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Neues Luxushotel: Das Waldorf Astoria in Berlin

Foto: Swan Operations Ltd

Waldorf Astoria Berlin Neuer Glamour für den alten Westen

Berlin bekommt ein neues Luxushotel. Ende des Jahres eröffnet das Waldorf Astoria in der einstigen Schmuddelecke der Stadt, am Bahnhof Zoo. Im Interview erklärt Direktor Friedrich W. Niemann, warum er das Viertel für zukunftsträchtig hält und wie er sich wahren Luxus vorstellt.

Berlin - Die untergehende Abendsonne streut warmes rotgoldenes Licht über die Stadt. Übergoldete Häuserblöcke, Parks, Straßen, das geht bis zum Horizont so weiter. Berlin kann wunderschön sein, wenn man es von weit oben betrachtet, und es gibt wohl kaum einen besseren Ort dafür als den 31. Stock des neuen Waldorf Astoria mit seinen bodentiefen Panoramafenstern. Hier wird die 300 Quadratmeter große Präsidentensuite gebaut, die später einen fünfstelligen Betrag kosten soll - pro Übernachtung. Noch ist das neue Hotel ein Rohbau, aber Ende des Jahres soll es fertig sein und neuen Glamour in die Hauptstadt bringen.

Der Glamourfaktor der Gegend, in der er steht, ist allerdings derzeit noch überschaubar, um es vorsichtig auszudrücken. "Zoofenster" heißt das Gebäude, in dem des logieren wird; aber von den Fenstern der unteren Stockwerke sieht man nicht nur den Zoo, sondern auch den dazugehörigen Bahnhof sowie etliche Betriebe eher luxusferner Branchen - einen Sexshop, einen Schnellimbiss, eine Pfandleihe.

Ein Zimmer allerdings ist schon als Showcase fertiggestellt, exemplarisch für die 232 meist um die 40 Quadratmeter großen Zimmer und Suiten, die das Hotel haben wird. Hinter einer schweren Holztür findet sich klassischer Luxus: Ein von zwei Seiten zugängliches Bad, in den großen Spiegel ist ein Fernseher integriert, es gibt Fußbodenheizung und eine verschwenderische Kissenfülle auf dem opulenten Bett. Der Marmor fürs Bad kommt aus Verona, der kostbare Boden ist noch durch grobe graue Filzläufer geschützt.

Generaldirektor Friedrich W. Niemann, dessen Bauhelm und Reflektorweste stilecht das Waldorf-Astoria-Logo ziert, will dieses Haus zum ersten am Platze machen - ein ambitioniertes Ziel, denn der Luxussektor ist in Berlin hart umkämpft. 230 Millionen Euro hat der Investor Swan Operations aus Abu Dhabi in das Projekt gesteckt.

Peacock Alley und Guerlain-Spa

mm: Berlin hat mehr als zwanzig Fünf-Sterne-Hotels. Es gibt das Adlon, das Hotel de Rome, das Kempinski, das Ritz-Carlton. Warum braucht Berlin jetzt auch noch ein Waldorf Astoria?

Niemann: Wir sehen die Stadt als absoluten Wachstumsmarkt. Und unser Standort in der City West ist in unserem Segment noch gar nicht besetzt. Berlin hat sicherlich viele Fünf-Sterne-Häuser, aber im Vergleich zu internationalen Metropolen gibt es nur eine Handvoll echte Luxushotels. Da sehen wir noch Potential.

mm: Wie wird sich Ihre Klientel zusammensetzen?

Niemann: Der Gästemix in Berlin ist etwa hälftig aufgeteilt. 50 Prozent kommen aus Deutschland. Die andere Hälfte kommt aus dem Ausland, die meisten aus dem europäischen Raum - Großbritannien, Frankreich, Italien. Aber auch aus Nordamerika kommen viele Gäste, und wir beobachten Zuwächse im asiatischen Segment.

mm: Berlin hat im Vergleich zu anderen europäischen Großstädten relativ niedrige Zimmerpreise. Wie wollen Sie hier rentabel arbeiten?

Niemann: Man muss sich ja mit jedem Produkt am Markt orientieren. Die Preissituation in Berlin ist sicherlich eine andere als in London oder Paris. Oder in München. Wir werden uns also im obersten Preissegment in Berlin orientieren, aber dem hiesigen Markt angepasst.

