Ägypten Monaco des Ostens

Am Roten Meer entsteht mitten im Nichts von Sand und Geröll eine neue Stadt: Für 1,2 Milliarden Dollar baut die kuwaitische Firmengruppe Kharafi in Port Ghalib 23 Hotelanlagen an dem 18 Kilometer langen Küstenstreifen, Golfplatz und rummelige Hafenpromenade inklusive. Das Taucherparadies soll reiche Gäste locken.

Port Ghalib - Es ist eine komplett neue Stadt, die derzeit an der ägyptischen Küste des Roten Meeres aus dem Wüstenboden gestampft wird. Port Ghalib heißt das Stückchen Land rund dreieinhalb Autostunden südlich von Hurghada.

Es verfügt bereits über den internationalen Flughafen Marsa Alam und einen Yachthafen. Insgesamt investiert die kuwaitische Firmengruppe Kharafi rund 1,2 Milliarden Dollar in Port Ghalib. Bis 2014 sollen 23 Hotelanlagen an dem 18 Kilometer langen Küstenstreifen entstehen.

Bislang war der Ort fast nur unter Tauchern bekannt. Das kaum drei Kilometer vom Hafen entfernte Korallenriff bietet eine noch weitgehend unberührte Unterwasserlandschaft. Selbst Tauchprofis wie Petra Groß, Inhaberin vom Wassersport- und Touristikportal www.divers-travel-guide.com sind begeistert. "Solche Artenvielfalt habe ich bislang kaum irgendwo gesehen", schwärmte Groß nach ihrem Tauchgang am Ras Mubarak. Aber auch Schnorchler können dort mit Kugelfischen, blau gepunkteten Rochen, Clownfischen und Rotfeuerfischen über die bunten Korallen hinweg schwimmen.

Von elitär bis familiär

Das große Geld sei aber touristisch nicht mit Tauchurlaubern zu machen, betont Etienne de Viliers, Sprecher der Hotelgruppe Sun International: "Taucher legen keinen großen Wert auf 5-Sterne-Hotels, die meisten wollen lediglich einen Platz zum Schlafen und hauptsächlich tauchen gehen." Dennoch hat der südafrikanische Hotelkonzern in Port Ghalib die Führung von drei neu errichteten Luxushotels übernommen. "The Palace", "Sahara Sun Sands" und "Sahara Sun Oasis" sollen - nicht nur - zahlungskräftige Kundschaft anlocken. Rund 950 Zimmer bieten die ineinander übergehenden Herbergen. Die Preise starten bei 90 Euro pro Doppelzimmer mit Frühstück und gehen hinauf bis einige Tausend Euro für die Suiten.

Die Atmosphäre reicht von luxuriös-elitär im "Palace" bis hin zu ungezwungen-familiär im "Oasis". Die maximal vier Stockwerke hohen Gebäude sind sehr verwinkelt angelegt. Überall gibt es schattige Gässchen, hervorstehende Erkerchen und mit Zinnen versehene Türme. Der Eingang ins "Palace" führt sogar über eine hölzerne Zugbrücke. In Mittelpunkt der Anlage liegt eine künstliche Salzwasserlagune mit den riesigen Ausmaßen von 150 mal 300 Metern.

Dazu kann man natürlich auch im Meer baden oder auf Wüstensafari zu den Beduinen gehen. Die Behausungen des Wüstenvolks entsprechen allerdings so gar nicht romantischen Vorstellungen der meisten Westeuropäer. Statt in schwarzen Kuppelzelten werden die Touristen in schäbigen Hütten aus Holz und Strohmatten mit dem traditionellen Tee bewirtet.

Golfplatz und Hafenpromade

Golfplatz und Hafenpromade

Eine in der Nähe gelegene, verfallene Goldmine, die früher von den Briten ausgebeutet wurde, ist das einzige historische Gemäuer der Gegend, dessen Besuch so halbwegs lohnt. Sonst ist im Umkreis von mehreren Stunden Busfahrt nichts Sehenswertes zu finden.

Damit sich die Gäste nicht schon nach ein paar Tagen langweilen, wurde eine imposante Hafenpromenade angelegt. An der "Corniche", wie sie ganz unbescheiden nach südfranzösischem Vorbild genannt wird, sollen zahlreiche Restaurants, Cafés, Clubs und über 200 Einkaufsläden für Abwechslung und Zerstreuung sorgen.

Ein dem Sand und Geröll abgerungener Golfplatz, ein großes Wellness-Center und ein Spielcasino sollen bis Mitte 2008 noch dazu kommen. Von einem "neuen Monaco des mittleren Ostens" schwärmt de Viliers. Und der General Manager des Sun-Ressorts, Andrew Davidson, meint gar: "Die Gäste müssen die Hotelanlage eigentlich überhaupt nicht verlassen." Außer vielleicht zu einem Abstecher per Bus ins Niltal nach Luxor.

Das Tal der Könige mit seinen Pharaonengräbern, der mit prächtigen Wandmalereien verzierte Tempel der Königin Hatschepsut und natürlich die gigantische Tempelanlage von Karnak gehören zu den großen Attraktionen für Ägyptenreisende. Allerdings ist der Weg von Port Ghalib aus derzeit noch etwas beschwerlich. Sieben Stunden dauert die Fahrt einfach, da die Busse nur im polizeilich gesicherten Konvoi fahren dürfen - und der startet gut zwei Stunden nördlich in Safaga.

Das Ressort braucht noch ein paar Monate

Es gibt zwar bereits eine direktere Straße durch die Bergwüste, doch noch dürfen nur Einheimische sie benutzen. Und auch das riesige Gelände der Sun-Hotels ist noch nicht komplett fertiggestellt. Die ersten Gäste seit Mitte November müssen durchaus mit Einschränkungen leben, räumt das Management ein.

Doch man werde versuchen, die Unannehmlichkeiten und Bauarbeiten so weit nur möglich aus dem Blickfeld zu halten. Das Ressort wird noch ein paar Monate brauchen, bis wirklich alle Freizeitangebote zur Verfügung stehen. Mit der fantastischen Unterwasserwelt wird es womöglich genau umgekehrt laufen. Noch ist sie fast unberührt und unbeeinträchtigt vom Massentourismus. Wenn aber erst einmal Tausende Urlauber gleichzeitig in Port Ghalib ihre Ferien verbringen, könnte das schnell vorbei sein.

Ulrich Meyer, ddp

Port Ghalib: Ägyptens neuer Touristenmagnet

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