Tipps und Tricks Clever reisen

Mobilität und Flexibilität sind im Berufsleben heute mehr denn je gefragt. Doch das ständige Leben aus dem Koffer ist nicht immer einfach - viel Privatleben bleibt auf der Stecke. Mit einigen Tricks lassen sich die negativen Begleiterscheinungen von Geschäftsreisen aber in Grenzen halten.

Berlin/Leipzig - Kofferpacken gehört für viele Menschen zum Berufsalltag. Dann stehen vielleicht am Montag Termine in Mannheim an, am Dienstag das Treffen mit einem Kunden in Düsseldorf und anschließend der Besuch einer Konferenz in Berlin. "Eine solche Mobilität ist meist karrierefördernd, sorgt aber auch für Stress", sagt Thomas Rigotti, Arbeits- und Organisationspsychologe an der Universität Leipzig.

Ob täglich auf Achse oder in unregelmäßigen Abständen unterwegs - einige der negativen Begleiterscheinungen von Geschäftsreisen lassen sich durch gute Organisation minimieren. "Die Zeitplanung und die Abhängigkeit von Verkehrsmitteln sorgen häufig für erheblichen Druck", sagt Rigotti.

Wer innerhalb Deutschlands unterwegs ist, kann meist zwischen Auto, Bahn oder Flugzeug wählen. Nerven kosten Staus auf der Autobahn ebenso wie überfüllte Züge oder verspätete Flüge.

"Ein erheblicher Vorteil von Bahn oder Flugzeug ist aber, dass man unterwegs die Zeit nutzen kann, um zu arbeiten oder sich zu erholen", berichtet der Psychologe. Dies kann auch Ludwig von Reiche, Geschäftsführer einer Softwarefirma in Berlin, bestätigen: "Ich habe es stets vermieden, mit dem eigenen Auto auf Geschäftsreise zu gehen."

Von Reiche hatte früher öfter in denselben Städten zu tun: "Dort habe ich jeweils versucht, einen 'persönlichen' Taxifahrer zu haben." Diesen rief er vorab an und konnte sich dann darauf verlassen, dass er in einem ordentlichen Wagen zu seinem Termin kam und sein Gepäck sicher ins Hotel geliefert wurde.

Dieser personalisierte Service kostete nicht mehr als ein normales Taxi. "Die Handy-Nummern dieser Fahrer stehen leider in keinem Branchenverzeichnis, sie werden aber unter Geschäftsreisenden weitergegeben", sagt von Reiche und fügt hinzu: "So ein Service ist eine echte Marktlücke für clevere Taxifahrer."

Ständiger Begleiter

Ständiger Begleiter

Wer im Berufsleben viel unterwegs ist, sollte beim Packen gut organisiert sein. "Ein Vier-Rollen-Koffer erleichtert einem das Leben erheblich", sagt von Reiche. Um bestimmte Kleidungsstücke oder persönliche Dinge rasch zur Hand zu haben, könne man diese in kleinen Taschen im Koffer verstauen.

Flugreisende sollten auch im Handgepäck eine Zahnbürste und ein Notfallhemd bereit halten, falls ihr Koffer nicht ankommt. "Auch für das Handgepäck mit Laptop und Geschäftsunterlagen ist ein kleiner Rollenkoffer nützlich", berichtet der erfahrende Geschäftsreisende. Darin hat er noch eine kleine Aktentasche, die er mit auf einen Termin nehmen kann.

Hat man öfter im selben Ort zu tun, sollte man sich dort ein festes Hotel suchen. "Dann kann man zum Beispiel sicher sein, dass das Internet funktioniert und dass man einen guten Schreibtisch im Zimmer hat", sagt von Reiche. In vielen deutschen Hotels müsse man sich darauf einstellen, dass der Service nicht besonders ausgeprägt sei.

Oft sei beispielsweise das Bügeln oder die Reinigung eines Anzugs über Nacht nicht möglich und selbst der Roomservice lasse zu wünschen übrig. "Ich habe ausgerechnet, dass ich etwa drei Jahre meines Lebens in Hotels verbracht habe", berichtet von Reiche. Daher versuche er auch immer wieder, auf Reisen bei Freunden zu wohnen. Dies sei allerdings eher die Ausnahme.

"Vielen Menschen hilft es, persönliche Dinge auf Reisen mitzunehmen", berichtet Arbeitspsychologe Rigotti. Dies könne etwa ein Bild vom Partner oder von der Familie für den Hotelnachttisch sein. Er hält es außerdem für wichtig, auch unterwegs bewusste Erholungspausen einzulegen. "Dafür sollte man zumindest das Handy und den PC ausstellen", sagt Rigotti.

Mehrfach in der Woche sollte man auch Freizeitaktivitäten in seinen Reisealltag einbauen. Während der eine etwa gerne ins Fitnessstudio oder zum Joggen gehe, entspanne ein anderer eher im Kino oder in einem Konzert.

Langfristige Planung

Langfristige Planung

Vor Ort könne man oft auch etwas mit Kollegen oder Geschäftspartnern unternehmen. "Mittlerweile gibt es auch Internetplattformen, auf denen sich Geschäftreisende miteinander verabreden", sagt von Reiche.

E-Mails und Telefonate könnten auch dabei helfen, den Kontakt zu Bekannten und Freunden am Wohnort aufrechtzuerhalten. "Solche Freundschaften sollte man pflegen, selbst wenn man sich nur alle paar Monate sieht", sagt Arbeitspsychologe Rigotti. Treffen müsste man meist längerfristig planen.

Bei vielen Dauer-Geschäftsreisenden kommt die Partnerschaft oder das Familienleben zu kurz. "Es gilt, möglichst täglich Kontakt zu haben", rät der Psychologe. Dabei sollte man über seinen Alltag und die Beziehung sprechen. Oft müsse man auch die Erwartungen an die gemeinsame Zeit herunterschrauben.

Man könne zum Beispiel in anderthalb Tagen nicht eine Woche Familienleben nachholen oder auf Kommando traumhaften Sex mit dem Partner haben. In Urlauben sollte man sich aber unbedingt längere gemeinsame Zeiten gönnen.

"Man kann nur so lange auf Reisen gehen, wie die Familie hinter einem steht und man selbst Spaß an seiner Tätigkeit hat", sagt von Reiche. Seine intensive Reisephase dauerte etwa fünf bis sechs Jahre. In dieser Zeit hatte er sich so organisiert, dass er unterwegs länger arbeitete, um zu Hause Zeit für Frau und Kinder zu haben. "Die Mitsprache der Geschäftsreisenden bei der Planung ist ein wichtiger Anti-Stress-Faktor", bestätigt Arbeitspsychologe Rigotti. Außerdem sollten sie sich möglichst langfristig auf ihre Termine einstellen können.

Anja Schäfers, ddp

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