Sonntag, 25. August 2019

Hoteldesign "Alles wird offener"

Auch moderne Großstadtnomaden brauchen ein Zuhause. Der Hamburger Hoteldesigner Peter Joehnk erschafft es: Moderne Räume, in denen Arbeit und Freizeit verschmelzen können. Im Gespräch mit manager magazin verrät er, wie viel Geld Hoteliers für neue Zimmer in die Hand nehmen und welche Halbwertzeit Designtrends haben.

mm: Herr Joehnk, wie viel Geld muss ein Hotelier in die Hand nehmen, um ein neues Hotelzimmer einzurichten?

Joehnk: Im Premiumsegment ist das völlig offen. Bei wirklichen Luxushotels kann sich das zu Gesamtkosten von bis zu einer Million Euro pro Zimmer addieren - das ist durchaus ein Wert, der in außergewöhnlichen Projekten wie dem ehemaligen Kempinski Hotel in Heiligendamm real erreicht wurde, wenn man den Anteil am Gesamtgebäude mitrechnet.

Nur für die Einrichtung eines Zimmers kalkuliert man im Fünf-Sterne-Segment um die 30.000 Euro, aber auch hier gibt es Abweichungen nach oben. In den darunterliegenden Segmenten sind die Größenordnungen einheitlicher. Bei vier Sternen kalkuliert man mit etwa 15.000 Euro, bei dreien mit 10.000, und ein Zwei-Sterne-Haus kommt mit 5000 Euro pro Zimmer aus. Rechnet man da wieder den Anteil am Gesamtgebäude mit, liegt man im Zwei-Sterne-Segment bei etwa 70.000 Euro.

mm: Wie oft muss man ein Hotel einem grundlegenden Relaunch unterziehen?

Joehnk: Die Zimmer alle zehn Jahre, öffentliche Bereiche zwischen fünf und zehn Jahren. Das sind die Zahlen, mit denen Hotelketten arbeiten. Im Hamburger "Vier Jahreszeiten" haben wir mal renoviert, da waren die Zimmer 30 Jahre alt. Das geht auch; je klassischer ein Zimmer gestaltet ist, umso seltener muss man es renovieren, und je zeitgeistiger es ist, desto früher. Ein Hotel wie Kai Hollmanns "25 hours" oder seine "Superbude", hält wahrscheinlich keine zehn Jahre. Je designlastiger ein Haus ist, desto schneller kommt das Verfallsdatum.

mm: Merken Sie an der Auftragslage etwas von der Senkung der Mehrwertsteuer im Hotelbereich? Sind die Hoteliers investitionsfreudiger geworden?

Joehnk: Seit Anfang des Jahres zieht die Nachfrage bei uns an, und ich glaube schon, dass die Senkung der Mehrwertsteuer dann durchaus das letzte Quäntchen Motivation ist, um einen Auftrag auszulösen. Der Anstieg der Nachfrage war bei uns aber durchaus schon vorher zu spüren - und insofern kann man für die Hotellerie wohl sagen, dass sich die Schockstarre des Jahres 2009, als die Belegung der Businesshotels dramatisch einbrach, so langsam wieder löst. 2009 wurde ja alles an Investitionen gestoppt, was noch zu stoppen war - das wird nun allmählich doch wieder angeschoben.

mm: Was ist Ihren Auftraggebern bei der Inneneinrichtung wichtig? Kann man das auf einen allgemeinen Nenner bringen?

Joehnk: Das hat sich in den vergangenen zehn Jahren komplett gewandelt. Wir haben ja schon früher viel für die internationalen Ketten gebaut. Und damals haben wir sozusagen für die Hausdame gebaut: Funktionalität war das oberste Gebot. Pflegeleichte Teppiche, pflegeleichte Möbel - alles war so gestaltet, wie es betriebswirtschaftlich am sinnvollsten war. So konnte der Betreiber alles möglichst schnell wieder in Ordnung bringen, und der Gast hatte wenig Chancen, bleibende Flecken zu hinterlassen. Das hat sich in den vergangenen zehn Jahren komplett gewandelt. Man baut mittlerweile sehr gezielt für den Gast, nicht für die Angestellten.

mm: Wie sieht das konkret aus?

Joehnk: Ein zentrales Stichwort heißt Bleisure, die Verschmelzung von Leisure - Freizeit - und Business. Man braucht kein Businesscenter mehr. Man sitzt mit seinem Laptop in der Lobby und kann überall arbeiten. Alles wird offener und fließt ineinander. Dieser Trend ist am offensichtlichsten abseits der Rückzugsmöglichkeit, die das Hotelzimmer natürlich immer noch bieten muss - der Empfang wird langsam entbehrlich, ein Tablet-PC reicht dafür, und die Lobby geht fließend ins Restaurant über.

Dort muss man deshalb für verschiedene Sitzplatzangebote sorgen. Einerseits muss da der bequeme Sessel zum Reinfläzen stehen, andererseits der Barhocker nebst Hochtisch, wo man auf einer Höhe sitzt, in der auch vorbeilaufende Menschen nicht stören - das empfindet man auf niedrigerer Sitzhöhe als außerordentlich unangenehm. Für die Restaurantplätze braucht man dann wieder ganz normale Stuhlhöhen. So mischen sich in einem modernen Haus Sessel, Stühle, Barhocker in einer Folge von Räumen mit offenen Zonen. Ein weiterer Trend ist die Feminisierung der Hotels.

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