Dienstag, 21. Mai 2019

ADAC-Storno-Vergleich Teure Billigflieger

Satte Gewinne bei Flugstornierungen: Viele Airlines behalten einen Großteil des Ticketpreises, wenn der Passagier vom Kauf zurücktritt. In einem Vergleichstest des ADAC schnitt der Billigflieger Ryanair besonders schlecht ab.

Hamburg - Der reine Flugpreis muss immer gezahlt werden, auch ein Teil der Nebenkosten: Wenn ein Kunde sein Flugticket storniert, ist das für manche Fluglinien ein lukratives Geschäft. Im Schnitt werden nur 56 Prozent der Nebenkosten erstattet - obwohl die nur anfallen, wenn tatsächlich geflogen wird. Das ergab eine Erhebung des ADAC, bei der 15 Fluglinien getestet wurden.

Teure Nebenkosten: Bei einem Storno verdient Ryanair mehr als an einem Passagier, der den gebuchten Flug antritt
Am besten schnitten dabei die skandinavische SAS und Spanair ab, die immerhin je 89 Prozent der rund 90 Euro teueren Nebenkosten zurückzahlten. Mehr als 80 Prozent bekam der Kunde bei Turkish Airlines, TUIfly und Condor erstattet. Nicht einen Cent rückte dagegen Ryanair für den nicht angetretenen Flug heraus. Damit verdient die Gesellschaft bei einem Storno mehr, als wenn der Kunde fliegt. Da bei der für den Test gebuchten Reise von Frankfurt-Hahn nach London der Flug selbst nur drei Euro kostete, die eingesparten Nebenkosten aber 76 Euro betrugen, wurde in dem Fall aus dem Draufzahlgeschäft ein satter Gewinn. Der nicht angetretene Flug kann darüber hinaus noch einmal verkauft werden.

Der ADAC bemängelte zudem den Kundenservice der Fluggesellschaften. Während die Buchungsmaske im Internet meist leicht zu bedienen ist, muss der Kunde oft lange suchen, um den Kontakt für eine Stornierung zu finden. Auf der Homepage von easyJet etwa musste der Tester lange suchen, bis er die entsprechende 0900-Telefonnummer fand. Er kam nicht durch, in der Warteschleife wurde ihm empfohlen, eine Mail zu schreiben. Erst nach der zweiten Mail erhielt er zwölf Euro vom Gesamtpreis von 77 Euro zurück - zieht man davon die Handykosten von 8,43 Euro ab, bleiben nur noch 3,57 Euro übrig.

Das Callcenter von Germanwings (99 Cent pro Minute) informierte den Anrufer darüber, dass er im Internet ein neunseitiges Formular finde, das er per Einschreiben an die Fluggesellschaft schicken solle. Das Ergebnis waren 33 Euro Erstattung bei einem Gesamtpreis von 144 Euro.

Der Vergleichtest kritisierte außerdem, dass der Kunde oft nicht ersehen kann, wie sich der Erstattungsbetrag zusammensetzt - das werde bei den wenigsten Gesellschaften verständlich aufgelistet.

Für die Untersuchung buchten die Tester stichprobenhaft vier Wochen vor Antritt den Hin- und Rückflug in eine europäische Großstadt zum günstigsten Tarif, zwei Wochen später sagten sie ab. Ausgangspunkt der meisten Reisen war München, außer bei KLM (ab Berlin) und Ryanair (ab Frankfurt-Hahn).

Stornokosten verschiedener Fluglinien
Fluggesellschaft/Zielort Flug-
preis
Neben-
kosten
Gesamt Erstat-
tung
Erstattung prozentual
SAS/Kopenhagen 100 91 191 81 89
Spanair/Madrid 67 89 156 79 89
Turkish Airlines/Istanbul 124 102 226 87 85
TUIfly/Alicante 64 130 194 109 84
Condor/Istanbul 137 89 226 73 82
Iberia/Madrid 17 95 112 70 74
KLM/Amsterdam 26 65 91 37 57
Lufthansa/London 12 93 105 48 52
Air France/Paris 59 92 151 47 51
Germanwings/Berlin 76 68 144 33 49
British Airways/London 28 111 139 42 38
Alitalia/Rom 70 106 176 37 35
Air Berlin/Berlin 73 61 134 21 34
easyJet/London 13 64 77 12 19
Ryanair/London 3 76 79 0 0
Alle Angaben in Euro, der Wert in der rechten Spalte bezieht sich auf den Anteil an den Nebenkosten. Quelle: ADAC

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