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Spanisches Jurtenhotel: Luxus in der Einöde

Jurtenhotel in Südspanien Glanz in der Hütte

Mitten in der Einöde der südspanischen Grazalema-Berge haben ein Architekt und eine Innenarchitektin ein Luxusrefugium geschaffen, das ohne Strom auskommt. Gewohnt wird in mongolischen Nomandenjurten, das dreigängige Abendmenü am Salzwasserpool kommt aus der Solarküche.
Von Simone Lankhorst

Cortes de la Frontera- Ohne Paco wären wir aufgeschmissen. Jeder ist aufgeschmissen, der versucht, das "Hoopoe Yurt Hotel" auf eigene Faust zu finden. Versteckt in den Bergen von Grazalema in der Provinz Andalusien, mitten in der Serrania de Ronda, kennen den holprigen Pfad nur die Einheimischen. Eine genaue Adresse gibt es nicht. Die Homepage des Hotels enthält nur eine ungefähre Wegbeschreibung, bis zum Ort Cortes de la Frontera. Ab da: Kein Schild, kein Pfeil, kein Nichts.

Nur Paco und sein Moped wissen Bescheid. Er nickt aufmunternd, als wir ihn an der Tankstelle des Ortes bei der Siesta stören und nach dem "komischen Hotel mit den Zelten" befragen. Wir seien nicht die ersten, die es verzweifelt suchen würden, sagt er und grinst, wobei er den Zahnstocher sehen lässt, auf dem er die ganze Zeit gekaut hat. Nach einer wortreichen Wegbeschreibung werden die Fragezeichen über unseren Köpfen nur noch größer, weshalb sich Paco kurzerhand auf sein Moped schwingt und uns deutet, ihm zu folgen.

Nach einigen Kilometern über staubige Viehwege stehen wir vor einem klapprigen Gatter. Wo um Himmels Willen soll hier das Luxus-Jurtenresort sein? Paco zeigt auf einen Klingel an der Seite des Gatters, lässt sein Moped aufknattern und uns in einer Staubwolke zurück. Stille. Keine Hintergrundgeräusche, außer das leiser werdende Mopedknattern, und ein paar Zikaden.

"Hi guys, just come in!" schallt plötzlich Henriettas Stimme aus dem Off, und das so klapprig wirkende Gatter schwenkt elegant und automatisch zurück. Wir parken, und warten. Dann schließlich erscheint eine zierliche blonde Frau zwischen den Olivenbäumen und begrüsst uns. "Hi, I'm Henrietta. Welcome to the Hoopoe Yurt Hotel." Wir sehen uns erstaunt an. Ein Zelt, beziehungsweise eine Jurte, haben wir immer nämlich immer noch nicht gesichtet. Wie versteckt ist dieses Hotel eigentlich?

Luxus in der Einöde

Henrietta, die mit Ende 30 immer noch aussieht wie ein Blumenmädchen der späten 1960er Jahre, führt uns über Trampelpfade, vorbei an duftenden Rosmarinsträuchern, und unvermittelt stehen wir vor einer Pergola mit Whirlpool und einer holzgezimmerten Bar, ausgestattet mit türkischen Teppichen und weißen Leinsesseln. Zwei kleine Mädchen mit langen blonden Haaren springen fröhlich umher, ein rothaariger Engländer in weißen Leinenhemd schlendert hinein. "Hi, I'm Ed. Do you want a beer?"

Ed und Henrietta gehört das Jurtenhotel. Ed war in seinem früheren Leben Architekt, lebt seit vielen Jahren in Spanien. Henrietta ist in Spanien aufgewachsen. Von ihren vielen gemeinsamen Reisen bringen die Idee mit, die drei Hektar Land, die sie besitzen, in ein außergewöhnliches Hotel zu verwandeln. "Die Jurten der Nomaden passen sich perfekt den Bedingungen ihrer Umgebung an", sagt Henrietta und führt uns, mit dem Bier in der Hand, nun zu den fünf "Gästezelten", das jedes für sich idyllisch zwischen Korkeichen und Olivenbäumen eingebettet ist. "Hier in den Bergen haben wir weder Strom noch Wasser. Also nicht gerade ideal für ein Hotel. So kamen wir auf die Idee mit den Jurten, also alles ganz ursprünglich und an die Natur angepasst."

Da die Jurten durch ihre Bauweise, den runden Korpus in Stehhöhe und das trichterförmige Dach, die Luft zirkulieren lassen und daher auch im heißen spanischen Sommer keine Klimaanlagen nötig sind, passten sie perfekt zu dem abgeschiedenen Stück Land. Der Pool enthält Salzwasser, Strom produziert die hoteleigene Solaranlage, die Toiletten erinnern optisch zwar an "Plumpsklos" aus Großmutters Zeiten, sind dank der dort eingesetzten Mikroben aber völlig geruchsfrei und sehr hygienisch, ebenso wie die mit handbemalten Terracotta gefliesten Badezimmer.

Henriettas früheren Job als Inneneinrichterin merkt man den Jurten an. Jede hat ein anderes Land zum Thema und ist originalgetreu eingerichtet. In der Mitte jeder Jurte steht ein großes Doppelbett. "Die meisten unserer Gäste sind Honeymooners, verbringen also ihre Flitterwochen bei uns. Da ist es auch gut, dass die Jurten recht weit voneinander entfernt liegen", sagt Henrietta.

Drei Gänge Abendmenü aus der Solarküche

Die mongolische Jurte schmückt eine antike mongolische Truhe, traditionelle Muster sind in die Jurtenwände eingearbeitet. Die Jaipur Jurte ist mit kostbaren indischen Stoffen und Decken dekoriert, die Safari Jurte strahlt in warmen Erdtönen, Zimmerpalmen und kleine, dekorative Möbelstücke aus der Türkei und Marokko verleihen ihr eine Hauch afrikanisches Flair.

Innen ist es angenehm kühl, denn selbst im Oktober herrschen hier in den Bergen Südspaniens tagsüber noch Temperaturen bis zu 30 Grad. Die Hängematte vor der Hütte schaukelt träge zwischen zwei Korkeichen. Eine Stunde sind wir jetzt hier, und die Entspannung hat bereits eingesetzt. Henrietta lächelt und zeigt uns noch den Salzwasserpool, an dem zwei hübsche Engländerinnen die letzten warmen Sonnenstrahlen genießen, bevor es zurückgeht in die herbstlichkalte Heimat.

Hinter dem Pool steht unter einer überdachten Holzveranda ein riesiger Tisch. "Für 12 Personen, so viele wie hier maximal unterkommen", erklärt Henrietta. Jeden Tag wird ein reichhaltiges Frühstück und ein dreigängiges Abendmenü serviert, das in der solarbetriebenen Küche aus lokalen und tagesfrischen Zutaten zubereitet wird. Mitten in der Abgeschiedenheit erfreuen sich die Gäste heute an Cava und Spargeltempura, knusprigem Lachsfilet mit Salsa Verde und einer Créme brulée aus Zimt und Orangen zum Dessert.

"Das Dinner ist jeden Tag das Highlight, wir sitzen hier oft bis Mitternacht mit den Gästen", sagt Henrietta. Auf dem Rückweg zeigt sie uns noch den Gemüse- und Kräutergarten. Zurück am Whirlpool erklärt Ed uns noch, wie er die Bar und die Veranda mit einem befreundeten spanischen Tischler selbst gebaut hat. Das Bier ist ausgetrunken. Wir bekommen noch ein zweites.

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