Bohrinsel als Hotel Offshore-Luxus

Industrieruine als Luxusreiseziel: Eine amerikanische Architekturfirma hat für den Entwurf eines Ölplattform-Hotels einen Designpreis gewonnen. Die Edelunterkunft soll vor allem Segler, Taucher und Ökotouristen anlocken - und auch ein ungewöhnlicher Zwischenstopp für Kreuzfahrtschiffe werden.

Golf von Mexiko - Ein Kasino, ein Ballsaal und 300 Luxuszimmer: Wenn es nach der US-Firma Morris Architects geht, könnten bald einige Ölplattformen im Golf von Mexiko zu edlen Resort-Hotels umgestaltet werden. Ihr Entwurf wurde in den USA mit dem Hauptpreis des Wettbewerbs "Radical Innovation in Hospitality" ausgezeichnet, der von der Branchenzeitschrift "Hospitality Design Magazine" und vom Immobilienkonzern John Hardy Group ausgerichtet wird.

"Die Ölplattform wird von einer ausrangierten industriellen Infrastruktur verwandelt in eine dynamische Komponente des Ökosystems und ein Ziel für anspruchsvolle Reisende", sagte Douglas Oliver, Chefdesigner von Morris Architects. Mit Wind-, Wasser- und Solarenergie soll das Hotel seinen Energiebedarf selbst decken können - und das auf einer Bohrinsel, deren Entsorgung ansonsten ein großes Umweltproblem darstellt.

Denn im Golf von Mexiko werden die Plattformen meistens gesprengt, früher wurden sie auch als künstliches Riff versenkt. Beide Methoden fügen der Umwelt zusätzlich zu den Belastungen einer aktiven Bohrinsel Schaden zu.

Künstlicher Strand im Obergeschoss

"Die Bohrinsel ist so ähnlich wie ein Eishotel", sagte Oliver. Der Aufenthalt sei eine einmalige Erfahrung für den Gast. Zum Freitzeitprogramm gehören Aktivitäten wie Segeln, Windsurfen, Angeln, Wasserski, Tauchen und Schnorcheln. Im obersten Stockwerk soll es einen Pool und einen künstlichen Strand geben.

Auch für Firmenkonferenzen sollen Räume zur Verfügung stehen, zudem hoffen die Designer auf Gäste von Kreuzfahrtschiffen. Denn die könnten hier einen Zwischenstopp einlegen auf Routen in Mexiko und in der Karibik. Allzu groß sind die 300 Zimmer allerdings nicht - die komplette Ausstattung jedes Raums soll in einem Standardcontainer per Frachtschiff angeliefert werden können.

Ob sich tatsächlich ein Investor findet, um den Entwurf weiterzuentwickeln und umzusetzen, ist bislang unklar. Doch laut Morris Architects werden allein im Golf von Mexiko in den nächsten hundert Jahren Tausende Ölplattformen ihren Betrieb einstellen und damit viele Möglichkeiten für einen solchen Umbau bieten.

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