Sonntag, 21. April 2019

Dubrovnik Ein Tresor voller Schätze

Dubrovnik: Die Schöne am Mittelmeer
Gerald Hänel

Dubrovnik hat eine bewegte Geschichte. Angreifern wie den Türken, Napoleon und Österreich bot das alte Ragusa dabei stets die Stirn. Beliebt und begehrt ist die Stadt auf den Felsen nach wie vor, nur kommen heute weniger Eroberer als Touristen an die kroatische Mittelmeerküste.

Dubrovnik - Am Morgen tönt ein Schiffshorn über die Stadt. Das Dröhnen kommt drüben vom Hafen, die tiefen Laute legen sich über die Häuser, die Straßen. Die Signale der ein und auslaufenden Kreuzfahrtschiffe sind die inoffiziellen Weckrufe von Dubrovnik - sie künden von Passagieren, die aus aller Welt kommen, um eine der eigenwilligsten Städte am Mittelmeer zu besuchen. Sie ist rund 2000 Jahre alt und war nie schöner als heute.

Aus den dicken Bäuchen der Schiffe strömen an diesem Morgen Scharen an Touristen, die kurz darauf die Gassen der Altstadt fluten. Denn es ist nicht nur ein Schiff, das hier am Tag festmacht, im Sommer sind es bis zu fünf. Besucher aus fernen Ländern füllen die Cafés, fotografieren Springbrunnen und kaufen in den Souvenirgeschäften mit Lavendel gefüllte Beutelchen. Camcorder von Japanern, Franzosen, Amerikanern, Koreanern, Deutschen richten sich auf perfekt restaurierte Arkaden, Innenhöfe und Kirchen.

Vom Café "Gradskavana" überblickt der 84-jährige Schauspieler Miše Martinovi das Treiben der Touristen. An Dubrovniks Marin-Drži-Theater hat er früher die großen Rollen gespielt: Don Juan, Macbeth, Othello. Heute schaut er sich das Theaterstück an, das ihm das wahre Leben bietet. "Die Touristen stören mich gar nicht", sagt er mit einem Lächeln. "Im Gegenteil, sie halten mir jeden Tag vor Augen, dass Dubrovnik heute frei ist, eine Stadt, die die Menschen lieben. Jeder ist heute hier willkommen, man darf sagen und schreiben, was man will. Das war ja nicht immer so."

Ein Hort des Freigeists

Libertas, Freiheit. Ein großes Wort in der einstigen Republik Ragusa. Nicht ohne Grund hatte die Stadt das Wort in ihr Wappen aufgenommen. Seit jeher hat sich Dubrovnik gegen Feinde verteidigen müssen. Um das Jahr 950 belagerten die Venezianer zum ersten Mal die Stadt, um sich die unliebsame Konkurrentin im Seehandel vom Hals zu schaffen. Erfolglos. Erst 250 Jahre später ergab sich die Stadt.

Zur Freistadt Ragusa wurde sie 1358, der ungarisch-kroatische König Ludwig I. von Anjou gewährte ihr Autonomie. Ab 1400 nannte sie sich sogar Republik. Das Recht auf Selbstbestimmung konnte sie wahren, musste sich aber immer wieder fremden Herren unterordnen: Die Türken ergriffen 1526 die Macht, Napoleon marschierte 1806 ein und löste zwei Jahre später die Republik auf. 1815 fiel die Stadt an Österreich, 1919 wurde Dubrovnik Teil Jugoslawiens.

Trotz aller Kämpfe blieb die Stadt ein Hort des Fortschritts und Freigeists. Um 1410 schaffte Ragusa als einer der ersten Staaten die Sklaverei ab. Schon sehr früh entwickelte sich ein öffentliches Sozialsystem. Eine Apotheke und ein Waisenhaus entstanden in Ragusa schon, als andere europäische Regierungen sich noch kaum um Gemeinwohl und Gesundheit ihrer Bürger scherten.

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