Samstag, 21. September 2019

Mexiko-Stadt Ein Moloch erstickt

2. Teil: Ein riesiges Häusermeer

Ein riesiges Häusermeer

Müller, Tochter eines Deutschen und einer Mexikanerin, sieht in Mexiko-Stadt einen idealen Ort fürs Radfahren: Die Metropole ist weitgehend flach, und es scheint fast immer die Sonne. Je mehr Menschen aufs Fahrrad umsteigen würden, umso besser für die Luft, ist die Devise der Stadtregierung. Denn eine so große Metropole wie Mexiko-Stadt verursacht auch viele Abgase: 50 Millionen Tonnen Schadstoffe werden nach Angaben von Ebrard pro Jahr in den schon längst nicht mehr blauen Himmel ausgestoßen.

Mexiko-Stadt in Zahlen

Einwohnerzahl 2005: Großraum 19,4 Millionen
Entwicklung: 1950 2,9 Millionen; Prognose für 2015: 21,6 Millionen
Fläche: Metropolregion 7815 Quadratkilometer
Bevölkerungsdichte: 2482 Menschen pro Quadratkilometer
Bevölkerungswachstum: 1975-2000: 2,1 Prozent; 2000-2015 (geschätzt): 0,8 Prozent
Slums: 20 Prozent der Menschen in illegalen Notquartieren
Auf knapp 1500 Quadratkilometer erstreckt sich die Großstadt, die 20 Millionen Einwohner der Metropolregion verteilen sich auf fast 8000 Quadratkilometern - das ist drei Mal so viel wie das Saarland. Mexiko-Stadt gleicht einem riesigen Häusermeer, ausgebreitet auf einem gigantischen Schachbrett, das nirgendwo zu enden scheint. Es dehnt sich in alle Richtungen aus, auf die bis zu 3900 Meter hohen Berge zu.

Der Nahverkehr soll mit Milliarden ausgebaut werden, damit die Menschen endlich umsteigen auf Busse und Bahnen. Derzeit gibt es elf U-Bahn-Linien, die über weite Teile des rund 200 Kilometer langen Streckennetzes oberirdisch an den großen Straßen entlang führen, häufig sind die Bahnen überfüllt.

"Wir alle wollen eine bessere und humanere Stadt. Eine Stadt, die nicht fürs Automobil gebaut wurde, sondern für den Menschen", sagte der Architekt José Luis Cortés bei einer Diskussionsveranstaltung über die Umwandlung der Hauptstadt, die in den kommenden Jahren viele Milliarden verschlingen soll. Den meisten Mexikanern aber ist das alles noch völlig egal.

Dabei sehen sie selbst in ihrer verpesteten, oft von gelblich- milchigem Dunst durchzogenen Metropole, wie es auch anders sein könnte.

Denn Mexiko-Stadt ist auch eine grüne Stadt, übersät mit kleinen und großen Parks sowie Alleen, die dicht mit immergrünen Bäumen bepflanzt sind. Doch anstatt gemächlich mit dem Fahrrad durch die Grünzonen zu radeln, sitzen die meisten Hauptstädter anscheinend lieber in ihren Autos - und ärgern sich über die Staus.

von Franz Smets, dpa

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