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Future Hotel: Wie man sich im Jahre 2020 bettet

Foto: gee-ly, Zürich und Fraunhofer IAO

Hotelzimmer der Zukunft Sanftes Schaukeln

In einem futuristischen Raum testet das Fraunhofer-Institut das Hotelzimmer der Zukunft, mit Schaukelbetten, Sensorfußboden, Serviceroboter und Mini-Spa. Die Hotellerie findet die Ideen interessant, setzt aber fast nichts direkt um. Die Branche hat schon mit den Mindeststandards zu kämpfen.

Duisburg - Wie schön könnte das Leben sein, wenn die Zukunft schon Gegenwart wäre. Zum Beispiel im Hotel. Ein sanftes Bett schaukelt den Gast in den Schlaf, Lichtszenarien tauchen die runden weißen Wände in magische Farbenspiele, und wer nachts noch mal ins Bad muss, muss weder im Dunkeln tappen noch ins grelle Licht blinzeln, sondern wird von einer dezent gedimmten Lichtleiste hingeführt. Ein Drucksensor im Fußboden macht es möglich. Und die Computersteuerung für alles, was das Haus an automatischem Service zu bieten hat, reagiert auf des Gastes Stimme.

Das "Hotelzimmer des Jahres 2020" im Duisburger InHaus-Zentrum des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation zeigt, was schon heute alles möglich wäre und im Hotel von morgen umgesetzt werden könnte. Seit zwei Jahren werden in dem futuristischen Zimmer gemeinsam mit Partnern aus Hotellerie und Industrie technische Prototypen getestet.

Etwa die Lichtanlage, die sich automatisch auf den Gast einstellt - wenn er das Zimmer betritt, kann er zwischen verschiedenen Stimmungen wählen. Der Raum selbst ist in traditioneller Science-Fiction-Optik gehalten und hat schon für viele Raumschiff-Enterprise-Vergleiche herhalten müssen. Rechte Winkel gibt es kaum, die Wände sind konkav, fast wie das Innere eines Schädels - und genauso weiß, wenn die LED-Anlage den Raum nicht gerade in Grün oder Blau tunkt.

Das große Fenster kann nicht nur als Aussicht nach draußen dienen, sondern auch als Monitor für Filme genutzt werden. Das Bad ist eine hochtechnisierte Wellnesszone. Ein integrierter Dampfbereiter macht das holzverkleidete Wannensegment zur Duftsauna, der Spiegel wandelt sich zum interaktiven Bildschirm, und diskrete Schiebetüren verstecken die Toilette vor den Blicken der Mini-Spa-Nutzer.

Aus zwei Einzelzimmern wird ein bettenloser Konferenzraum

Das Bett kann sanft nach beiden Seiten schwingen. "Untersuchungen haben gezeigt, dass es tatsächlich entspannend wirkt", berichtet Future-Hotel-Projektleiterin Vanessa Borkmann. "Man soll damit nicht die ganze Nacht schaukeln, kann es aber zehn bis 15 Minuten anwenden, um sich schnell und intensiv zu erholen und gestärkt in den Tag zu gehen. Das Produkt ist mittlerweile auf dem Markt - allerdings nicht als Hotelbett, sondern als Pendelliege für den Bürobereich oder Flughafenlounges." Auch für den Sensorfußboden hat sich bisher noch kein Hotelbetreiber gefunden, der ihn einbauen wollte - aber für Kreuzfahrtschiffe hat sich die Innovation als probat erwiesen.

In einem anderen Bereich des InHaus-Zentrums werden flexible Raumkonzepte getestet . Mit Hilfe ausgeklügelter Schiebe- und Drehelemente kann der Grundriss mit wenigen Handgriffen völlig umgewandelt werden. So wird aus zwei normalen Einzelzimmern wahlweise ein bettenloser Konferenzraum mit getrennter Herren- und Damentoilette oder eine großzügige Familiensuite mit Esstisch, Riesenbad und Kinderkojen. Ein tolles Konzept für Hotels in edlen Citylagen - denn der ganze Aufwand lohnt natürlich nicht, wenn es nebenan noch ein paar Hektar freien Baugrund gibt.

So faszinierend aber die futuristische Fassade des Hotelzimmers der Zukunft mit seiner ganzen verspielten Technik ist - an der Basis kommt bisher wenig davon an. "Das Future Hotel zeigt, was man alles machen kann", meint etwa der Hoteldesigner Peter Joehnk, der für große Ketten wie Steigenberger, Starwood und Hilton arbeitet, "ein Hotelinvestor schaut aber vor allem darauf, was sich rechnet. Viele sind gar nicht so sehr an neuer Technik interessiert. Die Entwicklung in Hotels hinkt der in privaten Haushalten immer hinterher. Hotelbetreiber neigen dazu, eine neue Technik erst dann zu installieren, wenn der Gast das wirklich erwartet - und das tut er erst, wenn sie zu Hause zur Selbstverständlichkeit geworden ist."