Die Präsidentensuite ist 300 Quadratmeter groß

mm: Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal in diesem Markt?

Niemann: Wir sind das einzige echte Luxushotel in der City West. Der Gast muss nicht nach Mitte gehen. Und wir haben eine starke Marke. Waldorf Astoria ist die Inkarnation der Luxushotellerie schlechthin. Das Gebäude und die Ausstattung sind einzigartig. Und der Standort ist es auch.

In den 1920er Jahren gab es hier das "Romanische Café", das Erich Kästner mal als "Wartesaal der Talente" beschrieben hat. Hier gingen Leute wie Bertolt Brecht, Otto Dix und George Grosz ein und aus. Dieses Flair wollen wir wieder auferstehen lassen.

Im 31. Stock bauen wir eine 300 Quadratmeter große Präsidentensuite, die einen traumhaften Rundumblick über ganz Berlin bietet - auch über den Zoo: Da sehen Sie vom Sofa aus die Elefanten und Giraffen. Wir werden das einzige Guerlain-Spa in Deutschland haben. Einen fantastischen Ballsaal. Und der Service wird exzeptionell sein.

mm: Wie wird die Inneneinrichtung aussehen?

Niemann: Modern mit klassischen Elementen. Unser Stammhaus in New York ist ja eine Perle des Art Déco. Das soll sich auch hier in Berlin widerspiegeln. Und wir werden, wie das Stammhaus, eine Peacock Alley haben - eine Lobby, die Lust macht, zu schauen und gesehen zu werden. Wie in jedem Waldorf Astoria wird es auch in unserer Lobby eine Grandfather Clock geben, eine eigens für das Haus gestaltete, große Standuhr. Unsere Bauleitung ist eigens in die italienischen Steinbrüche nach Verona gefahren, um den Marmor für die Bäder auszusuchen.

mm: Wenn man aus dem Fenster des Ballsaals schaut, sieht man einen Beate-Uhse-Sexshop, eine Pfandleihe, ein AO-Hostel, einen Burger King. Und den Bahnhof Zoo. Ist das wirklich das passende Umfeld für ein Luxushotel?

Niemann: Das wird sich zeigen. Die City West ist ein dynamischer Standort, und wir gehen davon aus, dass sie sich verändern wird. Dieser Wandel wird auch vom Waldorf Astoria ausgehen. Wir sind Trendsetter. Ich kann natürlich nicht über Eigentümer oder Mieter von anderen Objekten sprechen. Aber seit unser Projekt Formen annimmt, ändert sich das Umfeld bereits. Wir sehen das am historischen Zoobogen, der jetzt für 100 Millionen Euro modernisiert wird. Die Kirche hat die Gedächtniskirche in Angriff genommen. Wir wollen mit den Nachbarn eine Partnerschaft aufbauen, dazu gehören auch die Deutsche Bahn und das Europa-Center, um zu sehen, wie man den Standort gemeinsam entwickeln kann.

mm: Die gehobene Hotellerie klagt seit langem über Fachkräftemangel. Sie auch?

Niemann: Wir werden im Waldorf Astoria etwa 200 Arbeitskräfte beschäftigen, plus externe Dienstleister etwa für Reinigung und Sicherheit. Vom ersten Tag an, als publik wurde, dass ich General Manager des Waldorf Astoria in Berlin werde, habe ich schon Bewerbungen für dieses Haus bekommen: Für die Küche, für den Service, für Managementfunktionen. Da war ich noch nicht mal hier, die Leute haben ihre Unterlagen an mein Büro ins Hilton nach Bukarest geschickt, wo ich damals noch gearbeitet habe. Die Anziehungskraft der Marke ist extrem groß.

mm: Wie lange werden Sie brauchen, bis das Haus Gewinn abwirft?

Niemann: Wir wollen im ersten Jahr profitabel sein.

mm: Das ist ehrgeizig.

Niemann: Aber realistisch. Berlin hat ein starkes Potential. Nach Paris und London, aber vor Rom ist Berlin die Stadt mit dem dritthöchsten Touristenaufkommen in Europa. Wir sind sehr zuversichtlich.

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