Fotostrecke

Hanseboot: Steife Brise, schicke Boote

Foto: manager magazin Online

Hanseboot Ancora Sektlaune ist anders

Die Branche kommt wieder in Fahrt, lautete die Botschaft der schwimmenden Bootsmesse Hanseboot Ancora. Nachdem sich der Markt für Boote in der Krise halbiert hatte, geht es für die Bootsbauer wieder aufwärts. Doch die Freude ist verhalten: Das Vorkrisenniveau bleibe für die Branche unerreichbar, sagen Experten.

Neustadt in Holstein - "Heute ist ein guter Tag." Thomas Uhlig lächelt selig. Gerade hat ihn ein Mitarbeiter leise im Vorbeigehen gefragt, wo die Verträge liegen. "Ich glaube, er hat den beiden da vorn ein Boot verkauft." Uhlig deutet auf ein Motorboot, auf dem ein Paar mittleren Alters sitzt und auf die Rückkehr des Verkäufers wartet. Auf dem Tisch vor ihnen steht eine Champagner-Flasche. Ein gutes Zeichen.

Geht es nach Bootshändler Uhlig, werden er und seine Mitarbeiter auf der Hanseboot Ancora noch einige Champagner-Flaschen verteilen. Schwimmende Bootsmessen wie die im schleswig-holsteinischen Neustadt werden für die Aussteller immer wichtiger. Denn die Hanseboot Ancora findet da statt, wo ihre Produkte hingehören: auf dem Wasser.

Auf den großen Bootsschauen im Binnenland, beispielsweise der "Boot" in Düsseldorf oder der "Hanseboot" in Hamburg, müssen die Aussteller ihre Schiffe dagegen in Messehallen verfrachten. Der teure Bootstransport lohnt sich nur, wenn die Geschäfte gut laufen.

In den Boomjahren bis 2008 hat sich dieser Aufwand gerechnet. Doch mit der Wirtschaftskrise erlebte die Branche einen beispiellosen Einbruch: Innerhalb eines Jahres halbierte sich der Umsatz auf dem Markt für Segel- und Motorboote. Auch Uhligs Unternehmen Scandinavia Bootsimport büßte in den Krisenjahren die Hälfte seines Geschäfts ein. Nur noch zehn Millionen Euro betrug der Umsatz in den vergangenen zwei Jahren.

Noch längst nicht wieder auf Vorkrisenniveau

"Ein Boot ist ein Spielzeug", sagt Uhlig. "In schlechten Zeiten wird daran zuerst gespart." Der Händler hat zwei Marken im Angebot: Die hochpreisigen Motorboote des norwegischen Herstellers Windy und die vergleichsweise günstigen Produkte des deutschen Bootsbauers Bavaria, die ab 70.000 Euro zu haben sind. Gerade die verkauften sich jetzt nach der Krise wieder besonders gut.

Diese Entwicklung hat auch Bavaria-Chef Jens Ludmann festgestellt: "Der Trend geht zu kleineren und günstigeren Booten." Der Geschäftsführer des größten deutschen Segeljacht- und Motorbootherstellers führt dies im Gespräch mit manager magazin vor allem auf die mangelnde Nachfrage in Südeuropa zurück. "Im Mittelmeerraum, wo traditionell die großen Boote betrieben werden, sind die Märkte noch schwach", so Ludmann. "Besonders in Griechenland, Spanien und Italien gehen die Geschäfte schlecht." Dabei sind die Auslandsmärkte für die Bootsbauer äußerst wichtig: Die Exportquote liegt im Branchendurchschnitt bei gut 80 Prozent.

Für die laufende Saison zeigt sich Ludmann dennoch optimistisch: "Vor allem die mittel- und nordeuropäischen Märkte haben sich wieder erholt." Für das aktuelle Geschäftsjahr, das im Juli zu Ende geht, erwartet er ein Umsatzplus von 15 Prozent, womit er aber nur einen Bruchteil dessen aufholt, was er in Krisenjahren verloren hat. "Früher haben wir in einem Spitzenjahr 3300 Boote gebaut. In der Krise waren es 900", sagt Ludmann. Heute seien es immerhin wieder 1400.

