Billigflieger EU verbietet Lockangebote

Für einen Cent nach London fliegen, für ein paar Euro nach Mallorca - diese Preise waren schon immer zu schön, um wirklich wahr zu sein. Reinen Lockangeboten schiebt die EU jetzt einen Riegel vor: Künftig müssen Fluglinien den vollen Preis inklusive aller Zusatzkosten angeben.

Straßburg - Die EU schiebt den irreführenden Lockangeboten von Fluggesellschaften einen Riegel vor: Das Europaparlament verabschiedete am Mittwoch in Straßburg eine Richtlinie, nach der künftig stets der volle Preis eines Flugtickets inklusive aller Steuern und Gebühren angegeben werden muss. Damit können die Airlines nicht mehr wie bisher mit Flugpreisen von wenigen Euro werben (oder, wie Ryanair im vergangenen Jahr, gar nur einem Cent), ohne die zusätzlichen Kosten wie Steuern, Flughafengebühren oder andere Aufschläge anzugeben.

Die Neuregelung tritt voraussichtlich Ende September in Kraft. Der Richtlinientext schreibt vor, dass Fluggesellschaften bei der Veröffentlichung ihrer Angebote auch im Internet von Anfang an den Endpreis angeben müssen. Dabei sind Steuern, Flughafengebühren und sonstige Entgelte, "die unvermeidbar und zum Zeitpunkt der Veröffentlichung vorhersehbar sind", zu berücksichtigen. Über "fakultative Zusatzkosten", also etwa Gebühren für die Beförderung von Gepäckstücken, muss schon zu Beginn jedes Buchungsvorgangs informiert werden.

Gedacht ist dabei offenbar an die Praxis einiger Billigflieger, nur noch die Beförderung von Handgepäck in den Ticketpreis einzuschließen und für jedes weitere Gepäckstück einen Aufschlag zu verlangen. Damit solche Zusatzkosten den Verbrauchern nicht untergejubelt werden, verbietet die Richtlinie den Fluggesellschaften auch, in den Online-Buchungsformularen vorab Häkchen neben optionale Leistungen zu setzen in der Hoffnung, dass der Kunde es nicht merkt. Nach den neuen Vorschriften muss der Buchungsvorgang so gestaltet sein, dass die Kunden Zusatzleistungen aktiv bestellen und nicht abwählen müssen.

Im Mai hatte die EU-Verbraucherkommissarin Meglena Kuneva eine Untersuchung veröffentlicht, in der Webseiten von Fluggesellschaften, Reiseveranstaltern und andere Buchungswebseiten in Europa überprüft wurden.

Die Verbraucherschützer fanden Verstöße auf 137 der 386 Websites. Das größte Problem (58 Prozent) waren irreführende Preisangaben. Zudem fanden sich auf fast der Hälfte der Seiten (49 Prozent) Vertragsbedingungen, die den Kunden benachteiligten, wie es weiter hieß. In fast jedem siebten Fall (15 Prozent) sei der angebotene Flug nicht verfügbar gewesen.

Deutschland war nicht dabei, da die Behörden schon im Alleingang Webseiten von Fluggesellschaften unter die Lupe genommen hatten, wie die Kommissarin erläuterte. Norwegen, Schweden und auch Dänemark haben im Internet Listen mit Webseiten der betreffenden Gesellschaften veröffentlicht.

manager-magazin.de mit Material von Agenturen

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.