Luxuslounge Entspannung erster Klasse

Erst ein, zwei Stunden Wellness im Edel-Spa und dann noch bei einem guten Whisky oder einer Zigarre entspannen. Was nach Luxusurlaub im Nobelresort klingt, können langstreckengeplagte Passagiere künftig auch am Frankfurter Flughafen haben - vorausgesetzt sie fliegen First Class.

Frankfurt am Main - Mitten in der Wirtschaftskrise hat die Lufthansa an ihrem wichtigsten Drehkreuz in Frankfurt eine noble Lounge aufgemacht, die im Transitbereich nur von Passagieren der First Class und extremen Vielfliegern genutzt werden darf. Auf einer Fläche von zwei Fußballplätzen wird den "langstreckengeplagten" Passagieren bis zum Weiterflug ohne Aufpreis alles geboten, was sie auch aus den Luxushotels dieser Welt kennen: Arbeitsräume, Flachbildfernseher, Entspannungssessel, feinste Speisen, mehr als 30 internationale Tageszeitungen, eine Bar mit mehr als 80 Whiskysorten und eine Zigarrenlounge mit einer kräftigen Entlüftung. Insgesamt finden hier bis zu 110 Premiumreisende einen kommoden Platz.

95 Prozent der Besucher sind Männer, berichtet die Chefin des First-Class-Sektors Frankfurt, Ingrid Möller. Entsprechend beherrschen die Farben Grau, Braun und Schwarz die Lounge. Leder, Glas und patiniertes Messing setzen die Akzente. Natürlich ist der Orangensaft frisch gepresst und das Frotteetuch besonders dick. Edle Nüsse stehen allzeit bereit wie auch die Limousinen zum Anschlussflug, die weit mehr als die Hälfte der Besucher nutzen.

Das eigentliche Highlight der rund 1200 Quadratmeter großen Einrichtung ist aber hinter dem Tresen von Carola Specht zu finden, die am Empfang des an deutschen Flughäfen bislang beispiellosen Spa steht. Sie ist die Herrin über sechs Bäder, von denen jedes einzelne einem Einfamilienhaus gut zu Gesicht stehen würde. Hier finden die reisenden Topmanager und vermögenden Privatleute ein umfangreiches Angebot von Spa-Dienstleistungen vor, das vom eineinhalbstündigen Komplettarrangement für 150 Euro bis zum Fuß- Peeling (35 Euro) reicht. Nach früheren Angaben wurden in die neue Lounge rund fünf Millionen Euro investiert.

"Ich bin selbst erstaunt, wie gut das angenommen wird", sagt der Lufthansa-Drehkreuzmanager Karl-Rudolf Rupprecht. Die Europäer seien noch skeptisch, während US-Bürger für derlei Angebote total offen seien. In den Staaten gibt es schließlich schon länger große kommerzielle Wellnessanbieter an den Flughäfen.

Für die Lufthansa, die etwa ein Fünftel ihres Umsatzes mit First- und Businesstickets machen will, ist es wichtig, im weltweiten Wettstreit um die zahlungskräftigen Kunden zu bestehen. Die Premiumkunden zahlen schließlich ein Mehrfaches des Economy-Preises. Für die nächsten fünf Jahre sind Investitionen von 150 Millionen Euro in das Loungesystem der Lufthansa geplant, die weltweit 65 dieser in drei Klassen (First, Senator, Business) geteilten Einrichtungen mit zusammen mehr als 28.000 Quadratmeter Fläche betreibt.

Offenbar ist zudem die Topklientel konjunkturell unempfindlicher als die Firmen, die in der Krise an den Tickets knausern. Im First- Segment seien bislang anders als in der Businessklasse noch keine Auswirkungen der Krise zu spüren, sagt Rupprecht. Die sechsstellige Zahl der First-Gäste pro Jahr in Frankfurt steige stetig. "Heute heißt es mehr denn je: Aldi oder First."

An ihrem wichtigsten Drehkreuz Frankfurt mit jährlich rund 34 Millionen Passagieren und Flügen zu 169 Zielen hatte die Lufthansa bereits im Dezember 2004 ein eigenes Terminal für ihre zahlungskräftigsten Kunden eingerichtet. Eine First Lounge bietet die Fluggesellschaft außer in Frankfurt noch in München und New York an.

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