Kameha Grand Bonn Nobles Glashaus am Rhein

Wer in diesem Glashaus sitzt, darf mit Scheinen werfen: Mit opulenten Suiten, einer riesigen Eventhalle, Edel-Spas und Rothschild-Lounge will Kameha-CEO Carsten K. Rath in seinem neuen Bonner Haus an der Renaissance der Grandhotellerie teilhaben. Mit manager-magazin.de sprach der Hotelier über Branchentrends und die Lust am Luxus.

mm.de: Sie eröffnen in Bonn ein neues Luxushotel. Warum ausgerechnet dort?

Rath: Wir haben genau analysiert, in welche Stadt wir zuerst gehen wollen. Für Bonn haben sehr viele Argumente gesprochen. Unter Berücksichtigung der Marktkapitalisierung der 30 Dax-Konzerne rangiert Bonn nach München und Düsseldorf auf dem dritten Platz. Bonn hat eine unglaubliche Finanzkraft. Hier sitzen Unternehmen wie die Deutsche Post, die Postbank, die Telekom, Solarworld und Haribo, um nur ein paar zu nennen. 18 UN-Organisationen sind in Bonn. Die Stadt hat mit dem Wegzug der Regierung nichts von ihrer Internationalität verloren.

Und wir wollen Häuser an besonderen Plätzen bauen - an Lieblingsplätzen, wie wir sie nennen. Zehn Meter unterhalb der Hotelterrasse ist das Rheinufer. Wir haben den ganzen Tag Sonne und schauen gegenüber auf die Rheinauen in ein Naturschutzgebiet, das nie bebaut werden darf. Die Lage ist spektakulär. Und gut erreichbar: In einer Viertelstunde ist man am Flughafen Köln-Bonn, in elf Minuten am ICE-Bahnhof, um in 38 Minuten am Flughafen Frankfurt zu sein.

mm.de: Das Bonner Dorint am Venusberg hat sich freiwillig auf vier Sterne zurückstufen lassen, weil viele Firmen in ihren Reiserichtlinien den Besuch von Fünf-Sterne-Hotels nicht mehr gestatten. Sie machen am Bonner Bogen jetzt ein neues Fünf-Sterne-Haus auf …

Rath: Nein. Wir machen kein Fünf-Sterne-Haus auf. Wir positionieren uns als ein Lifestyle-Hotel, das an die alte Tradition der Grandhotels anknüpft. Wir haben aber nirgendwo gesagt, dass wir uns vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga als Fünf-Sterne-Haus klassifizieren lassen wollen.

Der Dehoga richtet die Einstufung ausschließlich am Vorhandensein von Serviceleistungen und Produkten aus - nicht an deren Qualität. Unser Ansatz ist anders. Ich möchte der Bewertung durch die Gäste nicht durch die Klassifizierung vorgreifen. Wir sind allerdings sehr glücklich darüber, dass wir Mitglied bei "Leading Hotels of the World" werden.

mm.de: Was bedeutet denn Grandhotellerie für Sie?

Rath: Heute verknüpft man sie oft mit Plüsch, Nostalgie und einer etwas steifen Atmosphäre. Das ist aber nicht das, wofür Grandhotellerie eigentlich steht. Die hat immer Lebensstil geprägt, war ihrer Zeit voraus und hoch innovativ. Das erste Haus, in dem es Elektrizität gab, war das Ritz in Paris. Das erste Haus, in dem es fließend warmes und kaltes Wasser gab, war das Adlon in Berlin. Wir werden modern sein, Dinge hinterfragen, anders sein. Es gibt für uns nur eine einzige Frage: Was will der Gast?

"Feiern, und zwar kräftig"

mm.de: Wer wird Ihr Gast sein?

Rath: Wir haben drei unterschiedliche Zielgruppen. Die Geschäftsreisenden kommen in der Regel montags bis donnerstags. Dem Freitag- bis Sonntag-Gast bieten wir 63 Themensuiten zusätzlich zu 190 großen Zimmern, ein sehr großes Spa und ein sehr großes Fitnesscenter.

Die dritte und vielleicht wichtigste Gruppe sind Veranstalter. Wir haben mehr als 2600 Quadratmeter Eventfläche, die mit dem Multimediasaal Platz für 2500 Menschen bietet. Wir haben zwei Ballsäle und sechs Konferenz- und Banketträume. Damit sind wir prädestiniert für Produktpräsentationen, Events und Konzerte. Wir wollen dem Gast nicht nur Rückzugsmöglichkeiten bieten, in denen er leise cocoonen kann, sondern auch Entertainment. Wir werden dort feiern, und zwar kräftig.

mm.de: Was wollen Sie anders machen? Worin besteht das Neue?

Rath: Unser Design ist sehr innovativ. Der Architekt Karl-Heinz Schommer und der Neobarock-Designer Marcel Wanders haben das Haus mit einem kleinen Augenzwinkern gestaltet. Wir haben einen runden Billardtisch in der Halle, unter dessen Glasplatte ein Aquarium ist. Über der Bar schwebt ein acht Meter langer und drei Meter breiter Fisch, der mit Helium gefüllt und mit Sensoren ausgestattet ist.

