Neukaledonien Zum Abtauchen

Neukaledonien erfüllt so ziemlich jedes Südsee-Klischee: Üppige Natur, perfektes Wetter und Postkartenstrände. Der einzige Haken für Europäer ist die Lage am anderen Ende der Welt. Aber dafür kann man bei gerade mal rund 400 deutschen Urlaubern im Jahr ziemlich sicher sein, nicht dem eigenen Nachbarn zu begegnen.

Nouméa - Die Sonne scheint durch die Kokospalmen, die Luft ist warm und feucht. Am Straßenrand blühen Christsterne in Rot und Weiß - nicht wie in Europa in Topfpflanzengröße, sondern drei Meter hoch. Daneben wachsen wilde Rosen und Hibiscus.

Mit heruntergekurbelten Autofenstern geht es zum Strand, die Gedanken kreisen um den weißen Sand und das türkisfarbene Meer. Dann donnert der Wagen mit einem lauten Wumms in ein babywannengroßes Schlagloch. Nichts ist perfekt, selbst die Île des Pins nicht, eine kleine Insel im französischen Überseegebiet Neukaledonien in der Südsee.

Der Mietwagen, ein alter Dacia, lässt sich von der holprigen Fahrt aber nicht stoppen. Er scheint von derselben handfesten Gutmütigkeit zu sein wie das Personal bei dem kurzen Transferflug zur Insel. Dass Vor- und Nachname für die Bordkarte falsch abgetippt waren, sich also nicht unerheblich vom Eintrag im Reisepass unterschieden, kümmerte niemanden.

Elegant wie in Nizza

Der Metalldetektor war abgeschaltet, die Passagiere latschten einfach so mit Taschen und Koffern durch. Nicht einmal die Kühltruhen, die von einigen Fluggästen auf das Gepäckband gewuchtet wurden, rührten das Bodenpersonal. Nach dem Ausflug werden die großen Truhen mit Meerestieren gefüllt sein: Frisch gefischte Langusten, Makrelen und Zackenbarsche werden von der Île des Pins geholt.

Neukaledonien ist eine Ansammlung mehrerer Inseln im Südpazifik zwischen Australien und Fidschi. Die Hauptstadt Nouméa liegt auf der größten Insel Grande Terre, die fast die Ausmaße von Thüringen hat.

Hier wird europäischer Lebensstil gepflegt mit Straßen voller Autos und Verkehrskreiseln sowie Menschen so elegant wie in Nizza. Auf der viel kleineren Île des Pins dagegen, eine halbe Flugstunde von Nouméa entfernt, nimmt man das Leben tropisch leicht. Die einheimischen Melanesier - sie nennen sich selbst "Kanaken", was in ihrer Sprache nichts anderes bedeutet als "Menschen" - sind hier in der Mehrheit.

403 Deutsche im Jahr

403 Deutsche im Jahr

Die Île des Pins ist das bekannteste Eiland des Archipels. Das liegt vor allem daran, dass es Südseeflair in maximaler Dosierung bietet, so wie man es sich in düsteren deutschen Herbst- und Wintermonaten ausmalt. Die Naturstrände gehören zu den schönsten der Welt, das Meer davor ist reich an bunten, teilweise gefährlichen Bewohnern, die Segelreviere befriedigen höchste Ansprüche.

Bekanntheit ist freilich relativ zu verstehen. Auch wenn die Île des Pins als Aushängeschild Neukaledoniens gilt und wegen eines populären asiatischen Kitschromans seit Jahren vor allem von Japanern besucht wird, kann weder sie noch Grande Terre ernsthaft als ein "Urlauber-Hotspot" bezeichnet werden. Nicht mal 90.000 Touristen wurden 2007 in ganz Neukaledonien gezählt. Ein Drittel davon waren Franzosen auf Verwandtenbesuch. Aus Deutschland kamen 403 Reisende.

Vielleicht ändert sich das aber nun. Im Juli hat die Unesco die Lagune von Neukaledonien in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Der Jubel war groß, und man hofft auf mehr Aufmerksamkeit für die touristischen Schätze des Archipels.

