Montag, 20. Mai 2019

Designhotel im Starck-Look Paris wie bei Muttern

Im Esstisch flimmern TV-Bildschirme, die schwarzen Wände schmücken Graffiti: Ein Ex-Club-Med-Chef und der Designer Philippe Starck haben in Paris das Drei-Sterne-Haus "Mama Shelter" kreiiert - fast ganz in Schwarz und mit sozialem Anspruch.

Paris - Sieht so das Hotel der Zukunft aus? Wuchtig reckt sich der Betonklotz sieben Stockwerke hoch in den Himmel von Paris. Einladend wirkt der Neubau mit seinen Glas- und Stahlelementen nicht. Im Gegenteil. Das 25 Millionen Euro teure Hotel "Mama Shelter" ähnelt einem Bürohochhaus, liegt weit ab vom Schuss am östlichen Rand der Hauptstadt.

Die fatale Außenansicht ist nur der erste Eindruck, und der täuscht. Im Inneren empfängt "Mutterns Zuflucht" seine Gäste mit dicken Teppichen und Pianomusik, Kerzenlicht und Großbildschirmen, Schmuck-Graffiti an den Wänden und einer Lawine technischer Neuerungen.

"Mama Shelter steht für Wärme und Geborgenheit. Unsere Gäste sind hier geschützt wie bei Muttern, das ist ein Unterschlupf, ein Bunker", so versucht der 62-jährige Hotelerfinder Serge Trigano den sonderlichen Namen seines Hauses zu erklären. Sein im Oktober vergangenen Jahres eröffnetes Hotel soll ein Ort der Begegnung sein, der die Gäste "wie ein urbaner Kibbuz aufnimmt".

Unerfahren, aber hochmotiviert

Und wie in einem Kibbuz ist auch das Personal des "Mama Shelter" jung, außerdem von unterschiedlicher Hautfarbe. Für die meisten ist es der erste Job, sie kommen von der Schule, oder direkt von der Straße. Kellner und Zimmermädchen, fast alle wurden in der direkten Nachbarschaft rekrutiert, einem ärmeren Stadtteil, in dem viele Künstler und Arbeiter wohnen.

In das abgelegene 20. Arrondissement hat sich bisher kein Hotelier mit einem Millionenprojekt getraut. Serge Trigano aber glaubt an die Zukunft des "Mama Shelter". Ein Hotel als soziales Sprungbrett? "Oui, c'est possible", sagt er. Der Außenseiter unter den Managern will es dem Establishment zeigen. "Unsere Leute sind unerfahren, aber hochmotiviert", beschreibt der Patron sein Team. "Man muss schon mal seine Bestellung wiederholen, es passieren Fehler, aber dafür ist es hier authentisch."

Unvergesslich ist etwa der Türsteher im braunen Parka, der so vertieft mit seinen Freunden diskutierte, dass er den Gast erst bemerkte, als die schwere Eingangstür schon wieder ins Schloss fiel. Um die Belegschaft auf Trab zu bringen, hat Trigano dem renommierten Pariser Luxushotel Plazza Athénée den Chefconciérge Jean-Claude Elgaire abgeworben - Pariser Insider waren erstaunt.

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