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Karibik: Guadeloupe für Genießer

Guadeloupe für Genießer Wo der Pfeffer wächst

Auf Guadeloupe kommen Genießer auf ihre Kosten. Die Küche ist indisch, französisch und kreolisch inspiriert, die Gewürze kommen frisch aus örtlichem Anbau. Auch der Rum und der Kakao sind legendär. Den Tag lässt man hier am besten am Strand ausklingen, mit einem Glas Planteur in der Hand.
Von Simone Lankhorst

Pointe-à-Pitre - So fern, und doch so nah: Nacht acht Stunden Flug über den Atlantik setzt die Air France Maschine in der feuchtwarmen Abendluft der Hauptstadt Pointe-à-Pitre auf. Zur Einreise reicht dem freundlichen Beamten der Personalausweis - willkommen in der EU. Die Antilleninsel Guadeloupe gehört, wie ihre Schwester Martinique, zu Frankreich. Geld tauschen ist nicht nötig - auf "Gwada", wie die Einheimischen ihre Insel nennen, wird in Euro gezahlt.

Mit dem Bus geht es in den Südosten von Grande Terre, den rechten Flügel der zweigeteilten Schmetterlingsinsel, nach Saint François. Der Teil der Insel wird auch "Kleine Bretagne" genannt, wegen seiner zerklüfteten Felsenküste. Tatsächlich haben sich in Saint François besonders viele Bretonen niedergelassen, was sich in der örtlichen Gastronomie widerspiegelt - Austern sind hier besonders beliebt. Den besten Blick auf die Steilküste bietet der Aussichtspunkt Morne Pavillon am Pointe des Châteaux, dem östlichsten Zipfel von Grande Terre.

Für den schweißtreibenden Aufstieg wird man bei klarem Wetter mit einer fantastischen Sicht auf die Nachbarinseln La Désiderade und Petite Terre belohnt. Einer der schönsten Sandstrände Guadeloupes befindet sich ganz in der Nähe, nur wenige Hundert Meter weiter nördlich. In einer wind- und wellengeschützten Bucht, an einem der wohl perfektesten weißen Sandstrände des Planeten, liegt der Strand "Grande Anse". Schattenspendende Bäume und Sträucher sucht man hier allerdings vergebens, weshalb der durchschnittliche Mitteleuropäer unbedingt einen Sonnenschirm mitnehmen sollte.

Man wählt erst die Soße, dann das Gericht

Rund um den Hafen von Saint François gibt es erstaunlich gute Restaurants. Eher unauffällig mit maritimer Dekoration präsentiert sich "Les frères de la Côte", umso überraschender sind die Gerichte, die sich nach der Wahl der Soße, die man von der Karte wählt, zusammensetzen. Und was für Soßen es gibt: Indisch, französisch oder kreolisch inspiriert, mit frischen Gewürzen der Insel wie Vanille oder Pfeffer, oder Exoten wie Kardamom und Safran.

Die rund um die dickflüssige Soße angeordneten Fischfilets und -happen, die tagesfrisch gefangen werden, sind saftig und harmonieren perfekt mit meiner Wahl der kreolischen Soße. Das Dessert, ein Safranmousse, setzt die Aromen des Hauptgangs in süß-luftiger Vollendung fort.

Die Restaurantpreise auf Guadeloupe orientieren sich an denen in der "Metropole", wie die Antillaner Frankreich nennen. Rund 50 Euro pro Person muss man für ein Drei-Gänge-Menü inklusive Wein und dem Nationalgetränk, dem Rumcocktail "Planteur" als Apéritif, kalkulieren. Wesentlich preisgünstiger ist da das Nationalgericht der Insel: Die "Plat Colombo", gebratenes Hähnchen mit Reis und Bohnen in einer würzigen, indisch inspirierten Soße, die mit Bockshornklee, Senf, Koriander und Kurkuma abgerundet ist.

Für zwischendurch oder am Strand empfiehlt sich das Insel-Fastfood schlechthin, das "Bokit", die karibische Version des Döners. Praktisch überall an von Generatoren betriebenen Mini-Bussen gibt es die günstigen, in der Pfanne ausgebackenen Teigtaschen, mit Hühnchen, Thunfisch oder Käse-Ei-Füllung, für zwei bis drei Euro. Ein kühles "Carib"-Bier aus der Dose dazu, und auf der Mauer der Strandpromenade den Sonnenuntergang genießen.

Der Rum ist eine Herausforderung für ungeübte Trinker

Wer noch mehr Inseldelikatessen probieren will, dem sei ein Besuch in einer der berühmten Rum-Distillerien empfohlen, entweder auf Marie Galante oder auf dem rechten Schmetterlingsflügel, auf Grande Terre. Im Norden der Insel, in der Nähe des Ortes Sainte-Rose, liegt das "Musée de Rhum", das zur Distillerie "Reimonenq" gehört. Seit 1916 stellt die Familie Reimonenq den charakteristischen Inselrum her. Das Zuckerrohr für die Produktion wächst direkt hinter dem Museum. Das Ergebnis jedoch ist nichts für Alcopops-Trinker. Der Rum auf Guadeloupe ist stark und kräftig im Geschmack.

Bei der Verkostungsstation am Ende des Museumsrundgang dürfen sich die Besucher durch die verschiedenen Rumsorten testen, von weißem bis braunen Rum, der mindestens drei Jahre gereift ist und nur dann das Prädikat "vieux" - alt - tragen darf. Der dunkle, alte Rum ist deutlich milder und hat signifikant weniger Alkoholgehalt als weißer Rum, ist mit 40 Prozent Alkohol pur getrunken aber immer noch eine Herausforderung für ungeübte Spirituosenverkoster.

Diese finden unter Umständen größeren Gefallen an den hauseigenen Mix-Kreationen, wie dem "Reimonenq Planteur". Der weiße Rum ist bereits mit den Gewürzen versetzt, die zur Herstellung des berühmtesten Inselcocktails nötig sind. Pur schmeckt er nach Zimt und Vanille, irgendwie nach Weihnachten.

Wer es weniger hochprozentig und deutlich süßer mag, dem sei der Besuch des "Maison du Cacao" in Ponte-Noire ans Herz gelegt. Einige Tafeln der handgefertigten, teils noch Zuckerkristalle enthaltenden Karibik-Schokolade müssen einfach als Souvenir mit in den Koffer - sie ist schlicht köstlich.

Der Rhythmus der Insel heißt Zouk

Abends geht es in den meisten Bars und Restaurants lebhaft zu, bei einem Planteur oder Ti Punch und Live-Musik. Reggae sucht man auf Guadeloupe vergeblich. Der Rhythmus der Insel heißt Zouk, eine Mischung aus westlichen und karibischen Musikstylen mit schnellem Beat. Spielt eine der Live-Bands Zouk, hält es zumindest die Einheimischen nicht lange auf ihren Stühlen.

Eher französisch-europäisch geht in Le Gosier zu, der berühmt-berüchtigten Partymeile der Insel, nahe Pointe-à-Pitre. Das bei Einheimischen wie Touristen äußerst beliebte Zoo Rock Café und die größte Diskothek der Insel, "Le Cheyenne" befinden sich hier. In Saint François oder Sainte Anne hingegen feiert das Partyvolk einfach am Strand. Eine gute Gelegenheit, Einheimische kennenzulernen und einen letzten Planteur zu trinken, bevor die Air France Maschine wieder Richtung Paris abhebt.

Christopher Ratter, dpa
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