Oman Ein Hauch von Weihrauch

Granatapfelplantagen, üppige Oasen und quirlige Souks. Im Oman ist auch heute noch ein Teil des alten Orients lebendig. An den langen Sandstränden des Sultanats mit seiner faszinierenden Tier- und Unterwasserwelt kommen aber auch Sonnenanbeter und Wassersportfans auf ihre Kosten.

Maskat - Eine "Modern Invasion" beschrieb vor Kurzem das omanische Blatt "H! Nation". Gemeint war der "Old Muttrah Souk" in Maskat, in dem immer mehr Läden Importwaren statt omanische Produkte verkaufen.

Während die Omanis jede Veränderung genau registrieren, erscheint den Besuchern das Sultanat aber immer noch wie ein perfektes Stück alter Orient. Es geht ganz andere Wege in die Zukunft als sein Nachbar Dubai, wo ein Wolkenkratzer nach dem anderen in den Himmel wächst.

Sultan Qabus bin Said führt sein Land nun schon seit fast vier Jahrzehnten behutsam, aber zielstrebig in die Neuzeit. Zu seinen Errungenschaften gehören ein effizientes Gesundheitswesen, die Schulpflicht, das Wahlrecht für Männer wie Frauen und nahezu gleiche Berufschancen für Frauen - ohne Schleierzwang.

Es sind Fortschritte, die vor allem eine Richtung des Islam möglich macht, die sich Ibadiyah nennt und von Offenheit und Toleranz geprägt ist - eine Haltung, die auch den Touristen zu gute kommt.

Wer beispielsweise freitags einen Ausflug plant, trifft überall Omanis, die per Jeep ins Grüne fahren. Vor allem zieht es sie zu den Wadis mit ihren mehr oder weniger starken Wasserläufen. Es ist kein Problem, die Menschen dort beim Baden und Grillen zu fotografieren, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und zu einem Lammfleischspieß eingeladen zu werden - die Omanis sind traditionell gastfreundlich.

Das macht sich auch beim Bummel durch den "Old Muttrah Souk" in der Hauptstadt Maskat bemerkbar. Für die Einheimischen ist er ein beliebter Treffpunkt für ein Schälchen Tee oder Mokka, ob für junge Leute in Jeans und mit Laptop oder für ältere Herren im bodenlangen Dishdash. Touristen finden in dem Souk immer noch die Gewürz- und Weihrauchhändler, die Dattel- und Parfümverkäufer. Und niemand fühlt sich unsicher oder so bedrängt wie in den Basaren in Kairo.

Weihrauchbrenner und Mokkakannen

Weihrauchbrenner und Mokkakannen

Dass die Omanis die Tradition pflegen, zeigt sich auch in der Architektur: Kein Hausdach kommt ohne Zinnenverzierung aus, kein Verkehrskreisel ohne überdimensionale Weihrauchbrenner oder Mokkakannen als Dekoration.

Auch den modernen Stadtpalast des Sultans schmückt orientalische Ornamentik. Und weil Oman um keinen Preis so hoch hinaus will wie Dubai, sind Minarette wie die an der riesigen Sultan-Qabus-Moschee in Maskat die einzigen architektonischen Höhepunkte. Die Stadt wächst lieber in die Breite.

Platz dafür hat das Land mit seinen nur 2,9 Millionen Einwohnern reichlich - vor allem entlang der 1700 Kilometer langen Küste, die mehr und mehr touristisch genutzt wird. Bisher fügen sich die meisten Hotels gut in die Landschaft ein.

Besorgt über den wachsenden Tourismus zeigen sich allerdings Fischer und Naturschützer: Ihnen missfallen die zunehmenden Bootsausflüge zu den Delfinschwärmen sowie die Anwesenheit der Urlauber an den Stränden, wo Meeresschildkröten zwischen Januar und Juni ihre Eier ablegen.

Die Hotels versuchen aber gegenzusteuern. So hat etwa "Shangri-La Barr Al Jissah Resort & Spa" einen Naturschützer engagiert, der den Strand bewacht, Zäune um die Gelege zieht und die Eiablage zusammen mit den Urlaubern beobachtet.

Omans Attraktionen liegen jedoch nicht nur an der Küste. Zwei Autostunden entfernt von Maskat im 3000 Meter hohen Hajar-Gebirge eröffnet sich eine andere faszinierende Landschaft, schroff und karg.

Obwohl die Straße gut asphaltiert ist, gerät die kurvenreiche Fahrt zum Jebel al Akhdar, dem Grünen Berg, zum Abenteuer. Zwischen den Schluchten und steilen Hängen leuchten grüne Oasen: Terrassenfelder, auf denen Schafe und Ziegen weiden, Haine mit Dattelpalmen und Zitrusfrüchten, Plantagen mit Granatapfelbäumen und Rosensträuchern, aus deren Blättern Essenzen für Parfüm gewonnen wird. Das Kulturland in rauer Umgebung konnte dank eines uralten Kanalnetzes entstehen.

An strategisch wichtigen Flanken thronen etliche der rund 500 Festungen des Landes. Unter ihnen ist die Burg von Nizwa, in deren Schatten Silberschmiede werkeln. Ihre Spezialität sind breite Arm- und Fußreifen und fein ziselierte Krummdolche. Letztere sind nicht nur beliebte Souvenirs, sondern auch der ganze Stolz einheimischer Männer. Zu Festen tragen sie die Dolche gerne am Gürtel. Der Kaufpreis ist Verhandlungssache - Handeln gehört hier traditionell zum Geschäft.

Lediglich um Weihrauch wird nicht gefeilscht. Denn das betörend duftende Harz hat immer noch einen besonderen Stellenwert. So lieben die Omanis einen Hauch davon an ihren langen Gewändern und schätzen seinen Duft in den Wohnungen und Hotels. Das Sultanat liegt an der legendären Weihrauchstraße, einem der ältesten Handelswege der Welt. Die Weihrauchbäume im Wadi Dawqah gehören sogar zum Unesco-Welterbe - ein weiterer Beitrag zum Schutz von Omans reichem kulturellen Erbe.

Karin Schumann, dpa

Informationen zum Sultanat Oman

Weiterführende Informationen zu Oman

Anreise und Formalitäten: Lufthansa fliegt mehrmals wöchentlich von Deutschland aus mit Stopps in Dubai oder Doha nach Maskat. Die arabische Fluggesellschaft Emirates bietet täglich von mehreren deutschen Flughäfen aus Verbindungen mit Umsteigen in Dubai. Ähnlich läuft es bei Etihad (über Abi Dhabi), Qatar Airways (über Doha), Gulf Air (über Bahrein) und der Swiss (über Zürich und Dubai).

Der Reisepass muss noch mindestens sechs Monate gültig sein. Ein Visum für einen Besuch von bis zu vier Wochen gibt es für umgerechnet etwa 13 Euro am Flughafen von Maskat oder über Omans Botschaft in Berlin.

Klima und Reisezeit: Gute Bedingungen von Oktober bis April mit Durchschnittstemperaturen um 23 Grad in Maskat. Im Binnenland ist es heißer, trockener und im Sommer oft unerträglich. Hohe Luftfeuchtigkeit herrscht vor allem im Süden von Juni bis September.

Informationen: Sultanate of Oman, Karl-Marx-Allee 91a, 10243 Berlin (Tel.: 030/42 08 80 12, Internet: www.omantourism.de ).

Orientalische Oase: Der Oman in Bildern

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