Kunstwasserfälle Niagara in New York

Die Hauptstadt der Superlative hat eine Attraktion mehr: Der dänische Künstler Olafur Eliasson hat vor der Skyline New Yorks vier gewaltige künstliche Wasserfälle installiert. Sie sollen die Kraft der Natur in die Megametropole zurückholen.

New York - Wenn das Boot nah an Olafur Eliassons "New York City Waterfalls"  heranfährt, scheinen die Wasserwände höher als die Skyline Manhattans zu sein. Am Donnerstag hieß es im Big Apple "Wasser marsch" für das jüngste Großprojekt des dänischen Künstlers, der in Berlin ein großes Atelier betreibt. Vier künstliche Wasserfälle hat Eliasson mit seinem Team im East River installiert.

Bis zum 13. Oktober wird für die "Waterfalls" täglich 15 Stunden lang Wasser des Flusses in bis zu 37 Meter Höhe gepumpt, um dann donnernd zurück in den Fluss zu stürzen.

Seine Arbeit solle Teil der Stadt sein und gehöre den Menschen in New York, sagte Eliasson zur Eröffnung. Sie verändere deren gewohnte Umgebung und solle Anstoß zur Auseinandersetzung mit der Umgebung sein. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg sagte, Eliasson träume groß und mache das Unmögliche möglich. Deshalb passe er zu New York. Das Waterfalls-Projekt sei eine technische und administrative Herausforderung gewesen, aber New York sei die Stadt, um große Ideen zu realisieren.

Eliasson, der für seine Installationen aus Licht, Wasser, Eis oder Pflanzen weltweit bekannt ist, bezieht die Betrachter ein. Seine Arbeiten leben aus der physischen Erfahrung des Publikums, dem Zusammenspiel von Sehen, Hören, Fühlen, aus der Wahrnehmung der Umgebung und des eigenen Ichs in dieser Umgebung. Das Spannende an Arbeiten wie den Wasserfällen oder seinem "Weather Project" aus dem Jahr 2003 sei es, im Voraus nicht zu wissen, was sich daraus entwickelt, sagt er. Das eigentliche Werk entsteht so erst im Kontakt mit dem Betrachter.

Nachts mit Beleuchtung

Zu den nachts beleuchteten Wasserfällen, die mit Ökostrom betrieben werden, müssen die per Boot kommenden Besucher allerdings sicheren Abstand halten. Die Wucht des Wassers könnte den Booten gefährlich werden, außerdem sollen im Fluss eingerichtete Barrieren die Fische schützen. Trotzdem ist vom Boot aus inmitten all der anderen Geräusche New Yorks das Rauschen zu hören, die Gischt zu sehen. Eliasson verheimlicht nicht, dass es künstliche Wasserfälle sind. Die riesigen Baugerüste, über die das Wasser in die Höhe geleitet wird, bleiben sichtbar. Sie bilden nach Vorstellung des Künstlers auch eine Verbindung zur Stadtlandschaft, die ohne Baugerüste nicht vorstellbar ist.

Einer der Fälle ist unter der Brooklyn Bridge installiert, die in diesem Jahr ihren 125. Geburtstag feiert. Die anderen befinden sich zwischen den Brooklyn-Piers 4 und 5, am Pier 35 nördlich der Manhattan-Bridge und der vierte auf Governors Island und sind in einem Blick mit der Freiheitsstatue zu erfassen. Er habe bewusst vier unterschiedliche Standorte gewählt, sagte Eliasson. Beim Besuch der Wasserfälle gehe es auch darum, die Strecke dazwischen wahrzunehmen und die Zeit zu nutzen, die man für diese Strecke brauche.

55 Millionen Dollar mehr

55 Millionen Dollar mehr

"Take your time" heißt denn auch eine auf zwei Standorte verteilte Ausstellung, die das Museum of Modern Art in New York Eliasson in diesem Jahr widmet (bis 30. Juni). Im P.S.1 Contemporary Art Center in Queens sind die Besucher etwa eingeladen, sich auf dem Fußboden liegend in einem großen runden Spiegel, der sich an der Decke dreht, zu betrachten.

Im MoMA-Haupthaus in Manhattan werden sie von einem über ihren Köpfen schwingenden Ventilator scheinbar verfolgt, betreten eine Nische und entdecken zigfach ihr eigenes Spiegelbild, drehen sich in einem "360 Grad Raum für alle Farben", der Farben geradezu körperlich als Wärme oder Kühle spürbar macht.

55 Millionen US-Dollar sollen die Wasserfälle der Stadt an Mehreinnahmen bringen. Bei Christos Kunstprojekt "The Gates" vor drei Jahren ist diese Rechnung aufgegangen. Über 1,5 Millionen Kunst-Fans wollten die Installation im Central Park sehen und haben dabei auch die Umsätze der Hotellerie und Gastronomie um Millionen gesteigert.

Das fast vollständig privat finanzierte 15 Millionen US-Dollar teure Waterfalls-Projekt wurde realisiert von der New Yorker Non-profit-Organisation Public Art Found in Zusammenarbeit mit der Stadt. Der Art Found widmet sich in New York seit 30 Jahren der Kunst im öffentlichen Raum - aus Respekt für die Kunst, die Stadt und die Bevölkerung, wie Präsidentin Susan Freedman sagte. Ein so großes und unglaubliches Projekt wie die Wasserfälle habe aber auch der Art Found noch nie verwirklicht.

Ulrike Geist, ddp

Fotostrecke: Olafur Eliassons Wasserfälle

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