Samstag, 20. April 2019

Prag Nepp an der Moldau

Tschechiens wunderschöne Hauptstadt kämpft gegen den Besucherschwund. Dabei sind viele Probleme hausgemacht: Taxifahrer berechnen Touristen gern ein Vielfaches des üblichen Preises, Franz Kafkas Geburtsstraße kostet Eintritt, und etliche Hotels vergeben sich ihre Sterne der Einfachheit halber selbst.

Prag - Die Karlsbrücke, die Burg, die Altstadt mit ihren Kneipen: Prag ist für viele Touristen ein Stein gewordener Traum. Doch es wird leerer an der Moldau. Im ersten Halbjahr 2009 haben knapp fünf Millionen Besucher in den Hotels und Hostels übernachtet, zählte das Tourismusbüro der Stadt. Das sind rund elf Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Auch bei den deutschen Gästen, traditionell die größte Gruppe, sei die Zahl um drei Prozent auf rund 590.000 gesunken. Hinter den Fassaden in der Altstadt stehen die Hotelzimmer oft leer. Die Wirtschaftskrise und der Ruf als Touristenfalle schaden Tschechiens Hauptstadt. Doch der Besuch lohnt sich auch jetzt noch - wenn man sich nicht übers Ohr hauen lässt.

"Seit der zweiten Hälfte 2008 schadet die Wirtschaftskrise dem Fremdenverkehr", erklärt Vit Barta von Tschechiens Nationalbank. Das trifft die Hauptstadt besonders hart. Die Stadtverwaltung reagiert mit einer Werbekampagne in Flugzeugmagazinen und Fernsehsendern. Außerdem sind die Zimmer im Schnitt um zwölf Prozent günstiger geworden, erklärt der Tschechische Verband der Hotels und Restaurants. Was die Besucher freut, ist für billige Unterkünfte allerdings ein Problem: "Die Drei- und Vier-Sterne-Hotels haben ihre Preise so stark gesenkt, dass sie uns Konkurrenz machen", sagt Mathias Schwender, der in Prag zwei Hostels und ein Hotel besitzt.

In Schwenders Design-Hostel "Czech Inn" in der Innenstadt sieht es zwar noch nicht nach Krise aus: Die Bar ist voll, unter der stuckverzierten Decke sitzen junge Leute mit ihren Laptops beim späten Frühstück. Doch auch Schwender hat seine Preise senken müssen. Die Wirtschaftskrise sei aber nicht das einzige Problem, sagt er: "Es gibt hier eine gewisse Abzockmentalität." In den vergangenen Jahren habe sich zwar einiges verbessert, sagt der 36-jährige Badener. Aber manche Probleme bekomme die Stadt einfach nicht in den Griff.

Drei Tageskarten sind billiger als eine Dreitageskarte

Zum Beispiel die berüchtigten Taxifahrer, die oft ohne sichtbares Taxameter unterwegs sind. Mathias Schwender führt eine Rekordliste. Auf Platz eins steht eine fünfminütige Fahrt vom Bahnhof zum Hotel: Die Gäste haben dafür umgerechnet rund 200 Euro bezahlt - "diese Leute kommen nie wieder". Die Stadt kennt das Problem: Bürgermeister Pavel Bem hatte sich vor vier Jahren als Tourist ausgegeben, war Taxi gefahren - und zahlte stets ein Mehrfaches des üblichen Preises.

Wer nicht seine gesamte Urlaubskasse im Taxi lassen will, sollte sich an die Empfehlungen der Stadt halten und einen seriösen Anbieter wählen, den man am besten telefonisch an der Rezeption oder vom Restaurant bestellen lässt. Niemals sollte man einfach ein Taxi heranwinken. Wer sich das Nummernschild merkt, den Preis vorher aushandelt und mit kleinen Scheinen zahlt, fährt sicherer.

Allerdings ist Taxi fahren in Prag meist nicht nötig, dank des guten Nahverkehrssystems. Doch auch hier macht man es Touristen schwer: Fahrkarten gibt es nicht an allen Straßenbahnhaltestellen, sondern manchmal nur in Tabakläden oder in der U-Bahn. Das Preisschema ist interessant: Ein Tagesticket kostet für Alleinreisende 100 Kronen (3,90 Euro), ein Dreitagesticket 330 (12,90 Euro). Tageskarten sind also billiger. Zumal es sich um 24- und 72-Stunden-Karten handelt - wer nicht Tag und Nacht unterwegs ist, dem reicht oft ein Tagesticket oder ein Einzelfahrschein.

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