Mauritius Ein Regenbogen im Indischen Ozean

Viele Nationen und viele Kulturen haben ihre Spuren auf der Insel Mauritius hinterlassen. Heute leben Hindus, Moslems, Christen und viele andere Gemeinschaften in friedlicher Nachbarschaft. Im Zentrum des Schmelztiegels: Die quirlige Hauptstadt Port Louis.

Port Louis - Kilometerlange weiße Strände, bunte Korallenriffe und Luxushotels - Mauritius ist fraglos ein Urlaubstrauminsel. Doch die Insel im Indischen Ozean ist auch kulturell interessant. Hindus, Christen, Muslime und Gläubige anderer Religionen leben hier in friedlichem Miteinander. An der einen Straßenecke steht ein bunter Tamilentempel, vor dem in Hindi ausgezeichnete Lebensmittel verkauft werden. An der nächsten Straßenecke strömen muslimische Familien in eine Moschee - und wenige Meter weiter feiern Katholiken eine Hochzeit in Weiß.

"Wir Mauritier sind eine Regenbogenkultur", versichert Nagessen Soobroyen. Der Hindu arbeitet als Taxifahrer im Zentrum der Inselrepublik mit 1,2 Millionen Einwohnern. Rassismus habe auf Mauritius keine Chance, meint der 35-Jährige. Natürlich gebe es auch Kriminalität, und nicht jeder Mauritier würde außerhalb seiner Religion heiraten. Trotzdem sei das friedliche Zusammenleben eine Selbstverständlichkeit.

Das liegt wohl auch an der bewegten Geschichte der Insel: Im 16. Jahrhundert entdeckten die Portugiesen Mauritius, wenig später kam die Insel in Besitz der Holländer. Darauf folgten die Franzosen, die ihrerseits von den Engländern verdrängt wurden. Jede Nation hinterließ ihre Spuren. So fahren die Autos wie in England links, zahlreiche Städte tragen aber französische Namen. In vielen Vorgärten stehen gemauerte Minitempel mit einer roten Fahne, auf der ein Symbol verrät, welcher Hindu-Gott in diesem Haushalt verehrt wird.

Shiva grüßt vom Ufer des heiligen Sees

Als 1835 auf Mauritius die Sklaverei abgeschafft wurde, kamen Arbeiter aus aller Herren Länder auf die Insel. Meist nahmen Hindus aus Indien die mühsame Arbeit auf den Zuckerrohrfeldern auf sich. Aber auch Chinesen kamen, um Handel zu betreiben.

Im Süden der Insel befindet sich einer der wichtigsten Orte für mauritische Hindus, die mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen: der Grand Bassin, einer der beiden natürlichen Seen der Insel. Er liegt in einem erloschenen Vulkankrater und ist für Hindus heilig, weil er der Legende nach Wasser aus dem Ganges in Indien enthält. Zu religiösen Festen strömen bis zu 300.000 Gläubige zum See.

Kurz vor dem See grüßt bereits eine riesigen Statue des Gottes Shiva. Am Ufer stehen weitere knallbunte, verzierte Gottheiten. Ältere Frauen, kleine Kinder und ganze Familien versammeln sich hier, legen Opfergaben wie Blüten, Bananen oder Kokosnusshälften nieder, schwenken Räucherstäbchen und bringen inbrünstig oder leise murmelnd ihren Herzenswunsch vor: Gesundheit, Nachwuchs, Liebe oder ganz einfach Glück.

Die Tempel strahlen in satten Farben

Immer wieder fallen die besonders farbenfrohen Tamilentempel ins Auge. Auf die imposanten Türme und Mauern sind detailreiche Figuren gemalt. Selbst bei trübem Wetter strahlen die Tempel in sattem Grün, Gelb, Rot und Blau. Im Inneren meditieren und beten Priester, die den Raum regelmäßig in Rauchschwaden hüllen.

Aushängeschilder des Christentum auf der Insel sind die europäisch-ordentlich angelegten Friedhöfe, und auch die Kirche Notre-Dame Auxiliatrice am nördlichen Cap Malheureux gehört dazu. Das für Trauungen beliebte Gotteshaus überrascht Besucher in diesen Breitengraden. Denn während in der Umgebung tropische Temperaturen herrschen, exotische Pflanzen wachsen und im Hintergrund der Indische Ozean rauscht, steht direkt an der Küste die kleine katholische Kapelle mit rotgedecktem Spitzdach und einem überdimensionalen Kreuz.

