Sonntag, 21. April 2019

Hotelbau Ruandas neuer Optimismus

Bauen in Ruanda: Wie ein Münchener Architekt ein Land prägt
Daniel C. Wolf / Formfest

2. Teil: Lehrherrn für Gelassenheit und Lebensfreude

"Das Projekt hat eine Komplexität, die mit der Elbphilharmonie vergleichbar ist, aber verteilt auf drei Kontinente", erklärt Dieterle. Mal agiert der afrikanische Bauherr nicht, "manche Kompetenzlosigkeit schreit zum Himmel", dann wieder zicken die Chinesen und halten Versprechungen nicht ein. Mentalitäten prallen aufeinander, in der entstehenden Reibung geht viel Energie verloren. Hinzu kommen Personalprobleme - "Da geht nur jemand hin, wenn er zwei Jahre im Voraus sein Gehalt sicher hat" -, logistische Schwierigkeiten - "50.000 Tonnen Zement und aller Stahl mussten aus China über Häfen in Tansania und Kenia angeliefert werden" -, und schließlich schlug auch noch die Finanzkrise zu Buche.

An manchen Tagen sinniert der Münchener heute, ob er besser die Finger davon gelassen hätte. "Wir sind ein paar Mal kurz davor gewesen, alles hinzuwerfen, weil uns Geduld, Geld und Kraft ausgingen." Doch der Bau in Ruanda war Dieterles erster Auftrag als selbstständiger Architekt, und vielleicht bindet das ähnlich wie die erste Liebe. Den negativen Seiten seines afrikanischen Engagements hält er die guten Erfahrungen entgegen.

"Unterm Strich kommt viel dabei heraus. Wir helfen, das Land voranzubringen und auch die deutsche Wahrnehmung zu verändern. Diese dreht sich noch immer um den Völkermord, aber Ruanda hat sich schon lange auf den Weg in eine Zukunft gemacht. " Wie in einem Zeitraffer könne er bei seinen Besuchen in Kigali sehen, was sich verändere. "Ruanda hat mit wahnsinnigem Fleiß einen enormen Sprung nach vorne gemacht, und es ist toll, davon ein Teil zu sein."

Dieterle, ein eher distanzierter und ernster Mann, sieht seine ruandischen Geschäftspartner auch als Lehrherrn für Gelassenheit und Lebensfreude. "Es wird ja oft beschrieben, wie Afrikaner trotz widriger Umstände ihren Optimismus bewahren, und es stimmt. Ich versuche, mir davon jedes Mal ein Stück mitzunehmen." Und weil es alles in allem "für mich persönlich sehr aufregend war", hat Dieterle schon lange sein zweites Ruanda-Projekt entworfen.

Am Ufer des bislang vom Tourismus weitgehend unberührten Kivu-Sees, zwischen Ruanda und dem Kongo gelegen, will er ein Luxushotel für Geschäftsleute und Reisende bauen, das sich in seiner Form an der geschwungenen terassenförmigen Landschaft orientiert. "Ruanda hat sehr hohe Umweltauflagen und der Tourismus, der entwickelt wird, richtet sich nach ökologischen Vorgaben. Darauf basiert auch unser Konzept für das Hotel in Kibuye." Noch hat der Bau nicht begonnen, weil nicht alle Investoren im Boot sind. "Wir wollen das aber auf alle Fälle durchziehen, um auch zur Entwicklung der Provinz beizutragen. Gerade die Region am Kivu-See war vom Genozid besonders betroffen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir helfen, dort einiges zum Guten zu wenden." Die Abenteuergeschichte findet also noch kein Ende.

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