Madeira Frühling im Winter

Blumenpracht, exotische Früchte, warme Felsbadebecken und 3000 Kilometer Wanderwege mit wunderschönen Panoramen - Madeira, die grüne Insel vor der Küste Marokkos, lockt mit gleichbleibend angenehmem Klima und setzt auf Qualitätstourismus.

Funchal - Das portugiesische Wort Madeira heißt übersetzt Holz. Ausgerechnet. Ein weniger romantischer Name ist für die grüne Insel im Atlantik 700 Kilometer vor der marokkanischen Küste kaum vorstellbar.

Mitten im europäischen Winter ist Madeira die Verheißung des Frühlings: Es ist um 20 Grad warm, die ersten Kirschen blühen, Mimosen leuchten gelb und Strelitzien in Knallorange. Und rund um die Insel ist überall blaues Meer. Madeira ist der ideale Ort für alle weiter nördlich, die den Frühling nicht mehr abwarten können.

Massen an Touristen kommen dennoch nicht, Madeira ist kein billiges Ziel. Entsprechend gibt es kaum Massenunterkünfte - es ist sogar eher ein Trend zum Hochpreisurlaub zu beobachten. Immer mehr Fünf-Sterne-Hotels werden auf Madeira eröffnet, Wellness ist ein wichtiges Thema.

Viel Platz für Bebauung hat Madeira ohnehin nicht. Im Norden und Osten regnet es häufig, sonnig ist vor allem der Süden. Dort stehen daher auch die meisten Hotels. Und schon ab einer Höhe von 400 Meter über dem Meer kommt man in die Wolken - oberhalb dieser "Bananengrenze" sind nur wenige Häuser zu finden.

Natürlicher Strand ist an der felsigen Küstenlinie Madeiras eine Seltenheit. Hinter vorgehaltener Hand finden die Einheimischen das gut: "Die Prolls kommen deswegen nicht hier her - denen fehlt der Strand zum Abhängen", sagt ein Reiseleiter und lächelt zufrieden. Trotzdem können die Gäste an vielen Stellen einfach ins Meer gelangen.

In Porto Moniz gibt es natürliche Felsbadebecken, der Lido Galomar in Caniço ist sogar eine komplette natürliche Felsbadebucht. Seit einigen Jahren entstehen zudem kleine, künstliche Sandstrände wie Calheta. Der Golfstrom sorgt für angenehme Badetemperaturen von gut 20 Grad und bringt auch manchen Exoten mit: Schnorchler treffen an Unterwasserfelsen mitunter auf Papageienfische aus der Karibik.

Strand satt ist nur auf der Nachbarinsel Porto Santo zu finden, immerhin neun Kilometer ist er dort lang. Ansonsten gibt es auf der wenige Stunden mit dem Schiff von Madeira entfernten Insel nicht viel Natur - der Kahlschlag der alten Seefahrer hat die Fläche der Erosion preisgegeben.

Rückzug ins Gebirge

Der Rückzug ins Gebirge

Für viele ist Porto Santo dennoch ein Segen: Die flache Insel hat einen Ausweichflughafen. Auf dem Militärgelände landen die Touristenjets, wenn starker Wind Funchals eher kurze Piste mal wieder zu gefährlich macht. Der Flughafen von Madeira liegt in Lee, Scheerwinde sind ein ständiges Problem, das sich bei Sturm verstärkt.

Noch in den 70er Jahren gehörte Madeira zu den ärmsten Regionen Europas. Mit Fördergeldern der Europäischen Union machte die Insel jedoch in den vergangenen zehn Jahren einen Sprung, für den andere Länder 30 bis 40 Jahre brauchen. Übers Jahr verteilt kommen inzwischen eine Million Besucher auf die Insel mit ihren rund 30.000 Gästebetten, 200.000 davon landen für nur einen Tag mit Kreuzfahrtschiffen an.

Die Infrastruktur zog mit: Der Flughafen am Meer, 2001 neu eröffnet, hat nun eine spektakulär verlängerte Landebahn auf Stelzen. Die meisten Orte, früher nur durch stundenlanges Gekurve auf der Küstenstraße zu erreichen, sind mit einer Autobahn verbunden. Das Angebot der Geschäfte ist auf neuestem Stand. Das geht natürlich ein wenig auf Kosten der Verträumtheit.

