Sonntag, 21. April 2019

Zürich Wellnesstempel und Tropenzauber

Zürich: Im Winterwunderland
TMN

Zürich ist eine der Lieblingsstädte für auswanderungswillige Deutsche. In Rankings zur Lebensqualität schafft sie es immer wieder auf die obersten Plätze. Kein Wunder, denn selbst im Winter bietet die Stadt kuschelige Refugien, etwa die riesige Regenwaldhalle im Zoo oder Wellnesstempel mit Alpenpanorama.

Zürich - Das Schild am Ende der Schleuse warnt: "Achtung! 35 Grad! 85 Prozent Luftfeuchtigkeit!" Noch bevor die Information das Zentralhirn erreicht, öffnen sich die automatischen Schiebetüren. Im ersten Moment fühlt es sich an, als würde die warme Luft kleine Wasserbläschen in die Lunge spülen. Sind nicht draußen eben noch die Pinguine im Gänsemarsch durch den Schnee gewatschelt? Und haben sich die Affen auf der verschneiten Wiese nicht bibbernd ineinander verknäult?

In der Masoala-Halle im Züricher Zoo zwischen Bambuspflanzen, Palmen, Orchideen und Bananenstauden herrschen plötzlich T-Shirt-Temperaturen. Winterjacke, Wollpulli und Schal wandern umgehend in die Umhängetasche.

Rundherum kreischt, zirpt und schnattert es. Der Blick nach oben zeigt: Es ist wie in den echten Tropen. Man hört die Affen zwar ständig brüllen, aber man bekommt sie praktisch nie zu Gesicht. Auf dem Glasdach der Halle liegt Schnee. Gerade fliegen zwei Flughunde darunter hindurch. Eine der beiden Riesenfledermäuse mit einer Flügelspannweite von bis zu 1,70 Meter hängt sich weit oben kopfüber an einen Ast.

Die Masoala-Regenwaldhalle ist mit 11.000 Quadratmetern Fläche eine der größten Ökosystemhallen der Welt. Mit ihr möchte der Züricher Zoo einen Beitrag dazu leisten, dass der bedrohte Masoala-Nationalpark auf Madagaskar erhalten werden kann. Ein Teil der Einnahmen aus dem angeschlossenen Regenwald-Panorama-Restaurant und die Spenden, die im Masoala-Informationszentrum des Zoos gesammelt werden, fließen in Naturschutzprojekte.

Wetterstation vor künstlichem Wasserfall

Mehrere hundert Tierarten leben hier. Vor allem kleine Tiere wie Tomatenfrösche, Tausendfüßler, Geckos und Vögel. Daneben kann man aber auch Riesenschildkröten, Flughunde und - mit etwas Glück - Chamäleons und Lemuren beobachten, die in den Baumwipfeln und an den Dachbalken der Halle herumturnen. Am Wegesrand der Dschungelpfade stoßen Besucher immer wieder auf geschickt inszenierte Zeichen der Zivilisation: eine kleine Wohnhütte, ein Forschercamp mit Karten und Laptop oder eine Wetterstation vor einem künstlichen Wasserfall.

Heute zeigt das Thermometer dort nur 22 Grad - aber immerhin ungefähr 25 Grad mehr als draußen. In Zürich gibt es keinen besseren Ort als die Masoala-Halle, wenn man in den kalten Wintermonaten sehnsüchtig den Sommer und die Tropen herbeisehnt.

Zürich ist eine der Lieblingsstädte für auswanderungswillige Deutsche. Der scheinbar unaufhaltsame Zustrom von zumeist gut qualifizierten Arbeitskräften aus dem Nachbarland hat bei manchen Eidgenossen, die um ihre kulturellen Eigenheiten fürchten, schon zu leichten Panikreaktionen geführt. Aber wundern müssen sich die Zürcher eigentlich nicht: Von 2002 bis 2008 wurde die 380.000-Einwohner-Stadt am See siebenmal hintereinander vom Beratungsunternehmen Mercer zur Stadt mit der höchsten Lebensqualität weltweit gewählt.

Der größte Pluspunkt der Stadt ist der See, der trotz seiner Lage mitten in der City Trinkwasserqualität aufweist. Er macht Zürich zu einem wahren Wasserparadies. Das Tourismusamt zählt 1200 Brunnen und mehr als 40 Bäder, die "Badis" genannt werden. Damit hat die Stadt die höchste Bäderdichte der Welt. Kein Wunder, dass die Zürcher ihre Freizeit im Sommer am liebsten am See- und Flussufer verbringen - beim Baden und abends an Wasserbars bei Cocktails und Kulturprogramm.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung