Ontario Urlaub für die Sinne

Endlos scheinende Wälder, tausende Seen und eine faszinierende Tierwelt sind die Markenzeichen von Ontario. Doch in dem kanadischen Inselreich mit seiner atemberaubenden Landschaft und tollen Tauchrevieren kommen nicht nur Naturliebhaber und Sportfans auf ihre Kosten. Auch kulinarisch hat die Provinz einiges zu bieten.

Alton - Im "Millcroft Inn" ist Feigenzeit. Chefkoch Roberto Fracchioni hat im Garten seiner Eltern in der kanadischen Provinz Ontario einige reife Exemplare entdeckt und zaubert heute Abend Gerichte rund um die süße Frucht: Gedünstete Gänseleber mit Feigenmus etwa, dazu ein kleiner Klecks aus Kalbfleisch und Rotweinsoße.

Fracchionis Kreationen sind nur ein Beispiel für sinnliche Verwöhnprogramme, die Hotels in Ontario bieten: Urlauber finden hier vielerorts Gaumenfreuden und Wellnessangebote. Knapp 50 historische Gasthäuser sind bisher als Mitglieder der "Ontario's Finest Inns" ausgezeichnet worden, darunter das "Millcroft Inn".

Küchenchef Fracchioni arbeitet "völlig blind", wie er sagt. Erst während ein Gericht seine Küche verlässt, sammelt er Ideen für das nächste. "Alles ist spontan und neu erfunden." So folgt Parmesan-Polenta mit grüner Salsa und Spargel auf mit gerösteten Artischocken und Oliven gefülltes Rebhuhn. Zwischendurch ein Grapefruit-Parfait "zum Reinigen der Geschmacksknospen", ein Schluck Wein - und schon folgt die nächste Überraschung. Hausherr im "Millcroft" ist der Münsterländer Wolfgang Stichnothe. Er erwarb 1995 die frühere Textilmühle im Village of Alton, 40 Autominuten von Toronto entfernt.

Im Wellnessbereich des Hotels soll die "Couple's Therapy" sinnlich stimmen: Sie vereint Kräuterbad und Ganzkörpermassage. Bodenständiger mutet dagegen eine Bierbehandlung an, bei der Gäste eine Körperpflege aus Malz, Pediküre im Gerstensaft und ein kühles Helles auf die Hand erhalten. Wer sich Bewegung verschaffen will, findet in der Nähe einen Golfplatz und Wanderwege sowie Plätze zum Fliegenfischen.

Von Alton ist es nicht weit zum Algonquin Park, der wegen seiner noch fast unberührten Wildnis bei Naturfreunden sehr beliebt ist. Endlos erscheinende Wälder und mehr als 400.000 Seen sind die Markenzeichen der Provinz Ontario. Allein im Inselreich des St. Lorenz-Flusses finden sich 45 Naturschutzparks. Der gewaltige Strom trennt Ontario vom US-Bundesstaat New York.

Auf dem Boden des St. Lorenz liegen Hunderte von Schiffswracks, einige seit mehr als 200 Jahren. Zu den ältesten Schiffen, die den Stromschnellen zum Opfer fielen, zählt ein französisches Kriegsboot aus den 1750er Jahren. Inzwischen ist der Fluss begradigt und ohne größeres Risiko befahrbar. Anbieter wie Michael Ryan von der Rockport Boat Line organisieren Tauchgänge, um Schiffswracks und Überbleibsel ihrer Ladung zu besichtigen. Der Fluss gilt nicht zuletzt wegen seines klaren Wassers mit Sichtweiten von 30 Metern als eines der besten Tauchgebiete Nordamerikas.

Eine "fantastische Erde" für Wein

Eine "fantastische Erde" für Wein

Wer sich traut, gegen den Wind anzupaddeln, geht mit Nick Vienneau auf Tour. Er ist der einzige Anbieter von Kajakausflügen auf der kanadischen Seite der "Thousand Islands" und legt nur wenige Kilometer vom Ort Gananoque entfernt ab. Auf einer Tagestour legt er gut acht Kilometer zurück und zeigt seiner Gruppe dabei seltene Tierarten: Kormorane, Fischadler, Otter und Biber. Später können Gäste des "Gananoque" den Sonnenuntergang über dem St. Lorenz beim Dinner auf der Terrasse bewundern. Derweil legt die Familie Prohaska im "Rockport Boathouse" die Krachledernen zum Schuhplattler an.

Wie das "Millcroft" und das "Gananoque" zählt auch das "Rosemount Inn" in Kingston zu "Ontario's Finest Inns". Hier spukt es, heißt es auf einer der sogenannten Geistertouren. Düster und beklemmend wirkt die Villa auf den ersten Blick, doch nach der Begrüßung schwindet das Unbehagen. Gastgeberin Holly Doughty sprüht vor Lebensfreude. "Ja, wir haben Geister, aber nur gute", lacht sie. Einer der Hausgeister kommt in Gestalt einer alten Dame in langen Gewändern. "Sie scheint etwas zu suchen, räumt in den Zimmern herum und schaut in Handtaschen", hat sich Doughty von Besuchern erzählen lassen.

Das "Merrill Inn" liegt in Picton, in dem für seine einsamen Sandstrände und -dünen bekannten Prince Edward County. Der rote Backsteinbau stammt aus dem Jahr 1878, besitzt 13 Giebel und ebenso viele Gästezimmer. Bei Chefkoch Michael Sullivan verlässt kein Teller ohne mindestens sechs verschiedene Gemüse aus der Region die Küche. Auf der Weinliste stehen immer 80 bis 90 Tropfen zur Wahl.

Einige seiner besten Weine kauft Inhaber Edward Shubert bei Ed Neuser ein, der den Weinbau im Prince Edward County etabliert hat. Auch Neuser stammt aus Deutschland. Auf den Rat eines Fachmannes hin pflanzte er probehalber ein Pfirsichbäumchen am Ufer des Ontario-Sees an. Dieses gedieh gut und gab das Signal: Der Boden eignet sich auch zum Weinanbau. Ein Dutzend Winzer folgte Neusers Beispiel in den vergangenen zehn Jahren und baut dort heute Boutique-Weine an.

Zu ihnen gehört Catherie Langlois aus Québec, die in Frankreich ihr Handwerk erlernte. Ihr Favorit sei der Baco Noir, ein intensiver, rauchiger Roter mit leichtem Pflaumengeschmack, schwärmt die Besitzerin der Sandbanks Winery. Sie habe kürzlich eine Probe ihres Bodens an Weinbauer in Frankreich geschickt und umgehend die Frage zurückbekommen: "Wo gibt es diese fantastische Erde?"

Gisela Ostwald, dpa

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