Einer derjenigen, die diese Schätze schon zu würdigen wissen, ist Hans Beinert. Der Zahnarzt aus der Nähe von Karlsruhe umsegelt seit sieben Jahren mit Frau und zwei Kindern die Welt. "Nach Neukaledonien verschlug es uns durch Zufall", erzählt er beim Mittagessen auf der Terrasse des "Oure Hotel", einem von fünf Hotels auf der Île des Pins. Segelfreunde aus Neuseeland hätten ihm davon berichtet.

Deren Schwärmereien waren nicht übertrieben, aus der Stippvisite wurde ein zweieinhalbjähriger Aufenthalt. Morgens zieht er den Einheimischen die Zähne, nachmittags geht er Segeln oder Tauchen. "Selten habe ich auf kleinem Raum eine so vielfältige Natur gesehen", sagt Beinert.

Im Gegensatz zu anderen Südseezielen ist die Île des Pins wenig kommerzialisiert. Zwar gehört zum Hotelsortiment auch das "Le Meridien", das führende Luxushotel der Region. Mit seinen flachen Gebäuden fällt es aber kaum auf. Postkartenstände und Eisverkäufer sucht man vergebens, an den Stränden trifft man kaum eine Menschenseele. "Nur wenn die Kreuzfahrtschiffe vorbeikommen, wird es für einen halben Tag voll", beobachtet Zahnarzt Beinert.

Segeln, Tauchen, Gleitschirmfliegen

Segeln, Tauchen, Gleitschirmfliegen

Diese Vorteile könnten Grund genug sein, die Anreise um die halbe Erde auf sich zu nehmen. Was aber zusätzlich für Neukaledonien spricht, ist die Möglichkeit, Abstecher auf die Îles Loyauté zu unternehmen, ebenfalls kleine neukaledonische Tropenparadiese mit eigenem Charakter.

Zu ihnen gehört das von flachen Stränden und dichten Wäldern geprägte Lifou. Und es bieten sich Touren auf Grande Terre an, wo sich fast alles machen lässt, was Aktivurlaubern in den Sinn kommt: Segeln, Tauchen, Gleitschirmfliegen und Jeeptouren durch die weiten Ebenen des Südens.

In der Mitte der Hauptinsel erhebt sich ein Gebirge, das sich für Touren zu Fuß, zu Pferd oder auf Mountainbikes eignet. Im Norden kann man die Kultur der Kanaken kennenlernen, hier beschränken sich die Unterkünfte, von wenigen Hotels abgesehen, allerdings auf Zeltplätze und private "Homestays".

Vielleicht sollte eine solch eingespielte Idylle weiterhin als Geheimtipp gehandelt werden. Aber selbst Hans Beinert, der die Ruhe schätzt, findet das nicht. Denn trotz des Unesco-Welterbestatus' sähen weder die Franzosen, die hier auch industriellen Nickelanbau im großen Stil betreiben, noch die Einheimischen das Bewahren der Natur als oberste Pflicht. "Kämen mehr Taucher, Segler und Urlauber, die intakte Ökosysteme schätzen, könnte der Archipel besser geschützt werden, und Neukaledonien hätte eine gute Zukunft", meint Beinert.

Neukaledonien

Anreise: Mit Air France geht es zunächst nach Paris und dann nach Tokio, Osaka oder Seoul in Asien. Von dort führen die Flüge weiter im Codesharing mit Air Caledonie nach Nouméa auf Grande Terre. Inklusive der Umsteigezeiten dauert die Anreise dabei mehr als einen Tag.

Klima und Reisezeit: Gemäßigtes Tropenklima mit Tagestemperaturen von 19 bis 28 Grad. Regenzeit herrscht von Januar bis April.

Gesundheit: Besondere Impfungen sind für die Einreise nicht notwendig, ein guter Mückenschutz ist aber empfehlenswert.

Sprache: Französisch, teilweise Englisch.

Informationen: Fremdenverkehrsamt Neukaledonien, c/o Eyes2Market, Fasanenstraße 2, 25462 Rellingen (Tel.: 04101/696 48 13)

Frank Rumpf, dpa

Fotostrecke: Die schönsten Seiten Neukaledoniens

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