Wenn Sie in Ihrem Zimmer das Leselicht anschalten, geht an der Wand der Mond auf. Jedes Zimmer ist 3,10 Meter hoch und hat bodentiefe Fenster, fast alle mit Rheinblick. Wir bauen Blu-ray-TVs ein, wir haben dreidimensionales Fernsehen und Musikanlagen, in die Sie Ihren iPod einstecken können. Auf Wunsch programmieren wir das Licht so, dass es Sie am Morgen sanft weckt. Auch den Duft, mit dem Sie aufwachen wollen, können Sie einstellen.

Und dann erst die Rezeption: In die Mitte der Halle haben wir eine Bar gebaut, die gleichzeitig Kommunikationstreffpunkt ist. Dort sitzt der Concierge, und dort ist auch Arbeitsfläche für den Gast - Arbeit und Vergnügen vermischen sich. Wenn Sie das aber nicht wollen, dann haben wir, versteckt hinter Vorhängen, vier Check-in- und Check-out-Inseln.

mm.de: Was bieten Sie gastronomisch?

Rath: Wir beginnen mit einer klassischen Brasserie mit 200 Sitzplätzen, die vor allem regionale Spezialitäten anbietet. Für das zweite Restaurant in der fünften Etage, das eine großzügige Terrasse hat, haben wir einen japanischen Sushi-Meister engagiert. Wir haben die Möglichkeit, später ein drittes Fine-Dining-Restaurant hinzuzunehmen.

Und wir haben die erste Baron-Philippe-de-Rothschild-Lounge. Dort werden wir große französische Weine im Glas anbieten, zu günstigen Preisen - wo bekommen Sie sonst 95er Mouton Rothschild im Glas? Oder einen offenen Petrus? Wir werden jede Woche acht große Weine im Angebot haben. Wir haben außerdem eine Cigar Lounge als weitere Rückzugsmöglichkeit, und in der Reingold-Bar legt ein DJ heiße Rhythmen auf.

"Es gibt keine ideale Größe"

mm.de: Was ist die ideale Größe für ein erstklassiges Hotel? Kai Hollmann etwa, der in Hamburg das "The George" betreibt, spricht von 140 Zimmern als Maximum.

Rath: Es gibt keine ideale Größe. Es gibt nach unten hin ein Limit, das Sie brauchen, um Geld zu verdienen. Sie brauchen beispielsweise einen Zimmerservice, der 24 Stunden am Tag erreichbar ist - das lohnt sich aber nicht für acht Zimmer. Bei Resorthotels liegt die Grenze sicherlich niedriger als bei Stadthotels. Ab wann man anfängt, Geld zu verdienen, liegt an der Stadt, an der Durchschnittsrate, an der Lage.

Wir würden sicherlich keine Stadthotels unter 80 Zimmer haben. Im Resortbereich sehen wir das völlig anders - da kann man durchaus ein Hotel mit 25, 30 oder 35 Suiten bauen. Im Kameha Grand haben wir 190 Zimmer und 63 Suiten. Ein Hotel lebt von der Gastfreundschaft und vom Herzen. Aber im Hintergrund ist ein System. Wenn Sie das intelligent auf den Gast gerichtet aufstellen, ist es unerheblich, ob Sie 80 oder 800 Zimmer haben.

mm.de: Welche Trends sehen Sie im Spa-Bereich?

Rath: Auch da gibt es Unterschiede zwischen Cityhotels und Resort-Hotels. Sie können heute kein Ferienhotel betreiben, das nicht ein großzügiges und großartiges Spa hat. Der Standard verbessert sich permanent, der Anspruch wird immer höher. Der Trend zu großen, öffentlichen Spa-Flächen, auf denen Sie sich nach Sauna, Treatment oder Sport mit anderen Gästen tummeln, ist aber rückläufig.

Das Spa wird immer privater. Wir haben deshalb wenig öffentliche Flächen gebaut. Wir haben fünf Behandlungsräume, dazu eine Spa-Suite, wir haben den Fitnessbereich abgetrennt. Die Leute gehen speziell in eine Behandlung und wollen danach ihre Ruhe haben.

mm.de: Das Kameha Grand Bonn ist Ihr erstes Hotel. Weitere sollen folgen. Was planen Sie als Nächstes?

Rath: Unsere weiteren Pläne werden sich am Erfolg dieses ersten Hauses entscheiden. Machen wir uns nichts vor: In der heutigen wirtschaftlichen Situation muss dieses Hotel durchstarten. Wenn es ein Erfolg wird, wird es relativ schnell möglich sein, es zu vervielfältigen. Wir haben auf Mallorca ein Grundstück gekauft, in Bendinat, in 1-AA-Lage: links eine Bucht, rechts ein weißer Sandstrand. Dort wollen wir, sobald wir die Baugenehmigung haben, unser erstes Resort-Hotel bauen.