Wie Bavaria geht es der ganzen Branche. "Wir sind noch lange nicht wieder da, wo wir vorher waren", sagt Claus-Ehlert Meyer, Geschäftsführer des Deutschen Boots- und Schiffbauerverbands (DBSV). "Meiner Meinung nach kommen wir auch nicht mehr dahin." Einen gewichtigen Grund dafür sieht auch Meyer im krisenbedingten Verlust der Kaufkraft im südeuropäischen Raum.

"Die Deutschen kaufen zu wenig Boote"

Doch auch die Kaufkraft der Deutschen macht Meyer Sorgen. "Der Export entwickelt sich viel positiver als der Import", sagt Meyer. "Die Deutschen kaufen zu wenig Boote." Grund dafür sei unter anderem, dass der Wassersport immer mehr Konkurrenz bekommt: "Früher gab es 50 andere Sportarten, heute sind es 150", so Meyer. Vor allem aber macht die demografische Entwicklung der Branche zu schaffen. "Es gibt zu wenig junge Leute, die sich ein Segel- oder Motorboot leisten können." Der deutsche Segler sei mit durchschnittlich 56 Jahren einfach zu alt.

Das zieht ein weiteres Problem nach sich, mit dem die Bootsbauer kämpfen: dem Überangebot an gebrauchten Booten. "Es sind viele Boote auf dem Markt, weil ihre Eigentümer altersbedingt nicht mehr können, krank oder gestorben sind", so Meyer. "Es gibt aber nicht genügend Abnehmer. Da entsteht ein großer Preisdruck, der letztlich zulasten des Neubootgeschäfts geht."

Diese Problematik kennt Joern Olesen, Verkaufsleiter des dänischen Segelbootbauers Nordship Yachts, nur zu gut. Am Heck seines Ausstellungsboots hat der Däne ein Schild befestigt, auf dem unter dem Titel "Gebrauchte Yachten" eine gute Handvoll Nordship-Yachten zu sehen sind.

"Unsere Käufer werden jünger"

"Wir sind aber keine Gebrauchtboothändler", betont Olesen eilig. Das Secondhand-Geschäft dient vielmehr dazu, neue Modelle an den Mann zu bringen. Nordship Yachts nimmt Boote der eigenen Marke in Zahlung: "Es gibt kaum Käufer, die sich zwei Jachten leisten. Deshalb müssen sie zunächst ihr gebrauchtes Boot loswerden, um sich ein neues zu kaufen."

Das Unternehmen, das ausschließlich maßgeschneiderte Segeljachten ab einem Wert von 300.000 Euro verkauft, musste in den vergangenen Monaten harte Einschnitte verkraften. Während der Krise entließen die Dänen 21 Mitarbeiter und damit die Hälfte ihrer Belegschaft. Jetzt, da der Markt sich erholt, läuft es auch für Nordship Yachts wieder besser. "Wir wollen wieder einstellen", sagt Olesen.

Im Gegensatz zu seinen deutschen Wettbewerbern setzt der Verkaufsleiter große Hoffnungen in die hiesige Kundschaft: "Der deutsche Markt ist für uns am vielversprechendsten. Für uns läuft es hier momentan sogar besser als vor der Krise." Über alternde Kunden kann Olesen nicht klagen. Im Gegenteil: "Unsere Käufer werden jünger." Ihr Durchschnittsalter schätzt Olesen derzeit auf 50 Jahre.

Einen ähnlichen Altersschnitt hat auch Bootshändler Uhlig unter seiner Kundschaft ausgemacht - die übrigens ausschließlich aus Männern besteht. "Ich habe in zehn Jahren in diesem Geschäft kein einziges Boot an eine Frau verkauft", sagt Uhlig. Trotzdem weiß er sehr genau, welche Ansprüche Frauen an seine Motorboote stellen: "In der Regel entscheidet am Ende die Gattin, welches Boot gekauft wird."

Mehr lesen über