Usedom Kaiserliche Sommerfrische

Es war die Sommerfrische der Reichen, Schönen und Kreativen. Schon Heinrich Mann, Zarah Leander und Maxim Gorki suchten auf der Insel Usedom Erholung. Und auch heute noch laden Kaiserbäder, Strände und exklusive Villen zur luxuriösen Entspannung ein.

Heringsdorf - Es war ein Platz für die Reichen, Schönen und Künstler: Schriftsteller wie Heinrich Mann oder Maxim Gorki liebten die Usedomer Seeluft. UFA-Filmgrößen wie Zarah Leander, Grete Weiser oder Willi Fritsch zogen sich von der Hektik der Berliner Großstadt regelmäßig zu einer kleinen Auszeit in das Usedomer Dörfchen Kölpinsee zurück.

Der Maler Lyonel Feininger durchstreifte zwischen 1911 und 1918 bei seinen alljährlichen Sommerurlauben die Insel mit dem Fahrrad. Er suchte vor allem die Beschaulichkeit des Usedomer Hinterlandes am stillen Achterwasser. Theodor Fontane - ein häufiger Gast der Kaiserbäder im Insel Süden - erwog sogar, ein Haus auf der Insel zu kaufen.

In einem Brief an seine Frau schrieb er: "Ich schwärme für einen kleinen Hausbau hier; hier in Heringsdorf selbst ist der Grund und Boden schon zu teuer, aber zwischen hier und Ahlbeck, oder in Ahlbeck selbst, das jetzt sehr in Aufnahme kommt, möchte es gehen."

Seit Ende des 19. Jahrhunderts zog es vor allem die Berliner Wirtschaftsmagnate auf die Ostseeinsel. Sie errichteten Villen im Kolonialstil, Sommerresidenzen im Neobarock oder Jugendstil. An dem Refugium dieser meist in kleinen Parks eingebetteten Häuser kann der Tourist noch heute entlangschlendern oder als Gast luxuriös wohnen - vorausgesetzt, er verfügt über das entsprechende Kleingeld.

"Die Kaiserbäder sind unsere Premiummarke", erklärt der Geschäftsführer der Usedom Tourismus GmbH, Bert Balke. Die Dichte an Wellnesshotels ist nach Angaben des Deutschen Wellnessverbandes enorm. 18 Hotels auf dem rund 50 Kilometer langen Eiland verfügen über einen zertifizierten Spa-Bereich mit Pool, Hamam oder Rasul.

Doch Usedom lässt sich nicht allein auf die Kaiserbäder reduzieren. Die Insel lockt heute vor allem mit ihrer Vielfalt. Während im Süden die alten, in Wendezeiten kurz vor dem Verfall stehenden Nobelhäuser mit Millionenaufwand aufpoliert wurden, hat sich der naturbelassene Norden mit den kleineren Hotels und Pensionen, komfortablen Ferienwohnungen und -häusern vor allem für Familien und Aktivurlauber profiliert.

42 Kilometer Sandstrand

42 Kilometer Sandstrand

In Karlshagen begleitet beispielsweise das bei Kindern beliebte Maskottchen "Karlchen" durch das Ostseebad. Im Norden sind die Strände besonders flach und die Preise dem knappen Budget einer mehrköpfigen Familie angemessen. "Rund 20 Prozent der Gäste sind Kinder bis zum 14. Lebensjahr", berichtet Karlshagens Tourismuschefin Beate-Silvia Jasmund.

Das Ostseebad sieht sich mit seiner Orientierung auf Familien auf dem richtigen Kurs und verzeichnet zehnprozentige Wachstumsraten. Eines ist allerdings im Norden wie im Süden gleich: Der durchgängig begehbare Sandstrand, der insgesamt 42 Kilometer lang ist.

Rund vier Millionen Übernachtungen zählte die Insel im vergangenen Jahr. Damit knüpft sie zahlenmäßig an die Hochzeiten des DDR-Massentourismus an. Doch die kantinenartigen Essensausgaben in den früheren Gewerkschafts-Ferienheimen sind noblen Restaurants gewichen, auf den Strandpromenaden lässt es sich wieder promenieren, die Strände verfügen über behindertengerechte Aufgänge und Spielmöglichkeiten für die Kinder.

Zwischen Achterwasser und Ostsee ist der Tourismus inzwischen wieder der mit Abstand bedeutendste Wirtschaftszweig. Mit den insgesamt 29.000 gewerblichen Gästebetten werden nach Angaben der Usedom Tourismus GmbH schätzungsweise rund 240 Millionen Euro im Beherbergungs- und Gastronomiegewerbe pro Jahr umgesetzt.

Auch heute verbringen wieder Bekannte aus Showbiz und Politik ihren Urlaub auf der Insel. Richard von Weizsäcker oder auch Dieter Hallervorden gehören beispielsweise zu den Stammgästen in der Kölpinseer "Seerose". Sportler wie die Klitschko-Brüder machen sich im Seebad Zinnowitz fit für ihren nächsten Kampf. Und manch Bundesminister - wie zuletzt Peer Steinbrück - zieht es zur Sommerfrische nach Usedom.

Martina Rathke, dpa

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