Burgenland Hochprozentige Genüsse

Im österreichischen Burgenland geht es heiß her: Einheimische behaupten, dass die Temperatur rund um die Destillerien in der Schnapsbrenner-Saison um zwei Grad steigt. Edle Brände und guter Rotwein sind zu Markenzeichen der Region geworden - und locken Touristen zum Genießerurlaub.

Eisenstadt/Kukmirn - Wenn in dem 2000-Seelen-Ort Kukmirn im Burgenland im Spätsommer die Schnapssaison beginnt, wird den Einheimischen richtig warm. "Wenn hier alle Bauern gleichzeitig brennen, steigt die Außentemperatur um zwei Grad", scherzt Kurt Lagler. Der 44-Jährige muss es wissen, denn seine Destillerie am Ortsrand ist die bei weitem größte im "brennenden Dorf".

Das Burgenland gilt als Heimat hervorragender Rotweine. Vor allem die Blaufränkischen, aber auch die teuren Süßweine aus dem Gebiet um den Neusiedlersee werden mit Erfolg exportiert. Doch auch die Schnapsbrenner im Osten Österreichs machen zunehmend von sich reden. Edle Brände sind zu einem Markenzeichen des Burgenlands geworden.

Vor allem im Süden hat sich ein regelrechter Schnapstourismus entwickelt. Früher, so erzählt Kurt Lagler, der mit seinen Bränden regelmäßig internationale Preise gewinnt, wurde in der Region fast in jedem Haus gebrannt. Heute gibt es allein in Kukmirn noch mehr als 30 Schnapsbrenner, die unter anderem für den "Ab-Hof-Verkauf" produzieren.

Fünf Prozent der Bevölkerung haben die Lizenz zum Brennen

Doch auch in anderen Regionen des Burgenlandes ist das Brennen inzwischen für viele weit mehr als ein Hobby. Nach Angaben des Finanzministeriums in der Landeshauptstadt Eisenstadt haben 12.500 Burgenländer - knapp fünf Prozent der Bevölkerung - eine Lizenz zum Herstellen von Obstschnäpsen. Allerdings werden längst nicht alle der Lizenzen, die bis auf Kaiserin Maria Theresia zurückgehen, auch genutzt. Einen Überblick über die Geschichte des Hochprozentigen in der Region gibt das Schnapsmuseum in Kukmirn.

Dass das Brennen von Schnäpsen aller Art eine durchaus mit der Winzerei vergleichbare Kunst ist, können Urlauber in zahlreichen Betrieben mit eigenen Augen erleben. "Am wichtigsten ist natürlich die Frucht, und dass sie gut verarbeitet wird", erläutert Kurt Lagler, der inzwischen zusätzlich zur Schnapsbrennerei auch ein Wellness-Hotel betreibt.

Er verwendet nur Obst aus seinen eigenen Gärten. Sie liegen an vulkanischen Hängen auf 15 Hektar rund um seinen Betrieb. Im gesamten Gemeindegebiet von Kukmirn wird Obst auf 400 Hektar angebaut. Die meisten Brenner beschränken sich auf traditionell verwendete Früchte: auf Marille (österreichisch für Aprikose), Zwetschge, Himbeere oder Birne.

Alles, was die Natur liefert, wird zu Schnaps gebrannt

Alles, was die Natur liefert, wird zu Schnaps gebrannt

Lagler hat dagegen in den vergangenen 20 Jahren nach eigener Aussage "fast alles zu Schnaps gebrannt, was die Natur liefert". Neben Quitten, Schlehen und Vogelbeeren verarbeitet er unter anderem auch die Urrebe Uhudler und wagte sich sogar an die Produktion von eigenem Whisky.

Urlauber, die immer häufiger mit Fahrrädern das sanft hügelige Burgenland erkunden, gehören zunehmend zu den Kunden der Schnapsbrenner. Noch gibt es keine organisierten Touren für Gäste, die Hochprozentiges zum Thema haben - im Gegensatz zum Wein. Doch wer sich die nötige Zeit nimmt, findet bei seiner Fahrt zahlreiche Hinweisschilder wie "Edelbrände" oder "Ab-Hof-Verkauf".

Bei den meisten Brennereien darf auch probiert werden. Doch Vorsicht: Edelbrände haben durchschnittlich 40 Volumenprozent Alkohol. Das müssen ganz besonders Autofahrer im Hinterkopf haben, denn die in Österreich festgelegte Höchstgrenze von 0,5 Promille für Verkehrsteilnehmer ist beim Schnaps schnell erreicht.

