Skulpturenpark Versunkene Kunst

Kunstgenuss mal nicht im Museum, sondern im Meer: Der britische Künstler Jason de Caires Taylor hat vor der Westküste Grenadas in der Karibik einen Skulpturenpark unter Wasser geschaffen. Die Objekte dienen als künstliche Riffe und gehen eine harmonische Verbindung mit Flora und Fauna des Meeres ein.

Grenada - Sieben Meter unter Wasser sitzt ein Mann an einem Schreibtisch. Er sitzt dort seit fast zwei Jahren. Muscheln haben seinen Rücken überkrustet, Fische umspielen ihn. Ein anderer Mann scheint auf einem Fahrrad ein Korallenriff hinabzufahren; rätselhafte Figuren bilden einen verschwörerischen Kreis. Es sind surreale Traumwelten, die sich hier eröffnen. Der britische Künstler Jason de Caires Taylor hat im karibischen Meer vor der Westküste Grenadas, einer Insel der Kleinen Antillen, einen poetischen Skulpturenpark  geschaffen.

Vor knapp zwei Jahren hatte Taylor, der selbst auch Tauchlehrer ist, seine Figuren aus Stahl, Gips und Beton mit Hilfe anderer professioneller Taucher in der Moliniere Bay versenkt - nach eigenen Angaben hat er für die kostspielige Aktion sein Haus verkauft Seither können Taucher, Schnorchler und Passagiere von Glasbodenbooten die 65 Arbeiten, die sich auf einer Fläche von 800 Quadratmetern gruppieren, anschauen.

Die Figuren fügen sich in das maritime Leben ein. Taylors Arbeiten sind Öko-Kunst, künstliche Riffe: Mittlerweile bevölkern Fische die Hohlräume der Plastiken, und Muscheln, Sand und Wasserpflanzen haben die Oberflächen der Kunstwerke verändert. Tiefe und Strömung, Tageszeit und Wetter verändern Lichteinfall und Farben der Kunstwerke - und anders als in einem Museum können Besucher dieser Unterwasser-Galerie sich frei von allen Seiten um die ausgestellten Objekte bewegen, statt nur um sie herumgehen zu können. Unter Wasser wirken die Arbeiten außerdem 25 Prozent größer - und erscheinen näher, als sie tatsächlich sind.

Die Faszination des Wandels

Der 1974 geborene Taylor, dessen Vater aus England und dessen Mutter aus dem südamerikanischen Kleinstaat Guyana stammt, sieht in seinen Kunstwerken biographische Aspekte verwirklicht: "Von klein auf habe ich Wandel erlebt, als meine Familie von einem Kulturkreis in den anderen wechselte. Damit begann für mich die Faszination dessen, wie Objekte und Beziehungen sich mit Kontexten und Landschaften verändern."

Obwohl die Objekte seit zwei Jahren frei zugänglich sind, hat es nach Taylors Angaben bisher keine Probleme mit Vandalismus gegeben - sieht man davon ab, dass übermütige Taucher um Weihnachten herum einmal einige der Figuren mit Nikolausmützen bedachten. Taylor hat auch schon das nächste Projekt in Planung: An einem Fluss in Südostengland soll der nächsten Skulpturenpark entstehen.

manager-magazin.de

Fotostrecke: Kunst unter Wasser

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