Flugzeugsitze Wie auf Wolken

Hoch über den Wolken wird es immer komfortabler: Sichtgeschützte Kabinen, flache Betten, verschließbare Türen, um 180 Grad drehbare Sitze für das gemütliche Dinner zu zweit und XL-Bildschirme fürs große Filmvergnügen sollen Fluggäste ins Premiumsegment locken. manager-magazin.de hat sich die neuen Luxussitze angeschaut.

Hamburg - Die Aufgabenstellung ist für alle Hersteller von Flugzeugsitzen die gleiche. "Die Grundfrage lautet: Wie bringt man immer mehr Komfort auf demselben Raum unter?", bringt es Axel Kahsnitz, CEO bei der schwäbischen Firma Recaro Aircraft Seating, bei der Fachmesse "Aircraft Interiors" in Hamburg auf den Punkt. "Die Leute wollen auf Langstreckenflügen nicht mehr nur einen bequemen Sitz. Die wollen ein Bett und erstklassiges In-Flight-Entertainment."

Der in ein komplett flaches Bett verwandelbare, mit Hightech gespickte Komfortsessel, in dessen weichen Polstern man wie auf Wolken sitzt, ist mittlerweile Standard auf Langstreckenflügen in den gehobenen Klassen. Aber natürlich geht da immer auch noch mehr: Das obere Ende der Skala in der Bestuhlung der Maschinen von Fluggesellschaften markieren Produkte wie die "Beyond First Class"-Kabinen, die der Hersteller Jamco für den A380 der Singapore Airlines baut. Schiebetüren und Rollos schotten die Privatsphäre komplett ab. Es wird geflogen, wie man früher in den Luxusabteilen der Eisenbahn reiste - Retrokomfort über den Wolken.

Hier gibt es keine Kompromisse - ein Sessel ist kein Bett, deshalb muss sich der Sitz unter ein komfortables Full-Size-Klappbett verdrücken, wenn der Passagier Nachtruhe wünscht. Eine Herausforderung für die Flugmöbelbauer. Der Sitz wird flach gestellt, der Tisch versenkt, die Rückseite des Sessels verwandelt sich in ein Nachttischchen. Die Faltarbeit ist komplex und erschließt sich wie japanisches Origami nicht auf Anhieb.

Das Rundum-sorglos-Prinzip

Erst der dritte Mitarbeiter am Messestand findet den geheimen Knopf, der das Bett zum Ausklappen bringt, und kennt die Faltung, die den Tisch passgenau für den Tischschlitz macht. Aber in der "Beyond First Class" muss diese Arbeit ja auch nicht der Fluggast selbst machen. "Der kommt im Pyjama aus dem Bad zurück, und dann haben die Flugbegleiter das schon gemacht", erläutert Mitarbeiter Shawn Raybell das Rundum-sorglos-Prinzip gehobener Luftfahrt.

Aber auch Autonomie kann Luxus sein. Branchenprimus B/E Aerospace punktet bei seinen Premiummodellen mit tellergroßen Fernbedienungen samt integriertem LCD-Display. Die lassen sich zwar fast nur beidhändig bedienen, aber damit lässt sich dafür auch jede erdenkliche Sitzposition und ein kompletter Unterhaltungstechnikpark steuern. Minibar, lehnengroßer Fernseher und eine weiche Spezialfüllung der Rückenlehne gehören zum Standard. "Der Sitz bewegt sich mit Ihnen", preist Mark Vaughan das Material, "damit ist die komfortabelste Position immer genau die, in der Sie sich gerade befinden."

Hauptanliegen: Privatsphäre

Hauptanliegen: Privatsphäre

In der "Super First Class", die B/E für Emirates und die indische Fluglinie Kingfisher baut, haben die Sitze außerdem noch eine gerade auf Langstrecken sehr angenehme Massagefunktion - und die Lieblingsposition des Fluggastes kann digital gespeichert werden. "Der Kunde will ein optimales Arbeitsumfeld haben", sagt Vaughan. Störungsfreie Technik mit Anschlüssen für alle Gadgets, die der Manager von heute mit sich führt, gehört dazu ebenso wie die Minibar, ein vom Sitz aus bequem von oben zugängliches Handgepäckfach und eine Batterie von LED-Leuchten.

"Privatsphäre ist das Hauptanliegen unserer Kunden", meint Giorgio Santero, Sales Manager bei der italienischen Firma Avio Interiors. Der Trend geht, meint er, hin zu geschlossenen Einzelelementen für maximal vier Personen. Künftig werde die Trennung zwischen den Aufgaben der Kabinenausstatter und denen der Flugsitzbauer immer fließender werden, prognostiziert er, weil sogar die Wände der Kabine weiter in die Sitzplatzgestaltung integriert würden.

Sein Premiummodell ist der "Diamond", im Einsatz bei der arabischen Fluggesellschaft Etihad. Der Clou: Der behagliche Sessel lässt sich um 180 Grad drehen und der Tisch auf komfortable Doppelgröße ausfalten. So wird auf Wunsch aus dem Hintermann beim Essen ein Gegenüber - und die Splendid Isolation des Premiumfluggastes in ein gemeinschaftliches Reiseerlebnis zurückgeführt.

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