Koffer packen Geordnete Verhältnisse

Der Flieger hat Verspätung, die Schlange bei der Einreise ist schier endlos, und bis zum Geschäftstermin ist es nur noch eine halbe Stunde. Glücklich, wer jetzt ein knitterfreies Business-Outfit aus dem Koffer zaubern kann. Rimowa-Packprofi Heiko Krüger verrät im Interview mit manager-magazin.de seine Tricks.

mm.de: Herr Krüger, Hartschale oder Nylon - zu welchem Koffer raten Sie Geschäftsreisenden?

Krüger: Auf Flugreisen ist Hartschale sicherer.

mm.de: Das müssen Sie jetzt sagen, weil Sie für Rimowa arbeiten.

Krüger: Im Auto oder im Zug kann man auch die häufig noch leichteren Weichkoffer wählen. Es gibt aber mittlerweile auch gute Zwischenprodukte.

mm.de: Vier Rollen oder zwei Rollen?

Krüger: Ganz klar vier Rollen. Der Komfort ist einfach größer.

mm.de: Woran erkenne ich einen guten Koffer?

Krüger: Beim Schalenkoffer sind es die Schlösser, Räder und Trolleygestell - die müssen hochwertig sein. Und das Gestell muss in mehreren Höhen verstellbar sein, damit man etwas aufstocken kann und den Koffer nicht ständig in den Hacken hat.

Bei Hartschalenkoffern sollte man besonders auf die Rollen und den Reißverschluss achten. Die Rollen sollten gut und groß sein, der Reißverschluss imprägniert und eng verzahnt. Das macht zwar unter Umständen das Öffnen etwas schwieriger. Aber schließlich soll auch bei Regen auf dem Rollfeld keine Nässe durchdringen und der Koffer soll - auch wenn er mal überpackt ist - trotzdem halten.

mm.de: Welche Rolle spielt der Faktor Eigengewicht?

Krüger: Eine große - wenn man fliegt. Gerade bei Billigfliegern werden die Gewichtsbegrenzungen ja sehr streng gehandhabt. Und wenn der Koffer schon allein sechs Kilo auf die Waage bringt, wird der Spielraum beim Packen einfach eng. Da muss man dann schauen, dass der Koffer selbst nicht zu viel auf die Waage bringt. Und es gibt auch gute stabile Koffer, die nur drei oder dreieinhalb Kilo wiegen.

mm.de: Wie viele Koffer braucht Frau oder Mann denn?

Krüger: Optimalerweise zwei oder mehr. Man sollte einfach darauf achten, dass die gepackten Koffer nicht zu voll, aber auch nicht zu leer sind. Dann verknittern die Sachen nicht unnötig und fliegen im Gepäckstück nicht herum. Und wenn man nur kurz unterwegs ist, ist häufig auch ein Cabin-Trolley sinnvoll, den man nicht aufgeben muss.

Der Trick mit dem Radius

mm.de: Welche Rolle spielt Planung?

Krüger: Gute Planung ist das A und O - schon für die Wahl des passenden Gepäckstücks. Ob man das jetzt per Liste macht, im Kopf oder sich die Sachen auf dem Bett zurechtlegt, bleibt jedem selbst überlassen.

mm.de: Wie bekomme ich meinen Anzug möglichst faltenfrei ein- und vor allem wieder ausgepackt? Gibt es da Tricks?

Krüger: Wichtig ist vor allem, dass man den Anzug immer in den Deckel packt, weil im Kasten meist das Trolleygestell integriert ist, das die Kleider verknicken kann.

mm.de: Und in Sachen Packtechnik? Wie bekomme ich meinen Anzug möglichst faltenfrei ans Reiseziel?

Krüger: Das ist eine Frage des größtmöglichen Radius:

Den Sakko legt man am besten ganz unten in den Deckel hinein und lässt einen Teil über die breite Seite überlappen. Dann nimmt man die Anzughosen und legt sie abwechselnd, an der Bügelfalte zusammengelegt mit dem Bund in den Koffer, sodass die Hosenbeine an den kurzen Seiten des Gepäckstücks überlappen.

Danach wird der Koffer mit Hemden, T-Shirts, Pullis und Socken so gepackt, dass keine Leerräume entstehen, und zum Schluss Hosenbeine und der überlappende Anzugteil oben drüber geklappt und mit den Packgurten festgeschnürt.

mm.de: Und was kommt dann in den Hauptteil des Koffers?

Krüger: Alles andere - von den Schuhbeuteln bis zur Kulturtasche. Auch hier sollte man aber unbedingt darauf achten, dass keine Leerräume entstehen, weil sonst unterwegs alles durcheinanderwirbelt. Und natürlich gilt: Alle schweren Sachen nach unten. Wenn man den Koffer auf vier Rollen fährt, rutscht sonst alles nach unten.

mm.de: Und was ist der Trick bei Hemden?

Krüger: Die feine Variante ist, das Hemd mit Seidenpapier vor dem Verknittern zu schützen. Aber man kann auch durch das Ausstopfen mit Socken verhindern, dass der Kragen zerdrückt. Strümpfe oder auch T-Shirts sind oft praktische Hilfsmittel. Die kann man auch gut nutzen, um die Krawatten darumzuwickeln. Das vermeidet Druckstellen und Knitterfalten.

mm.de: Das mag ja faltenvermeidend sein - klingt aber ziemlich nach kreativem Chaos.

Krüger: Wer es gerne sortiert hat, kann natürlich auch zu Kleidersack und Hemdenetuis greifen - entweder lose oder direkt in den Koffer integriert. Da kann man sich zum Teil sogar das lästige Aufhängen sparen.

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