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Mosambik: Paradiese für Taucher

Foto: TMN

Tauchen in Mosambik Dem Wal ins Auge schauen

Safarifreunde zieht es nach Kenia, Tansania oder Südafrika. Afrikas Paradies für Taucher liegt genau dazwischen. Mosambik gilt als Geheimtipp. Nirgendwo auf der Welt kann man leichter Walhaie, Mantas und sogar Buckelwale vor die Unterwasserkamera bekommen als hier im Indischen Ozean.

Tofo - Aufmerksam beobachtet Tauchlehrer Xandrey die Wasseroberfläche. Nichts bewegt sich. Alle auf dem grau-blauen Taucherboot sind angespannt, voller Erwartung. Xandrey steuert langsam auf den Strand zu. "Dort, wo sich die Wellen brechen, tauchen sie eigentlich immer auf", sagt er, "weil es hier besonders viel Plankton gibt, ihre Lieblingsspeise."

Auch Wilfried Meyer starrt erwartungsvoll auf die glatte Wasseroberfläche. Es vergehen weitere Minuten, die sich wie Stunden anfühlen. Plötzlich ein Schrei: "Dort sind sie!" Der Masseur aus dem norddeutschen Friesoythe zeigt nach Steuerbord, Xandrey gibt Gas.

Und tatsächlich - vier riesige, fast angsteinflößend große Schatten ziehen in nur fünf Meter Entfernung am Boot vorbei. Aus dieser Distanz sind ihre dunklen Rücken mit den weißen Flecken klar zu erkennen - Walhaie! Auf dem Boot bricht Hektik aus. Die meisten können gar nicht schnell genug die Schwimmflossen anziehen. Einige sind so aufgeregt, dass sie beinahe vergessen, sich die Maske aufzusetzen, bevor sie ins Wasser springen.

Wie besessen beginnen die drei Schnorchler den Walhaien hinterher zu schwimmen. Die Kolosse unter den Haien lassen sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Gemütlich treiben sie knapp unter der Wasseroberfläche und filtern mit ihren riesigen Mäulern das Plankton aus dem Wasser, schwebende, mikroskopisch kleine Organismen.

Riesige Körper, winzig kleine Augen

Die Walhaie schwimmen sehr langsam. Wilfried Meyer überholt eines der Tiere, um ein Foto vom weit geöffneten Maul zu schießen. Gerade ein halber Meter trennt die beiden voneinander. Gleichgültig beobachtet ihn der Hai mit seinen winzig kleinen Augen. "Das Gefühl, neben dem größten Fisch der Welt zu schwimmen, ist einfach unbeschreiblich", sagt der Sporttaucher aus der Nähe von Oldenburg.

Fast zehn Meter lang und bis zu zwölf Tonnen schwer sind die Walhaie. Doch sie bewegen sich mit einer Leichtigkeit und Eleganz, die fast genauso imponiert wie ihre Größe.

Die Begegnung mit einem Walhai ist ein Höhepunkt für jeden Taucher. Dabei muss man nicht einmal tauchen können. Am besten sieht man sie beim Schnorcheln an der Wasseroberfläche. Doch nur selten bekommt man diese Riesen der Meere vor die Maske. Mosambik ist einer der wenige Tauchplätze auf der Welt, die fast eine "Walhai-Garantie" bieten. Das bestätigt auch Tauchlehrer Xandrey: "Ich hatte noch keinen einzigen Tauchgast, der nach Hause zurückgefahren ist, ohne einen Walhai gesehen zu haben."

Das ganze Jahr über sind die Großfische hier anzutreffen. Zwischen Oktober und April soll die Wahrscheinlichkeit, sie zu sehen, bei mehr als 90 Prozent liegen. Der Grund ist, dass das klare Wasser des Indischen Ozeans hier in der Straße von Mosambik zwischen Madagaskar und der afrikanischen Südostküste besonders reich an Nahrung für die Riesen ist.

Neun Mantas verdunkeln die Sonne

Vor allem die Riffe vor den kleinen Küstendörfern Tofo und Barra im Süden des Landes werden von fast allen Taucherzeitschriften als der weltweit beste Tauchplatz geführt, um nicht nur Walhaie, sondern auch Mantas zu sehen. Einheimische nennen den Küstenstreifen "Manta Coast".

Die Erwartungen sind also hoch, und sie werden erfüllt: Wie Gespenster schweben neun riesige Mantas in 30 Meter Tiefe am Riff von "Giants Castle" über die Taucher hinweg. Für einen Augenblick verdecken sie die Sonnenstrahlen, es wird dunkel in der Tiefe. Die Rochenart kann eine Spannweite von sieben Metern und ein Gewicht von bis zu zwei Tonnen erreichen. An einigen der zahlreichen Putzerstationen wie dem weltberühmten "Manta Reef" kann man zehn und mehr dieser friedlichen Teufelsrochen gleichzeitig sehen, wie sie sich von Putzerfischen säubern lassen. Ein unvergessliches Erlebnis.

