Samstag, 20. April 2019

Südböhmen Kanutour durchs Kulturerbe

Sanfte Berge, malerische Dörfer, uralte Städtchen mit krummen Kopfsteinpflastergassen, gotische Kirchen und ein schneeweißes Märchenschloss - eine Tour durch Südböhmen ist eine Entdeckungsreise durch reiches Kulturerbe. Wer mag, tritt sie im Kanu an.

Cesky Krumlov - Eingebettet in die sanfte Berglandschaft des südlichen Böhmerwaldes an der Grenze zu Österreich liegt der Lipno-Stausee. Das größte tschechische Gewässer hat sich seit dem Fall des Eisernen Vorhangs bei Anglern und Wassersportlern auch aus dem Ausland zu einem beliebten Ziel entwickelt.

Für Radler gibt es ein umfangreiches Wegenetz. Wer den See umrundet, muss einige anstrengende Steigungen meistern, wird aber mit schönen Aussichten belohnt. Station machen können Besucher im Dorf Horni Plana, dem Geburtsort des Schriftstellers und Malers Adalbert Stifter. Das einstige Holzfällerdorf Ligno wurde mit der Flutung des Stausees in den Jahren 1952 bis 1960 zerstört und an höherer Stelle neu errichtet. Die Staumauer unterhalb des Ortes bildet die obere Staustufe in einem System dreier Dämme, das die Moldau bis Prag regulieren soll. Wie wenig die Naturgewalten berechenbar sind, zeigte zuletzt allerdings das August-Hochwasser im Jahr 2002 mit seinen schweren Überschwemmungen.

Flussabwärts von Ligno liegt das Zisterzienserkloster Vyssi Brod mit seinem gotischen Dom. Es wurde zwar 1950 von der sozialistischen Regierung geschlossen, doch seit 1990 ist wieder Leben in das Kloster eingekehrt. Ein Ordensbruder führt durch die Kirche, die Gemäldegalerie und die Bibliothek. Deren Grundlage war eine kleine Handbücherei, die die ersten zwölf Mönche im Jahr 1259 anlegten. Heute umfasst die Sammlung rund 70.000 Bände und 205 Pergamenthandschriften. Vier "Schreiben des heiligen Paulus" aus dem 8. Jahrhundert - sind die ältesten Exemplare.

Kaputtsanieren war nicht drin

Vyssi Brod ist ein beliebter Ausgangspunkt für Kajaktouren auf dem Oberlauf der Moldau. Geübte und gut trainierte Kanuten schaffen es an einem Tag bis ins 35 Kilometer entfernte Cesky Krumlov (Krumau). "Wenn einmal ein Zufall, müßige Reiselust oder der Tod Ihrer verehrten Erbtante Sie nach Südböhmen führt, lassen Sie es sich nicht verdrießen, einen Tag in dem malerisch gelegenen Städtchen Aufenthalt zu nehmen", schrieb Rainer Maria Rilke 1895. Das zum Weltkulturerbe gehörende Städtchen beeindruckt viele Besucher mit seiner Altstadt und wird von einem Schloss überragt, das dem Prager Hradschin an Größe kaum nachsteht.

"Krumau ist die Perle Böhmens, und dass dieses Gesamtkunstwerk erhalten geblieben ist, verdanken wir den notorisch leeren Prager Staatskassen", erzählt Stadtführer Stanislav Jungwirth. "Kaputtsanieren war damals einfach nicht drin." Gerade noch rechtzeitig sei vor 20 Jahren die Wende gekommen, um die während der Zeit des Sozialismus total verfallene Bausubstanz retten zu können.

Heute erstrahlen die meisten der rund 400 historischen Häuser wieder in alter Schönheit. Der Rundgang führt durch ein Labyrinth enger und krummer, mit Kopfsteinen gepflasterter Gassen. Zu bestaunen sind die Veitskirche mit ihrem schlanken Turm, das ehemalige Jesuitenkolleg und schöne Bürgerhäuser im Barock- oder Renaissancestil. Im Fischerviertel direkt am Ufer der Moldau laden urige Kneipen ein - mit Blick auf die am anderen Ufer liegende Burg. Besonders stimmungsvoll ist es am Abend, wenn die Burganlage durch Scheinwerfer angestrahlt wird.

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung