Eishotels Eiskalte Kunstwerke

Sie erstehen jedes Jahr in neuer Pracht und sind meist wahre Meisterwerke aus Eis und Schnee. Ein Nacht im Eishotel gehört sicher nicht zu den erwärmendsten Erfahrungen. Ein cooles Erlebnis ist es aber allemal.

Kiruna/Hunderfossen - In Lappland sind die Winter lang und kalt. Wenn es eines fast unbegrenzt gibt, dann Schnee und Eis. Und daraus lassen sich nicht nur Schneemänner bauen, sondern auch ganze Häuser - und zwar nicht nur kleine Iglus im Stil der Eskimos. Immer öfter sind es richtige Hotels, so wie in Jukkasjärvi, hoch im Norden Schwedens, in Kemi in Finnland oder ganz neu im "Hunderfossen Winterpark" bei Lillehammer in Norwegen. Das "Icehotel" dort beansprucht, das südlichste in ganz Skandinavien zu sein.

Das bekannteste Bauwerk seiner Art heißt ebenfalls "Icehotel" und entsteht Jahr für Jahr, sobald der Frost dauerhaft ist, keine 20 Kilometer von Kiruna in Nord-Schweden entfernt. Dort in Jukkasjärvi ist im Spätherbst für einige Wochen eine Großbaustelle zu finden. Dann werden riesige Eisblöcke mit einem Gesamtgewicht von rund 10.000 Tonnen aus dem im Winter zugefrorenen Fluss Torne geholt und zusammen mit noch einmal 30.000 Tonnen Schnee als Baumaterial verwendet.

Das "Icehotel" besteht aus 65 Zimmern und Suiten, einer Eiskirche, einer "Icebar" und einer Sauna, die allerdings aus naheliegenden Gründen besser nicht in einem Eisgebäude untergebracht ist. Für die Gestaltung der Anlage reisen jeweils Eiskünstler aus verschiedenen Ländern an. Die "Eiszimmer" sind komplett aus Eis und Schnee geformt.

Die "Design Eis Suiten" sind das auch. Außerdem sind sie alle unterschiedlich und mit Eisskulpturen dekoriert - genau wie die "Art Eis Suiten". Dort dürfen die Eis-Designer auch bei der Dekoration von Decke und Wänden ihrer Fantasie völlig freien Lauf lassen. Geschlafen wird jeweils auf mit Rentierfellen belegten Eisbetten, Kinder kuscheln üblicherweise im Bett ihrer Eltern.

Der Vorteil der coolen Übernachtungsmöglichkeiten: Abwechslung ist garantiert. Das Hotel wird jeden Winter neu gebaut und sieht deshalb auch immer anders aus. Der Nachteil liegt ebenfalls auf der Hand: Mit dem Baubeginn muss auf ausreichende Minustemperaturen gewartet werden. Eröffnung ist meist um den 1. Dezember. Bewohnbar sind die Zimmer nur bis in den April hinein, bald danach taut das Hotel ab.

Das "Schneeschloss" im finnischen Kemi öffnet sogar erst Ende Januar und schließt schon in der ersten Aprilwoche. Neben Suiten und Zimmern gibt es auch hier eine Kapelle und ein Restaurant aus Schnee. Zum Duschen und Saunen können die Gäste in ein nahes Hotel der klassischen Art fahren.

Nordlicht-Panorama inklusive

Nordlicht-Panorama inklusive

Am Rand des Urho-Kekkonen-Nationalparks, zehn Kilometer von dem Ort Saariselkä entfernt, liegt außerdem das "Hotel & Igloo Village Kakslauttanen". In dem Igludorf mit 20 Schnee-Iglus und fünf Iglus aus Glas, in denen ein Blick auf das Nordlicht problemlos möglich sein soll, gibt es ebenfalls ein Schneerestaurant mit Platz für 150 Gäste. Nach Angaben des Finnischen Fremdenverkehrsamtes öffnet es von Anfang Januar bis Ende April.

Auch in Norwegen gibt es mehrere Eishotels, neben dem neuen in Hunderfossen nun zum zweiten Mal eines in Kirkenes. Das "Igloo Hotel" in Alta geht schon in die neunte Saison, sagt Hilke von Hoerschelmann vom Fremdenverkehrsbüro Innovation Norway in Hamburg. "Die Nachfrage steigt jedes Jahr." Üblich sei, dass Gäste nur ein bis zwei Nächte bleiben - auch wenn theoretisch mehr Übernachtungen möglich wären.

"Wir empfehlen das allerdings nicht", sagt Dino Steinkamp, beim Reiseveranstalter Dertour in Frankfurt zuständig für die Nordischen Länder. Eishotels seien schließlich keine Dauerherberge. Zum einen sind die Kosten vergleichsweise hoch - sie liegen üblicherweise bei 125 Euro pro Nacht aufwärts und können in einzelnen Suiten auch mehr als das Doppelte kosten.

Zum anderen ist die Übernachtung allein wegen der Temperaturen etwas Besonderes: Die Gäste schlafen bei minus fünf bis minus acht Grad in Thermoschlafsäcken. "Das ist keine Mutprobe. Bungee-Jumping ist definitiv schlimmer", sagt Steinkamp. Und falls der Frost nachts dann doch zu heftig sein sollte, gibt es üblicherweise die Möglichkeit, in eine feste Unterkunft umzuziehen.

Für Reiseveranstalter werden die Eishotels gerade als Teil von Rundreisen durch den skandinavischen Norden immer wichtiger. Spezialisten wie Nordic Holidays haben das "Eishotel Jukkasjärvi" genauso im Programm wie Dertour oder Tui Wolters. Bei letzterem können einzelne Übernachtungen ebenso gebucht werden wie eine Pauschalreise, bei der das Hotel neben einer Schneemobilsafari und Hundeschlittentour einer der Höhepunkte ist.

Bei Tui Wolters im Katalog ist auch das "Igloo Hotel" bei Alta zu finden, in dem ebenfalls im Thermoschlafsack auf Rentierfellen übernachtet wird. Dertour stellt in seinem Winterprogramm auch das "Igloo Hotel Kakslauttanen", das "Schneeschloss Kemi" und das "Snowhotel" in Kirkenes vor. Auswahl an coolen Übernachtungsplätzen gibt es also.

Andreas Heimann, dpa

Eishotels: Die coolsten Unterkünfte in Bildern

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