Beeindruckender ist nur noch die Begegnung mit den größten Meeresbewohnern, die hier vor der Küste Mosambiks anzutreffen sind - Buckelwale. Vor allem zwischen Juli und Oktober kommen sie zum Kalben in die Region. Zwar ist Tauchen oder Schnorcheln mit den scheuen Riesen nicht erlaubt. "Sie sind aber aus nächster Nähe auch sehr gut vom Boot und sogar vom Strand aus zu beobachten", erklärt Bettina Schäflein vom Tauchzentrum Barra Reef Divers. Oftmals sitze sie abends auf der Terrasse ihres Strandhäuschens aus Holz, das zwischen Kokospalmen im puderweißen Sand steht, und höre den Walgesängen zu.

Die bis zu 18 Meter langen und 30 Tonnen schweren Buckelwale sind bekannt für ihre Lebhaftigkeit und vor allem für ihre lauten Gesänge. "Manchmal sieht man sogar von hier aus, wie sie hoch in die Luft springen", sagt die Frankfurterin, die vor einem Jahr ihren Job bei der Post hingeschmissen hat, "um in diesem Paradies zu leben."

Hier schwimmt alles, was kräftige Kiefer und spitze Zähne hat

Kaum ein Tauchrevier bietet eine solche Vielfalt von Großfischen wie Mosambik. Neben Walhaien, Buckelwalen, Teufels- und Adlerrochen, Delfinen und Schildkröten tummeln sich hier auch riesige Zackenbarsche, Barrakudas sowie Weißspitzen-, Bullen- und Leopardenhaie. Das Tauchrevier bei Ponta do Ouro im Süden des Landes lässt Taucherherzen ebenfalls schneller schlagen. Am "Deep Sea Pinnacle Ponta" wurden so viele Haiarten wie an kaum einem anderen Ort auf der Welt gezählt. Hier schwimmt vom Bullen- über den Tiger- und Hammer- bis zum Weißen Hai so ziemlich alles um die riesigen Thunfischschwärme her, was kräftige Kiefer und spitze Zähne hat.

Mosambiks Unterwasserwelt ist noch intakt, Massentauchen gibt es hier nicht. Zwar lockt die 2700 Kilometer lange Küste am Indischen Ozean mit weißen, einsamen Stränden und bunten Korallenriffen von Jahr zu Jahr mehr Besucher an. Doch der Tourismus kommt erst langsam in Schwung. Denn so schön die Unterwasserwelt auch ist, an Land gibt es außer wirklich einsamen Stränden noch nicht viel. Über Jahrzehnte verwüstete ein blutiger Bürgerkrieg das Land.

Wer auf einer Safari Elefanten, Löwen und Giraffen sehen möchte, fährt besser ins benachbarte Tansania oder Richtung Südwesten in den Krügerpark nach Südafrika. Während der Bürgerkriegsjahre in Mosambik rotteten die hungernden Menschen das Großwild in ihren Parks fast aus. Erst langsam werden wieder größere Bestände von Zebras, Nashörnern und Elefanten von angrenzenden Parks in Südafrika übergesiedelt.

Die Dörfer und Städte ähneln Ruinenfeldern

Auch viele Dörfer und Städte wurden zerschossen und niedergebrannt, noch immer ähneln sie Ruinenfeldern. Straßen sind teilweise nicht befahrbar, was die Anfahrt für Urlauber streckenweise zu einem Abenteuer macht. Auch das Strand- und Taucherparadies Tofo in der Nähe von Inhambane entwickelt sich erst langsam. Einkaufszentren und Flaniermeilen sucht man vergebens, Luxushotels gibt es nicht. Nur in Barra stehen einige etwas anspruchsvollere Strandhotels. Doch auch hier geht es ruhig zu. Selbst Souvenir-Verkäufer kommen nur selten am Strand vorbei.

Touristen können nur an den einsamen Stränden spazieren, die spektakulären Sonnenuntergänge beobachten und den Fischern zusehen, die mit ihren Daus, traditionellen arabischen Holzbooten, den ganzen Tag wenige Meter vom Strand entfernt fischen. Am Nachmittag laden sie den Fisch am Strand ab, wo Frauen ihn sortieren und direkt zu den wenigen Restaurants nach Barra und Tofo bringen. Sie lassen sich gern bei der Arbeit beobachten. Aber für Fotos verlangen sie Geld. Mosambik ist ein armes Land, und die Bürgerkriegsjahre haben die Menschen verändert.

Als der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama 1498 in Inhambane auf dem Weg nach Indien Halt machte, nannte er die Region noch "terra da boa gente", Land der guten Leute, weil sie ihn mit allem versorgten. Heute werden Urlauber meist nur noch als Devisenbringer gesehen. Kein Geld, kein Gefallen. Nur in der Unterwasserwelt gilt das nicht.

Manuel Meyer, dpa
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