Doch da hilft ein Rückzug ins Gebirge - dorthin zieht es immer mehr Gäste auf Madeira. Wanderurlaub ist der Trend schlechthin. Und nicht nur ältere Semester klettern über die Höhenzüge: Immer mehr junge Menschen entdecken den Reiz der stundenlangen Märsche in relativer Einsamkeit.

"Eine der spektakulärsten Höhenwanderungen, die man in Europa machen kann, ist die vom dritthöchsten Berg Pico do Arieiro über den Torre Pico zum höchsten Gipfel Madeiras, dem Pico Ruivo", sagt Berg- und Wanderführer Louis. Das allerdings ist schon eine Tour für ambitionierte Trekker.

Besonders beliebt sind Wanderungen entlang der Levadas, der rund 3000 Kilometer langen Wasserversorgungswege von Madeira. Die ersten Kanäle wurden von maurischen Sklaven bereits rund 50 Jahre nach der Erstbesiedlung der Insel im Jahr 1410 angelegt. Sie halfen bei der Bewässerung der Zuckerrohrplantagen.

Spazieren oder Klettern

Spaziergang oder Klettertour

Diese Wanderungen sind unterschiedlich anstrengend - mal sind sie ein Spaziergang am plätschernden Bach, mal eine Klettertour auf schmalsten Pfad ohne Geländer vor einem tiefen Abgrund. Nur steil bergauf oder bergab geht es nie - die Levadas haben ein geringes Gefälle.

Das Fremdenverkehrsamt hat rund 25 Levada-Wege als Wanderstrecken ausgewiesen. Da ist die Forellenlevada, in der es tatsächlich Forellen gibt, und die landschaftlich sehr abwechslungsreiche Levada do Rei oder die Levada dos Cedros, die in große Höhen führt. Wo es schön ist, spricht sich rasch herum. "Manche sind schon Rennstrecken geworden", bedauert Louis - und schon ist Schluss mit der Einsamkeit.

Vor dem Marsch sollten sich Touristen gründlich nach den Schwierigkeitsgraden erkundigen und sich vor allem rustikal anziehen. "Gummischlappen und Stöckelschuhe sind auch auf den einfacheren Strecken die falsche Wahl", sagt Louis. Die Wege seien oft feucht und vor allem nicht von Blättern gekehrt oder Ästen geräumt.

"Sie sind reine Arbeitswege und eigentlich nicht für Touristen gedacht." Sauber und damit gängig gehalten werden nur die Kanäle. Und die Wanderungen sind meistens keine Rundwege, sondern enden an der Madre de aqua, der Quelle. Und dann heißt es: Marsch zurück auf gleicher Strecke.

Gemüse hat immer Saison

Madeira hat den Ruf, eine Insel des ewigen Frühlings zu sein. Das mag am subtropischen Klima liegen. Es ist immer rund 25 Grad warm und eher feucht. Für die Landwirtschaft ist dies von großem Vorteil: Manche Baumfrüchte wie Kirschen und die kleinen gelben Mispeln tragen zweimal im Jahr, auf den Feldern hat das Gemüse stets Saison.

Weite Teile der Insel sind mit Wald überzogen - etwa mit Eukalyptus, der einst aus Australien mitgebracht und zur Holzgewinnung angepflanzt wurde. Der Lorbeer dagegen hat nach der Eiszeit Europa überzogen und gehört zu den einheimischen Gewächsen, wie auch das Aloe Vera. Schon Christoph Kolumbus nahm in Madeira Töpfe mit der Heilpflanze an Bord seiner Schiffe.

Bunte Blumentunnel

Bunte Blumentunnel

Die Blüten allerdings haben ihre Saisonzeiten: Im März und April etwa blühen die Akazien, von denen es auf Madeira zwölf Arten gibt. Auf den Wiesen und am Wegesrand leuchten im April weiße Ackerlilien. Im Mai folgen die orangenen Montbretien. An den Wasserfällen im Wald blühen im Mai und Juni wie arrangiert wilde Fleißige Lieschen und Fingerhut, und dann kommen die üppige Hortensien hinzu und die grazilen Prachtlilien. Entlang der Levadas bildet im Sommer Agapanthus mit seinen weißen und blauen Blütenbällen bunte Tunnel für die Spaziergänger. Paradiesblumen und Strelitzien dagegen treiben das ganze Jahr über Blüten.