Im Inneren machen sich aber auch mauritische Einflüsse bemerkbar: das Weihwasserbecken hat die Form einer großen Muschel, an der Decke verdrängen Ventilatoren die schwüle Luft, und neben dem Altar glüht eine kitschige Lampe - ebenfalls in Muschelform.

Indisches Gebäck und chinesische Heilkräuter

Nirgendwo aber ist der Schmelztiegeleffekt deutlicher spürbar als in der quirligen Hauptstadt Port Louis. In deren Zentrum leben Mauritier jedweder Herkunft Tür an Tür. Auf dem großen Markt, der sich über mehrere Hallen und Ebenen erstreckt, verkaufen die Händler indisches Gebäck neben chinesischen Heilkräutern. Währenddessen flanieren die Touristen im neu errichteten Shoppingareal am Hafen oder schauen sich im Blue Penny Museum die berühmten orangefarbenen und blauen Mauritius-Briefmarken an.

In Chinatown hocken asiatische Händler mit frischen Litschis, Melonen und Bananen auf dem Gehweg. Hinter einer schlichten Fassade versteckt sich ein chinesischer Supermarkt, in dem auch gleich noch eine Apotheke untergebracht ist. Neben getrockneten Früchten, Süßigkeiten und Chinaböllern stapeln sich in den meterhohen Regalen Medikamente und zweifelhafte Mittelchen.

Fast direkt neben dem Eingangsportal zu Chinatown steht an der Rue Royal die große Jummah-Moschee. Dort versammeln sich kleine Jungen zum Nachmittagsunterricht, Frauen tauschen Neuigkeiten aus, und im stillen Innenhof erinnert nichts daran, dass draußen die Autos und Busse laut hupend vorbeirasen. Zurück auf der Straße steht man dann wieder mitten im Kulturenwirrwarr à la Mauritius: Ein Krämer verkauft Braut- und Bräutigamfiguren für die Torten christlicher Hochzeiten. Und aus dem Taxi, das gerade hält, schallt ein französischer Chanson auf die Straße hinaus.

Aliki Nassoufis, dpa

Praktische Reisetipps

Mauritius liegt im südwestlichen Indischen Ozean, rund 800 Kilometer östlich von Madagaskar und etwa 1000 Kilometer von Afrika entfernt. Mauritius gehört wie La Réunion und Rodrigues zur Inselgruppe der Maskarenen. Amtssprache ist Englisch und wird auch überall verstanden. Dennoch herrscht Französisch im öffentlichen Leben vor. Hinzu kommt Kreolisch als Umgangssprache vieler Familien.

Anreise: Condor und Air Mauritius fliegen regelmäßig von Frankfurt und München zum Flughafen Sir Seewosagur Ramgoolam im Südosten der Insel. Der Flug dauert etwa elf Stunden. Zahlreiche Umsteige-Flugverbindungen gibt es über Paris, London oder Johannesburg.

Formalitäten: Für die Einreise nach Mauritius ist ein noch mindestens sechs Monate gültiger Reisepass erforderlich. Außerdem muss man eine Urlaubsadresse und ein gültiges Rückflugticket vorweisen können. Impfungen sind nicht erforderlich.

Klima: Mauritius eignet sich grundsätzlich das ganze Jahr über als Reiseziel. Im mauritischen Sommer (November bis März) liegt die Durchschnittstemperatur bei etwa 34 Grad, im Winter bei 22 Grad. In den Hochlandregionen im Inselinneren kann es häufig deutlich kühler werden.

Währung: Für einen Euro bekommen Urlauber etwa 42 Mauritius-Rupien (Stand: Februar 2010).

Informationen: Mauritius Tourism Promotion Authority MTPA , c/o Aviareps Tourism GmbH, Sonnenstraße 9, 80331 München (Tel.: 089/23 66 21 834, E-Mail: mauritius@aviareps.com.mu.

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