Outback Welch ein Felsen!

Wie der Rücken eines urzeitlichen Felsentieres hebt sich der rötlich schimmernde Ayers Rock aus der kargen Landschaft. Tag für Tag strömen die Touristen zu dem heiligen Berg, dabei hat Australiens Outback mehr zu bieten. Abseits der Besucherrouten liegt einer der größten Monolithe der Erde, nicht minder schön als sein berühmter Kollege.

Carnarvon - Wer an Australiens Outback denkt, hat rasch den Ayers Rock vor seinem geistigen Auge. Wie ein riesiges, kieloben treibendes Boot erhebt sich der rote Felsklotz aus der Wüste. Die größte Attraktion seiner Art ist der Ayers Rock aber nicht: Etwa 1600 Kilometer westlich steht mit dem Mount Augustus in Western Australia ein sehr ähnlich aussehender, aber zweieinhalb Mal größerer Berg. Hier hält sich der Besucheransturm aber in überschaubaren Grenzen: Zu fern von den Touristenrouten Australiens liegt der Ort, zu mühsam erscheint die Anreise. Doch eben das macht den Reiz eines Besuchs erst richtig aus.

Es ist 6.26 Uhr, über Nacht hat es sich etwas abgekühlt. Nur 29 Grad zeigt das Thermometer an, die Sonne hat es noch nicht über den Horizont geschafft. Wer auf den Mount Augustus klettern will, muss früh aufstehen, spätestens mittags wird die Hitze zu groß für große körperliche Anstrengungen. Und der Aufstieg ist alles andere als ein Spaziergang: Gut drei Stunden geht es zum Teil steil himmelwärts. 650 Höhenmeter sind zu überwinden, anfangs mit der Taschenlampe in der Hand, dann im Schatten des Berges. Denn der "Summit Trail" liegt an der Westseite des 1106 Meter über Meeresniveau reichenden Berges.

Klettern in der Hitze

Der Rucksack lastet schwer auf den Schultern, gefüllt ist er vor allem mit Wasserflaschen. Mindestens zwei Liter pro Person sind für den Aufstieg kalkuliert, und am Ende erscheint das eher knapp. Die Luft ist hier sehr trocken, vor allem dann, wenn wie an diesem Tag der Wind von Osten kommt, aus der Richtung der heißen australischen Wüsten.

Bald blinzelt die Sonne das erste Mal hinter dem Gipfel empor, das Thermometer klettert rasch in Richtung 35 Grad. Kein Laut ist zu hören, kein Tier zu sehen, kein Flugzeug zieht Kondensstreifen am Himmel. Nur ein paar Fliegen umschwirren die Wanderer, und der warme Ostwind lässt die Akazien zittern - anders als der Ayers Rock, ist Mount Augustus bis zum Gipfel mit Gestrüpp und Bäumen überzogen.

Der halbe Weg ist geschafft, Hemd und Gesicht sind schweißnass. Andere Wanderer sind nicht unterwegs - wie am Tag zuvor auf der Fahrt von der Küste hierher. Gut 450 Kilometer ohne Gegenverkehr, wann hat man das schon? Mit dem Allradwagen waren auf den breiten, gut in Schuss gehaltenen Sandpisten zum Teil 110 Stundenkilometer drin.

Über den kleinen Ort Gascoyne Junction führte die Fahrt zunächst in den Kennedy Ranges Nationalpark, eine weitere Attraktion in diesem Teil Australiens. Auch hier: keine anderen Touristen, die sich etwa die Honeycomb Gorge anschauen wollen, eine Schlucht mit einer Steilwand am Ende, die von der Erosion wie eine Honigwabe geformt worden ist.

Landschaft der Rottöne

Landschaft der Rottöne

Gut 41 Grad waren es mittags in der Honeycomb Gorge, die Felsen zu heiß zum Anfassen. Auch an diesem Tag dürfte sich das Thermometer wieder in diesem Bereich einpendeln, aber der Gipfel des Mount Augustus ist nun bald - und damit lange vor der Mittagshitze - erreicht. Von oben bekommen die Landschaften des Outback ein ganz neues Gesicht: Rote und braune Erde mischen sich; wo sich nach Regenfällen Seen bilden, steht hohes grünes Gras. Und die Flussläufe, von denen hier fast keiner ganzjährig Wasser führt, sind an den River-Gum-Trees, einer besonderen Art Eukalyptusbaum, beiderseits der Ufer gut zu erkennen.

