Fliegen Tempo auf der schwarzen Piste

Vielflieger auf die schwarze Piste, unerfahrene Fluggäste auf die grüne: In den USA haben Behörden ein System eingeführt, das Staus vor Sicherheitsschleusen von Flughäfen verringern soll. Doch manche Passagiere neigen zur Selbstüberschätzung.

New York - Lange Schlangen vor den Sicherheitschecks sollen in den Vereinigten Staaten eigentlich bald der Vergangenheit angehören. Die für die Flughafensicherheit zuständige Behörde TSA hat die Wartebereiche an 21 Standorten neu organisiert. Ähnlich wie im Skigebiet müssen Passagiere ihre Erfahrungen mit den Sicherheitsbestimmungen selbst einschätzen und sich in die entsprechende Spur einordnen.

Die Schlange für erfahrene Fluggäste kennzeichnet eine schwarze Raute, ein blaues Viereck für Gelegenheitsflieger und ein grüner Kreis für Familien und diejenigen, die Hilfe brauchen. "In der Theorie ist das eine gute Idee. Aber wenn die Leute erscheinen, glaubt jeder, dass er Bescheid weiß", sagte Passagier Steven Frischling aus Connecticut, der das neue System auf zwei Flughäfen testete, in einem Bericht der "New York Times".

Es sei deutlich zu sehen, dass sich niemand eine Blöße geben will, sagt der Vielflieger. Vor ihm in der schwarzen Schlange habe ein vollkommen ahnungsloser Mann gestanden, der sich dann am Schalter bis auf die Knochen blamierte. "Er hatte seine Karte nicht bereit, Flaschen mit Flüssigkeiten dabei und die waren nicht in Plastiktüten eingepackt", sagte er.

Die Familienspur fand hingegen bei einem Passagier, der mit seinem Kind unterwegs war, großen Anklang. "Niemand will Leute aufhalten, aber man weiß, dass es mit Kindern immer etwas länger dauert. Es ist gut zu wissen, dass es eine Alternative gibt, wo man schneller einchecken kann."

Man wählt immer die kürzeste Schlange

Nach Angaben von TSA-Sprecherin Ellen Howe hat das System zumindest auf den schwarzen Spuren die Geschwindigkeit beim Sicherheitscheck erhöht, wenngleich es noch keine gesicherten Zahlen gebe. "Auf der grünen Spur ist der Durchsatz etwas langsamer", sagte sie der "New York Times".

Der Tempogewinn könnte dann wieder aufgehoben sein, wenn die angekündigten neuen Röntgengeräte für das Gepäck flächendeckend auf den US-Flughäfen eingeführt werden. Mehr als 200 Maschinen, die hochauflösende Bilder aus verschiedenen Richtungen zeigen, sind bereits im Einsatz auf US-Flughäfen. Weitere 400 sollen noch in diesem Jahr folgen.

Nach den Beobachtungen des Industrieexperten Rene Villalobos von der Universität von Arizona komme es damit häufiger als bisher vor, dass Taschen eine Ehrenrunde drehen oder zur Beobachtung herausgenommen werden müssen. Zum neuen Farbleitsystem sagte er der "New York Times": "Menschen stellen sich immer in die kürzeste Schlange, vor allem, wenn sie die Wahl haben."

Unlängst wählen Fluggäste Alternativen zum Fliegen - aus Frustration über lange Wartezeit, übermäßige Sicherheitschecks und schlechten Service. Nach einer Umfrage des Tourismusverbandes kehrten in den vergangenen zwölf Monaten 41 Millionen Menschen den Fluggesellschaften den Rücken.

manager-magazin.de, SPIEGEL ONLINE

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