Wer nicht in die Natur hinaus gehen mag, der kann die bunte Pracht der Blüten, aber auch das vielfältige Obst und Gemüse der Insel in den Markthallen von Funchal bewundern. Aber Vorsicht - die sind eine Touristenfalle. Die freundlich zum Probieren angebotene Frucht des Philodendron etwa kostet schnell mehr als 20 Euro pro Stück. Und eingepackt wird genau das angeknabberte Teil.

Immerhin weiß man danach: Sie sieht zwar aus wie ein Tannenzapfen, schmeckt aber wie eine Mischung aus Banane, Birne und Ananas. Ein Tipp: Billiger und ebenfalls lecker sind die kleinen Madeira-Bananen. Und ansonsten gilt: das Portemonnaie zu Hause lassen und den Fotoapparat mitnehmen.

Vom Wandern und Shoppen müde und hungrig, werden viele Urlauber vom einheimischen Essen angelockt. Vor allem Fisch ist zu empfehlen. Der vielerorts angebotene Espada ist ein Tiefseefisch, der vor der Küste der Insel gefangen wird. Es gibt ihn sonst nur noch in Japan. Der Schwarze Degenfisch schmeckt wunderbar, und angeblich haben die Madeirenser ein Rezept für jeden Tag des Jahres. Das beliebteste Stück Fleisch der Insel kommt am Spieß aus Lorbeerholz und heißt fast wie der Fisch: Espetadas werden gewürzt mit Meersalz, Pfeffer und Knoblauch und zu fast jeder Gelegenheit mit Knoblauchbrot, Polenta oder Süßkartoffeln gereicht.

Nun braucht es noch etwas zum Runterspülen: Inseltypisch ist der Aguardente. Der Weinbrand schmeckt, wie er heißt: wie brennendes Wasser. Schnell haut auch der Poncha um: ein leckeres Gemisch aus Zuckerrohrschnaps, weißem Rum, Rohrzucker und Zitronensaft. Der rote und weiße Wein von der Insel dagegen wird im Gegensatz zum berühmten Madeira von Kennern nicht empfohlen. Wer einen guten Tropfen als Andenken mitnehmen möchte, sollte daher lieber zum Süßwein greifen.

Ein schönes Mitbringsel sind auch die haltbaren Strelitzien. Auf dem Flughafen in Deutschland erkennt man Rückreisende aus Madeira an länglichen Pappschachteln mit Blumen unter dem Arm - eine kleine Erinnerung an einen Ausflug in den Frühling.

Hilke Segbers, dpa

Praktische Reisetipps

Praktische Reisetipps für Madeira

Madeira ist eine knapp 800 Quadratkilometer große Insel, die zu Portugal gehört. Sie liegt rund 700 Kilometer vor der Küste Marokkos im Atlantischen Ozean. Die Hauptstadt heißt Funchal.

Anreise: Madeira wird von Deutschland aus von Air Berlin, Tuifly und Condor angeflogen. Mit der Fluggesellschaft TAP Portugal geht es von München und Frankfurt/Main aus über Lissabon nach Funchal.

Reisezeit: Das Ganzjahresreiseziel bietet frühlingshafte Temperaturen um 20 Grad im europäischen Winter und 25 Grad im Sommer. Während des Jahres gibt es verschiedene Festivals, zum Beispiel das Blumenfest in Funchal, das 2008 am 5./6. April stattfindet, und das Atlantik-Festival mit viel Musik und Feuerwerk vom 1. bis 30. Juni.

Zeitverschiebung: Deutsche Urlauber müssen die Uhr um eine Stunde zurückstellen.

Sprache: Portugiesisch.

Währung: Euro.

Unterkunft: Auf Madeira gibt es Unterkünfte aller Art, aber der Schwerpunkt liegt eher auf der höherwertigen Hotellerie.

Informationen: Portugiesisches Fremdenverkehrsamt, Kaiserhofstraße 10, 60313 Frankfurt (Tel.: 01805/00 49 30 zum Ortstarif, E-Mail: info@visitportugal.com). Internet: www.madeiraislands.travel , www.visitportugal.com .

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