Eine kleine Steinpyramide markiert den höchsten Punkt des Berges, ein Gipfelbuch wartet auf Einträge. Mit seiner Hilfe ist erkennbar, wann hier die Saison ist: In Australiens kälterer Jahreszeit von Mai bis Oktober klettern vor allem Einheimische hinauf, dann ändert sich im November das Bild: Deutsche, Schweizer, Polen - aus halb Europa kommen die Besucher, aber es sind immer nur wenige am Tag und manchmal wochenlang überhaupt niemand. Vom 13. Januar bis 16. Februar 2007 gab es keine Einträge. Zu heiß ist es zu diesen Wochen gewesen.

Es ist nun 9.25 Uhr, Zeit für den Abstieg, ehe die Hitze zu groß wird. Die Wege sind mit Farbklecksen am Boden und rosa Schleifen in den Büschen gut gekennzeichnet, auch im "Gully Trail", dem zweiten Weg nach oben. Er verläuft parallel zum "Summit Trail", führt durch einen trockenen Bachlauf und hat einige sehr steile Passagen - nichts für Wanderer, die der Ansicht sind, schon genug geschwitzt zu haben.

Harte Lebensbedingungen

Noch vor dem Sonnenhöchststand ist der Parkplatz wieder erreicht, hin und zurück dauerte die Tour fünf Stunden. Jetzt schnell unter die Dusche - entweder in der 25 Kilometer entfernten Cobra-Station, die staatlich betrieben wird und "Urlaub auf dem Bauernhof" bietet, oder im "Mount Augustus Tourist Resort" mit 20 kleinen Hütten, Restaurant, Campingplatz und Telefonzelle.

Letzterer hatte einige Zeit keinen guten Ruf, weil hier häufig Betrunkene anzutreffen waren. "Seit einem Managementwechsel 2006 ist das kein Problem mehr", versichert Mike Flood, der Regionalvertreter von Tourism Western Australia in Carnarvon. Stattdessen kommen nachts die Kühe von der Nachbar-Ranch, um das Gras vom bewässerten Rasen herunterzufressen, und in den Toiletten- und Duschcontainern hüpfen kleine Frösche die Wände hoch.

Der Ayers Rock lässt sich zu Fuß in wenigen Stunden umrunden, beim Mount Augustus würde das sehr viel länger dauern. Ein 49 Kilometer langer Kurs führt um den roten Felsbrocken herum, an einigen Stellen sind Felsmalereien von Aborigines zu finden. Sie sind recht klein und "mehr Handwerk als Kunst", sagt Mike Flood. "Sie zeigen, dass die Lebensbedingungen hier viel härter waren und sind als zum Beispiel im Kakadu Nationalpark ganz im Norden Australiens. Dort gibt es Nahrung im Überfluss, dort war Zeit für kunstvolle Felsmalereien. Hier gab es mit Glück ein Känguru im Monat als Resultat einer langwierigen Jagd."

Ein Abstecher nach Nordwesten führt zum "Emu Hill Lookout", einem Hügel mit prächtiger Aussicht auf den Mount Augustus. Inzwischen ist es Abend geworden, die Sonne färbt den Felsen in immer tieferem Rot. Kein Laut ist zu hören, kein Tier zu sehen - und keine Touristen, die ihre Digitalkameras an die Belastungsgrenze bringen. An diesem einsamen Ort fühlt sich der Reisende eins mit dem Berg und mit dem Land. Der weite Weg, die mühsame Anfahrt - sie haben sich gelohnt.

Christian Röwekamp, dpa

Reisetipps für Australiens Mount Augustus Nationalpark

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Anreise: Der etwa acht Kilometer lange Mount Augustus liegt 430 Kilometer Autofahrt östlich des Küstenortes Carnarvon im Outback von West-Australien. Die Fahrt über größtenteils ungeteerte Pisten dauert mindestens sechs Stunden. Ein Allradfahrzeug ist von Vorteil, normale Mietwagen können die Strecke aber auch bewältigen. Carnarvon befindet sich 900 Kilometer nördlich der Großstadt Perth am Indischen Ozean.

Klima: Im australischen Sommer (Dezember bis März) wird es sehr heiß, und es gibt dann auch verstärkt Gewitter. Als optimale Reisezeit gelten die Monate April bis Oktober.

Info: Kein Infotelefon in Deutschland. Tourismusbüro der Verwaltungsregion Upper Gascoyne (Tel. von Deutschland: 0061/8/99 43 09 88); Internet: www.australia.com , www.westernaustralia.com , www.australiasgoldenoutback.com , www.naturebase.net 

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