Neue Zielgruppen: Senioren und kostenbewusste Geschäftsleute

Sigurd Kern, Direktor Bau und Technik der Steigenberger Hotel Group, sieht das Fraunhofer-Projekt als "kreativen Input": "Es geht darum, immer wieder die Zukunft der Hotellerie zu beleuchten, sich ändernde Gästeerwartungen so früh wie möglich zu erkennen, inhaltliche und technische Neuheiten frühzeitig kennen zu lernen", sagt er.

Neue Hoteltrends, beobachtet Joehnk, schlagen sich allerdings eher im Design als in echten technischen Innovation nieder. "Mit modernen Bussystemen für die Gebäudetechnik könnte man im Hotelbereich viel sparen - etwa, wenn man die Steuerung der einzelnen Zimmer über einen Zentralcomputer laufen lässt, so dass im Raum erst dann etwas passiert, wenn der Gast eincheckt. Wir haben 200 Hotels gestaltet. Aber wir haben kein einziges Bussystem installiert, selbst im neuen Airrail Center in Frankfurt am Main nicht. Der Aufwand ist den Investoren meist zu groß, weil die Anfangsinvestition hoch ist und sich erst langfristig rechnet."

Insofern ist das Hotelzimmer der Zukunft tatsächlich genau das: Zukunftsmusik. Zwar stellten immer mehr Hotels auf LED-Lichttechnik um, und in Zukunft werde die zunehmende Verbreitung mobiler Technologie, die der Gast selbst mitbringe, "dramatischen Einfluss" auf die technische Ausstattung der Zimmer haben, meint Borkmann - aber in der Gegenwart angekommen ist davon bisher wenig. Die letzte flächendeckende große technische Änderung in deutschen Hotels, sagt Joehnk, sei der Austausch von Röhrenfernsehern gegen Flachbildschirme gewesen.

Aber die Fraunhofer-Hotelexperten forschen nicht nur an der möglichen Integration neuer technischer Systeme, sondern auch an der Segmentierung und Ansprache der Zielgruppen. Hier tut sich vieles. In einer groß angelegten Gästebefragung haben die Wissenschaftler nicht weniger als 17 Gästetypen ausgemacht, deren Bedürfnisse oft weit auseinanderliegen. Und auch neue formieren sich.

Everybody's darling funktioniert nicht mehr

"Die einzelnen Hotels sind im Zugzwang, sich schnell und passgenau zu verändern", sagt Borkmann. Ein Trend etwa sei das Patientenhotel: "Bisher gibt es da überwiegend medical hotels, die an Kliniken angeschlossen sind. Aber der demografische Wandel stellt die Senioren als Zielgruppe in den Vordergrund. Für ältere Reisende, die mit leichten Handicaps als Touristen unterwegs sind und vielleicht sogar einen gewissen Pflegebedarf haben, gibt es bisher nur wenige Antworten." Das mag auch daran liegen, dass eine gezielte Ansprache dieser Zielgruppe andere Reisende eher abschreckt - wer fürchten muss, im Frühstückszimmer das Durchschnittsalter der Gäste signifikant nach oben schnellen zu lassen, entscheidet sich im Zweifelsfall vielleicht lieber für ein anderes Haus.

Aber auch die Geschäftsreisenden sind, meint Borkmann, noch nicht ausreichend im Visier der Betreiber: "In diesem Bereich wächst das Budgetsegment, der Markt ist da noch immer nicht gesättigt." Joehnk bestätigt das : "Everybody's darling funktioniert nicht mehr. Ein sehr stark wachsendes Segment ist die Zwei-Sterne-Luxushotellerie, die stark auf Design setzt und auf Lebensgefühl."

Geht man aber nach den Ergebnissen der Gästebefragung, dann müssten tatsächlich erst einmal viel grundsätzlichere Probleme gelöst werden, ehe Hoteliers an Bodensensoren, Schaukelbetten und Sprachsteuerung denken sollten. "Es ist ganz einfach zu verstehen, was die Grundbedürfnisse des Gastes sind", fasst Borkmann zusammen: "Ein freundliches Lächeln, ein sauberes Zimmer, das nicht unangenehm riecht, in dem ich meinen Nachbarn nicht höre und ein Fenster öffnen kann - und natürlich ein gutes Bett. Oft werden aber noch nicht einmal diese Grundbedürfnisse ausreichend berücksichtigt."

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