht Show noch im Oktober resümierten. Im Gegenteil: "Im Bereich des Megayachtbaus finden Sie überschüssige Kapazitäten, die auf absehbare Zeit nicht ausgelastet sein werden."

Das globale Orderbuch leert sich, und Ellie Brade, Redakteurin und Marktanalystin beim "Superyacht Report", hat die Zahlen, die das belegen. "2010 erteilten Käufer gerade mal 113 Neubauaufträge für Superjachten von mehr als 30 Meter Länge." 2007 waren es 269. Insgesamt befinden sich derzeit 398 Jachten im Bau, darunter auch etliche, die bereits vor drei, vier Jahren geordert wurden. Zum Vergleich: 2009 verzeichneten die Luxusyachtbauer mit 587 Schiffen under construction ein veritables Rekordjahr. "Weil die Fertigung einer Yacht im Schnitt aber 24 Monate dauert, sehen wir die Auswirkungen der Rezession erst jetzt in den Auftragsbüchern."

Dass der Trend abwärts zeigt, lässt sich auch an der Zahl der ausgelieferten Neubauten ablesen. "Mit 254 Jachten erreichte dieser Wert 2008 eine Spitze, fällt jetzt aber wieder auf das Niveau von 2005 zurück." Etwa 180 Schiffe dürften es demnach sein, die in diesem Jahr neuen Eignern übergeben werden.

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