Es gibt einen zweiten Standort in Phuket, auch direkt am Meer. Die Planung ist fertig, dort könnten 88 Villen entstehen. Aber wir sind derzeit ambivalent, was Thailand angeht. Das hat mit der wirtschaftlichen und mit der politischen Situation in Asien zu tun. Wir warten ab. Wir haben ja keine Eile.

"Wir wollen wachsen"

mm.de: Und wie viele Hotels sollen es insgesamt werden?

Rath: Wir wollen wachsen. Wir haben die Vision einer Gruppe von individuellen Hotels. Der Erfolg ist nicht deren Anzahl, sondern der betriebswirtschaftliche Erfolg des einzelnen Hauses. Wenn das Kameha Grand andere Investoren überzeugt, wird auf dem Markt schnell ein positiver Druck entstehen, den Sie schon heute spüren. Die Investoren wollen weg von dem schon Gehabten. Es gibt genügend Standardhotels auf der Welt.

Der Drang nach neuen Marken ist da, das spüren Sie auch bei den etablierten Gesellschaften. Warum hat Starwood eine Gruppe wie W Hotels gegründet? Warum hat Hilton es gerade mit Denizen Hotels versucht? Alle wollen eine neue, innovative Marke haben, weil das Althergebrachte sich abgenutzt hat. Da haben wir eine große Chance, weil wir die Ersten sind.

mm.de: Welche Auslastungsquote peilen Sie an?

Rath: Es kommt viel mehr auf das Zusammenspiel von Auslastung und Rate an. Auslastung ist limitiert, von 0 bis 100 Prozent. Die Rate hingegen ist nach oben offen. In Bonn wollen wir bei der Auslastung relativ schnell über die 60 Prozent kommen. Dabei geht es ja nicht nur um betriebswirtschaftliche Berechnungen - Sie brauchen auch eine gewisse Anzahl an Menschen, um Leben und Bewegung im Haus zu haben.

In der Rate haben wir eine ganz eigene Philosophie. In vielen Häusern fängt ein Zimmer bei 300 Euro an, das teuerste hört bei 400 Euro auf, dann gibt es einen Sprung, und die erste Suite fängt dann erst bei 580 Euro an. Das machen wir nicht. Wir haben einen Ratensprung pro Kategorie von 40 Euro. Wir fangen an für 240 Euro und steigern über unsere sechs Kategorien jeweils um 40 Euro. Das teuerste Zimmer kostet in der Hochsaison zur Messe 320 Euro, die erste Suite beginnt dann bei 360 Euro.

mm.de: Welche Investoren stehen hinter dem Kameha Grand?

Rath: Ich stehe selbst dahinter, auch finanziell. Der Schweizer Holding Luxury Hospitality & Entertainment Group gehören außer mir noch zwei in der Schweiz lebende Privatinvestoren an. Das Kameha Grand ist aber nicht unser Eigentum. Der lokale Investor Jörg Haas hat den Bonner Bogen mit seiner Firma Bonn Visio entwickelt. Mit dieser Gesellschaft haben wir einen Managementvertrag über 30 Jahre geschlossen.

mm.de: Wann gehen die Türen auf?

Rath: Wir eröffnen offiziell am 15. November. Wir übernehmen das Haus bereits einen Monat vorher komplett eingerichtet und trainieren dann allein mit geladenen Gästen hinter geschlossenen Türen. Es wird kein Pre-Opening geben.

mm.de: Wie wollen Sie in der Vermarktung vorgehen? Nutzen Sie Hotelportale wie HRS und Hotel.de?

Rath: Jeder einzelne Vertriebsweg ist mir recht. Ich schließe keinen aus. Das kann ich mir gar nicht leisten. Wichtig sind mir die Reisebüros, die Reservierungssysteme, wichtig sind mir auch die Travelmanager und die Eventveranstalter. Natürlich selektieren wir Vertriebspreise nach unserem Anspruch. Wir entscheiden, welche Rate wir wann wie lange einstellen. Wenn man die Reservierungssysteme gut managt, sind alle gut. Wenn sich ein Hotelier über ein Reservierungssystem beschwert oder über deren Provision klagt, finde ich das nicht fair - das ist ja ein freier Markt. Man muss ja nicht teilnehmen.

mm.de: Nennen Sie uns Ihr Lieblingshotel?

Rath: Brenner's Park-Hotel in Baden-Baden. Die haben eine exzellente Lage, einen hervorragenden Service, einen erstklassigen Spa-Bereich, sehr gute Gastronomie - und eine einzigartige Tradition. Und sie sind wirtschaftlich sehr erfolgreich. Das zweite Haus ist ein gemütliches Resort in Asien, in dem ich unrasiert die Seele baumeln lassen und in Schlappen herumlaufen kann.

Luxushotellerie: Das Kameha Grand Bonn in Bildern

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