Wandern im Neandertal Zurück in die Steinzeit

Vor 150 Jahren stießen Bauarbeiter unweit von Düsseldorf auf die Knochen einer vorzeitlichen Menschenart. Dem Urahnen aus der Steinzeit ist heute ein ausgezeichnetes Museum gewidmet - und ein schöner Wanderweg lädt zur geistigen Zeitreise ein.

Erkrath - Die Gegenwart des modernen Menschen ist kaum zu übersehen. Riesige Betonpfeiler durchschneiden die Landschaft am Erkrather Stadtrand in der Nähe von Düsseldorf. Sie tragen die Autobahnbrücke der A3 über das Neandertal, dem der Kirchenmusiker Joachim Neander seinen Namen gab. Bekannt ist die Gegend jedoch aus anderen Gründen: 1856 stießen Bauarbeiter hier auf Knochenreste einer vorzeitlichen Menschenart, die nach ihrem Fundort Homo neanderthalensis, Neandertaler, benannt wurde.

Auf den Spuren dieser Steinzeitmenschen führt eine abwechslungsreiche Wanderung durch das heutige Naturschutzgebiet. Während im Hintergrund der Verkehr rauscht, erreicht der Weg bald das Ufer der Düssel. Schnell bestimmt das Gluckern und Glucksen des Baches die Geräuschkulisse. Immer wieder bricht die Sonne durch das Blätterdach und zaubert Lichtflecken auf den Boden.

So gemächlich plätscherte die Düssel nicht immer durch das Tal. Der Name des Bachs geht auf ein mittelhochdeutsches Wort zurück: "Tussila" - die Wilde. Damals floss die Düssel noch durch eine tiefe Schlucht. Wie es hier wohl ausgesehen hat, als der Neandertaler noch lebte? In Serpentinen führt die Strecke steil den Hang hinauf - und anschließend direkt wieder bergab. Auf einer Weide neben dem Weg grast eine Herde Galloway-Rinder. Ein paar Kurven weiter macht ein Hinweisschild auf die Reste eines historischen Kalkofens aufmerksam.

Der Kalkabbau förderte nicht nur die Überreste des Neandertalers zutage. Er veränderte auch das Gesicht der Landschaft. Zurück blieben alte Steinbrüche mit hohen Felswänden. Optimale Bedingungen für einen Schluchtwald: In dem kühlen und feuchten Klima wachsen Esche, Bergahorn und Bergulme, der Boden ist mit Efeu bedeckt, auch Farne und Moos fühlen sich hier wohl. Jetzt ist es nicht mehr weit zur Fundstelle des Neandertalers. Eine Gedenktafel erinnert daran.

250.000 Jahre lang lebten die Neandertaler in Europa, angepasst an die rauen Lebensbedingungen der Eiszeit. Dass es sie überhaupt gab, deckte erst der Fund ihrer Überreste vor gut 150 Jahren auf. Ein gepflasterter Weg führt als Zeitstrahl bis zur Stelle des historischen Fundortes. Weitergehende Informationen bietet das 1996 eröffnete Neanderthal-Museum. Der markante spiralförmige Bau liegt nur wenige hundert Meter von der Fundstelle entfernt. Multimedial vermittelt das Museum die Entwicklungsgeschichte der Menschheit und präsentiert aktuelle Forschungsergebnisse. Das Museum wurde gerade erst mit dem Deutschen Archäologiepreis 2009 ausgezeichnet.

Vom Auerochsen zur Kaffeetafel

Am Museum beginnt auch der neue Skulpturenpfad "MenschenSpuren", den elf Künstler gestaltet haben. Er markiert den zweiten Teil der Wanderung, die fast bis ans andere Ende des Naturschutzgebietes führt. An der Steinzeitwerkstatt vorbei, folgt man zunächst dem ausgeschilderten Rundweg entlang des Eiszeitlichen Wildtiergeheges. 1935 eingerichtet, leben auf dem 23 Hektar großen Freigelände heute nur noch drei Tierarten: Auerochsen, Wisente und Tarpane, die schon zur Jagdbeute der Neandertaler gehörten.

Die Düssel bleibt ein steter Begleiter, der sich mal näher, mal weiter entfernt durch den ursprünglichen, beinah wilden Wald schlängelt. Umgestürzte Bäume liegen rechts und links im Unterholz. Angenehm kühl ist es hier. Wärmer wird es, wenn der Weg zwischendurch an einigen Feldern vorbei führt. Das nächste Etappenziel ist die Winkelsmühle, 1531 erstmals urkundlich erwähnt. Hier mussten die Bauern auf Erlass des Herzogs ihr Korn mahlen lassen. Schon von weitem ist das Mühlrad zu hören.

Auf der Wiese hinter dem Haus, unweit des Mühlteiches, laden Holzbänke zu einer Pause ein. Einkehren können Wanderer allerdings erst ein paar Kilometer weiter in Frinzberg, in der Nähe der ehemaligen Bracker Mühle. Je näher der Parkplatz des Museums rückt, desto voller werden die Wege. Nach einem letzten Blick auf das Gehege der Tarpane ist es Zeit für eine Stärkung. Serviert wird eine Bergische Kaffeetafel, die Spezialität der Region: Schwarzbrot, Graubrot, Stuten, dazu Apfelkraut, Quark, Käse und Wurst, Milchreis, Kuchen, eine Waffel und natürlich Kaffee. Dass wir heute noch gerne viel und fett essen, hat seine Ursprünge in der Steinzeit. Schließlich wusste man damals nie, ob es am nächsten Tag wieder ausreichend Nahrung gab.

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