Sonntag, 18. August 2019

Juruena Brasiliens umkämpftes Juwel

Ein mäandernder Fluss bietet den einzigen Zugang zur "Cristalino Jungle Lodge" im Juruena-Nationalpark an der Nordgrenze von Mato Grosso. Mit 1,9 Millionen Hektar fast unberührtem Regenwald ist das Gebiet halb so groß wie die Schweiz. Naturschützer kämpfen gegen die Entwaldung - und setzen dabei auf sanften Tourismus.

Apiacás - Das muss der Traum jedes Naturschützers sein: "Herzlichen Glückwunsch", sagt der Herr von der Lottogesellschaft, "Sie haben einen Nationalpark gewonnen. Nun machen Sie was draus!" Ähnlich wie in diesem Traum ergeht es der Naturschutzorganisation WWF, die mit ihren brasilianischen Partnern einen Park zum Leben erwecken muss, der nur auf dem Papier existiert.

Der im Juni 2006 gegründete Juruena-Nationalpark ist mit 1,9 Millionen Hektar fast unberührtem Regenwald halb so groß wie die Schweiz. Er liegt abseits aller Straßen im Bundesstaat Mato Grosso, dem von einem Sojakönig regierten Wilden Westen Brasiliens, wo Urwaldbäume schneller sterben als die Moskitos, die vor dem Einschlafen ins Zimmer gekommen sind.

Interaktive Grafik
Die Nacht ist gleich vorbei, durch die Fliegengitter dringt das erste zarte Tageslicht. Am Waldrand kündigen Vögel mit glockenhellen Tönen die Dämmerung an. Nun schnell los, denn hier in Äquatornähe steigt die Sonne gen Himmel wie ein Drachen im Wind: Anziehen, rein in die Wanderstiefel und über die Lichtung ins Zwielicht des Waldes.

Etwa 20 Minuten später endet die Wanderung vor einem dünnen Aussichtsturm aus Metall. Die obere Plattform ist nicht zu sehen. Sie liegt jenseits des Blätterdachs. Wie bei einem Zelt nach allen Seiten abgespannte Stahlseile halten die Konstruktion in der Senkrechten.

228 Stufen höher scheint der Boden - das Schattenreich der Spinnen, Königsboas und Jaguare - dann weit entfernt. Dies ist der Himmel, hier sind Tukane und Papageien zu Hause. Hier sind der Wind und das Licht. Und gleich gibt's noch mehr: Um kurz vor sechs Uhr geht die Sonne auf. In der Ferne hängen Nebelschwaden wie Watte in den Wipfeln, in den Bäumen hangeln sich Spinnenaffen von Ast zu Ast.

Der Turm im Dschungel ist nur eine der Attraktionen, mit denen die "Cristalino Jungle Lodge" in der Nähe von Alta Floresta die angereisten Naturliebhaber verwöhnen soll. Auch geführte Wanderungen durch das private Schutzgebiet, Klettertouren, Bootsfahrten und Paddelausflüge auf dem Rio Cristalino, der den einzigen Zugang hierhin bietet, werden angeboten.

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