300 Sonnentage im Jahr verwöhnen die Reben

Anders als die Schnapsbrennerei ist der Weinbau aus dem Tourismus im Burgenland schon lange nicht mehr wegzudenken. Spätestens seit dem EU-Beitritt Österreichs im Jahr 1995 sind die Winzer - dank der Förderung aus Brüssel - ein bestimmendes Element für die Wirtschaft der Region. Bis zum Ende des Kalten Krieges war das erst 1921 von Ungarn zu Österreich gekommene Burgenland eine europäische Grenzregion - den undurchdringlichen Eisernen Vorhang sozusagen direkt vor der Nase.

Die Ursprünge des Weinbaus im Burgenland sind bei den Römern zu finden. Gesegnet mit einem milden Klima, das jährlich an rund 300 Sonnentagen mehr als 2000 Stunden Sonnenschein bringt, produzieren etwa 600 Winzer inzwischen Weine von Weltruf. Im Gegensatz zu den übrigen Anbaugebieten Österreichs hat der Rotwein mit den landestypischen Sorten Blaufränkisch und Zweigelt nach wie vor den höchsten Stellenwert.

Jedes der vier großen Anbaugebiete hat seine landschaftlichen Besonderheiten und Reize: Die ganz besonders sonnige Region Neusiedler See, wo es über weite Strecken schilfbewachsene Ufer gibt, ist die größte mit rund 250 Winzern. Im gleißenden, diffusen Licht wachsen die Trauben für Süßweine, die längst zur internationalen Spitze gehören.

Storchennester und Weinakademien

Storchennester und Weinakademien

In der Region Neusiedler-See-Hügelland mit den Zentren Eisenstadt und Rust finden Urlauber eine der reizvollsten Landschaften des Burgenlandes mit idyllischen kleinen Orten. Dutzende von Storchennestern schmücken die Dächern der alten Häuser in Rust. Die Stadt beherbergt eine der bekanntesten Weinakademien Österreichs. Im der mittelburgenländischen Weinregion Blaufränkischland entstehen Rotweine auf internationalen Niveau.

Das im Ausland am wenigsten bekannte, aber landschaftlich nicht weniger reizvolle vierte Weinbaugebiet ist das südliche Burgenland. Obwohl es auch hier schon seit Ewigkeiten Winzer gibt, wuchsen in der jüngeren Vergangenheit an den Hängen des hügeligen Landes vor allem Obstbäume und -sträucher. Sie hatten die Weinstöcke ersetzt, die um die Wende zum 20. Jahrhundert der Reblaus zum Opfer gefallen waren.

Doch der europaweit spürbare Trend zu hochwertigen Weinen hat in den vergangenen 20 Jahren mehr und mehr junge Burgenländer ermutigt, Winzer zu werden. Einer von ihnen ist Ronni Herczeg, der bei Gaas im Süden des Gebiets Weine produziert. Der 38-Jährige, von dessen Weingärten man einen guten Ausblick auf die benachbarte pannonische Tiefebene hat, gehört noch nicht zu den Etablierten im Burgenland.

Die Renaissance der Uhudler-Traube

Herczeg machte Mitte der 80er Jahre die Winzerei zum Beruf. Obwohl sein Weingut mit seinen fünf Hektar großen Anbauflächen noch vergleichsweise klein ist, ist der Winzer mit dem Geschäft zufrieden. Er verarbeitet zur Hälfte rote Sorten - Blaufränkisch, Zweigelt und Merlot. Sie werden teils klassisch, teils im Holz ausgebaut. Dazu kommen 40 Prozent Weißweinsorten: Welschriesling, Chardonnay, Pinot Blanc und der für Österreich so typische Grüne Veltliner.

Doch Herczeg, der auf seinem Hof regelmäßig neugierige Gäste empfängt, verarbeitet mit zunehmendem Erfolg die Uhudler-Traube, die gerade in Österreich eine Renaissance erlebt. Sein Uhudler-Frizzante oder der Uhudler-Sekt verkaufen sich bestens. Doch trotz zahlreicher Preise für seine Weine hat Herczeg den Schritt auf den europäischen Markt bisher nicht gewagt. "Wir machen einen Schritt nach dem andern", sagt der Winzer bescheiden, "doch der nächste kommt bestimmt."

Christian Fürst, dpa

Burgenland: Die Heimat edler Tropfen in Bildern

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