Freitag, 21. Juni 2019

Luxushotel in Barcelona W wie Wow

W Hotel in Barcelona: Glassegel an der Mole
W Barcelona

Das W Hotel in Barcelona protzt mit edlem Ambiente und bombastischer Aussicht. Vor allem aber wollen die Angestellten aus 42 Nationen ihren Gästen ein echtes Wie-Daheim-Gefühl bescheren. Mit allen Mitteln sollen auch die absurdesten Wünsche wahr gemacht werden.

Barcelona - Seenot vor der Küste Barcelonas: Ein Katamaran droht zu sinken. Eine schöne Frau an Bord klammert sich verängstigt an den sportlichen jungen Mann, der verzweifelt die Arme in den Himmel reckt. Dann ein Wunder. Ein Hubschrauber erscheint, lässt ein Seil herab, beide werden gerettet und finden sich schon wenige Minuten später gemeinsam unter der heißen Dusche ihrer Luxus-Suite im nahen W Hotel wieder.

Ein gelungener Stunt: Die 4000 Euro teure Inszenierung, bestellt von dem Jüngling, um seiner Freundin zu imponieren, gehört zum Service in Europas erstem W Hotel in Barcelona, das die Idee von Luxus neu definieren will.

"W" steht für Wunder und für "Wow", wie die Gäste des von Stararchitekt Ricardo Bofill entworfenen Wolkenkratzers erstaunt ausrufen sollen. Denn die Geschäftsidee, vom Direktor Richard Brekelmans, 43, einem Niederländer, schneidig mit "Lifestyle und Leidenschaft" umrissen, ist es, den Gästen jeden Wunsch zu erfüllen.

Das betrifft besonders den heimlichen Wunsch fast aller verwöhnten Weltreisenden: dass alles so sein möge wie daheim. In diesem globalen Glaskasten am spanischen Mittelmeerstrand soll es klingen, riechen schmecken wie Zuhause. Und das für jeden der Gäste aus 74 Nationen, die hier seit der Eröffnung im Oktober vergangenen Jahres abgestiegen sind.

Styleteam statt Putzfrauen

Dafür sorgt schon der "Welcome Ambassador", ein strahlend schöner, blonder Mann mit sahneweißen Zähnen und einem umwerfenden Lächeln. "Welcome to the W Barcelona", ruft er und reißt den Neuankömmlingen den Wagenschlag auf. Dann dirigiert er den Hotelgast an die Rezeption, zu genau dem Kollegen, der dessen Sprache beherrscht oder zumindest eine, die er versteht.

Für Japanisch ist Norma Arias de Morinaka, 42, zuständig, eine Peruanerin. Norma ist Putzfrau im W Hotel, hier heißt das natürlich nicht so. Frau de Morinaka ist im "Styleteam" tätig. Normalerweise sorgt sie dafür, dass kein Staubkorn auf die mit weißem Sand und einer Orchidee gefüllten Glas-Halbkugeln auf dem Hallenboden fällt. Normalerweise bleiben Putzfrauen in Hotels auch möglichst unsichtbar.

Im W jedoch ist das anders, hier gilt sie wie alle 400 Angestellte aus 42 Nationen als "Talent". Hier dürfen, ja sollen sie sogar ihre unterschiedlichen Begabungen einsetzen. Und da Norma mit ihrem japanischen Ehemann elf Jahre lang in Tokio gelebt hat, wird die Putzfrau zur Betreuerin für Japaner. Sie sagt mit tiefer Verbeugung und perfekter Aussprache "konnichiwa", sie vermittelt ihren Gästen den Insider-Blick auf die katalanische Hauptstadt, sie arbeitet als Dolmetscherin. Stolz zeigt Norma Dankesbriefe, alles sei so gewesen in Barcelona, "wie wir es wollten", schreibt da ein älteres Ehepaar aus dem fernen Nippon.

Die globale Mannschaft ist unverzichtbar, damit sich in dem Glashaus in Form eines Segels Verwöhnte aus Saudi-Arabien genauso heimisch fühlen wie mit Goldketten behängte Russen oder Argentinier, die schon alles gesehen haben.

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