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Leuven: Die Studenten- und Bierstadt

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Leuven Gotik und Futurismus

Leuven ist berühmt für seine Uni und seine vielen Kneipen. Beim Thema Bier lässt die belgische Studentenstadt Brüssel locker hinter sich. Touristen trinken es am Groten Markt, am besten am späten Nachmittag. Dann erweckt die Sonne die 236 Statuen an der Rathausfassade zum Leben.

Leuven - Donnerstags am Abend tobt das Leben auf dem Oude Markt im belgischen Leuven. In 45 Restaurants, Kneipen und Cafés rund um den Marktplatz und auf den Terrassen davor bleibt kaum ein Stuhl leer. "Donnerstag ist der traditionelle Ausgehtag für die Studenten", erläutert Stadtführer Luc Philippe beim Rundgang durch das historische Zentrum. "Denn am Freitag nach den Vorlesungen reisen die jungen Leute ins Wochenende zu ihren Eltern."

Leuven - oder auch Löwen - mit seinen mehr als 90.000 Einwohnern ist Belgiens Studenten- und Bierstadt: Rund 35.000 Studenten besuchen die im 15. Jahrhundert gegründete Universität, die älteste Belgiens. Und am Rande des Stadtzentrums ist die Zentrale des Bierkonzerns Anheuser-Busch InBev, der bedeutendsten Brauereigruppe der Welt.

Junges Leuven, altes Leuven: Schon die Wikinger sollen der Überlieferung nach mit ihren kleinen Seeschiffen das Flüsschen Dijle bis Leuven heraufgeschippert sein. Zur großen Blüte kam die Stadt im späten Mittelalter. An der Handelsstraße von Köln nach Brügge gelegen, brachte der Handel mit Luxusgütern den Wohlstand in die Stadt. 1425 wurde die Universität gegründet. Mit dem Rathaus und der Sint-Pieterskerk gegenüber am Grote Markt entstanden in jenen Jahren zwei der schönsten gotischen Bauwerke in Belgien.

"Hoch hinaus wollten die Leuvener damals: Die Peterskirche sollte mit 175 Metern Höhe den damals höchsten Kirchturm der Welt bekommen", erzählt Stadtführer Philippe. Das Vorhaben scheiterte kläglich - das kaum höher als das Kirchendach geratene Bauwerk stürzte teilweise ein, der Untergrund war zu schwach.

Eine Rathausfassade mit 236 Statuen

"Der Grote Markt ist wie eine Theaterbühne: Hier inszeniert sich die Stadt selbst", sagt Philippe. Besucher sollten spät auf den Platz gehen, rät der Stadtführer. Dann streichen flache Sonnenstrahlen über die Rathausfassade mit den 236 Sandsteinstatuen, die Künstler, Gelehrte, Heilige und bedeutende Persönlichkeiten der Stadtgeschichte darstellen. Zu dieser Uhrzeit lohnt auch der Besuch der Peterskirche ganz besonders. Durchs helle Glas der Kirchenfenster tanzen die Lichtstrahlen über die Mauern des Hauptchores und bieten ein prächtiges Schauspiel von Licht und Farben.

Die Hochschulstadt ist auch Einkaufsmetropole in der Provinz Flämisch-Brabant. Während in der Fußgängerzone der Diestsestraat die Warenhausketten angesiedelt sind, halten sich in der Mechelsestraat zwischen der Sint-Pieterskerk und dem Vismarkt die kleinen Läden. Bei der Spitzenklöpplerin Lieve Lams im Laden "Serena" gibt es nicht nur Geklöppeltes, sondern auch feine Leuvener Pralinen.

Ein paar Häuser weiter lassen sich die Leuvener von den Fachfrauen der "Tafel van Feliz" bei den Vorbereitungen ihrer Familienfeiern helfen. Gegenüber bietet der beliebte Laden "Elsen" Hunderte Sorten Käse an. Und noch ein paar Schritte weiter gibt es für die Liebhaber gezeichneter Geschichten im "Stripwinkel" die neuesten Comichefte. "AutentHip Leuven" heißt der zweistündige Stadtspaziergang, bei dem Leuvens Besucher mit einem Führer die kleinen, versteckten Boutiquen und Geschäfte entdecken können und auch viel über die Geschichte der Stadt erfahren.

Kunstfreunde sollten sich viel Zeit nehmen für den Besuch des Stadtmuseums in der Leopold Vanderkelenstraat mit dem einfachen Namen "M" für Museum. Der 2009 eröffnete futuristische Neubau des Genter Architekten Stéphane Beel bietet einen reizvollen Kontrast zu den bedeutenden Malereien und Plastiken aus dem 15. und 16. Jahrhundert und Kunstwerken des 19. Jahrhunderts. Beim Rundgang eröffnen sich von den verschiedenen Etagen des Baus aus überdimensionalen Glasflächen überraschende Ausblicke auf das Häusermeer der Studentenstadt.

Bernd F. Meier/dpa

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