Dubai Hinter der Hochglanzfassade

Größer, schöner, bombastischer - Dubai strebt nach immer neuen Superlativen. Doch zwischen Wolkenkratzerbaustellen, Einkaufszentren und Indoor-Skihallen lohnt sich auch ein Blick auf die Ursprünge des Emirats.

Dubai - Ein Stockwerk pro Woche wächst der Burj Dubai dem Himmel entgegen. Seit Juli 2007 ist der Rohbau das höchste Gebäude der Welt. Doch das reicht nicht: Mehr als 800 Meter soll er in Kürze den Golf überragen - mit Superlativen wird in Dubai nicht gespart. In Sichtweite lockt im Einkaufszentrum "Mall of Arabia" eine bizarre Schneelandschaft - und wie selbstverständlich gehört die Indoor-Skihalle zu den größten auf dem Erdball.

Höher, schöner, bombastischer. Extreme hat das Emirat Dubai zu bieten wie Sand in der Wüste. Wer in der Metropole Tradition und alte arabische Kultur sucht, muss genau hinsehen. Doch zwischen Baukränen und spiegelnden Wolkenkratzern sind kleine Schätze zu finden - denn parallel zur Positionierung als Metropole des 21. Jahrhunderts besinnt sich Dubai auf seine Geschichte.

"Man sieht zwar auf den ersten Blick nicht viel vom alten Dubai, aber es ist immer noch da - und es lohnt sich, danach zu gucken", sagt Ali Abdulwahab, Executive des Department of Tourism and Commerce Marketing. "Man kann keine Stadt haben, die nur aus modernen Türmen besteht."

Um die Suche nach den Spuren der Geschichte zu beginnen, empfiehlt sich eine Tour übers Wasser: An Bord einer traditionellen Dhow schippert der Tourist entspannt auf dem Dubai Creek, einem Meeresarm, der die Stadt in zwei Hälften teilt.

Kurztrip in die Geschichte

Kurztrip in die Geschichte

Während das offene Holzboot langsam die üblichen Verkehrsstaus auf den überfüllten Straßen überholt, lernt man eine entspannte Seite der hektischen Metropole kennen. Behutsam ziehen Glastürme, eine moderne Seilbahn und Betonkästen aus den 70er Jahren am Ufer vorbei.

Ob man das hölzerne Wassertaxi nur zum Übersetzen auf die andere Seite nutzt oder zu einer kleinen Kreuzfahrt aufbricht, ist Geschmackssache. Spätestens aber wenn auf dem Weg flussaufwärts der Stadtpalast der Herrscherfamilie auftaucht - für ihn gilt übrigens wie für alle königlichen Gebäude Fotografierverbot - lohnt sich das Anlegen.

Hinter den Zäunen des modernen Palastes gibt es alte Stadtmauern und prächtige historische Gebäude zu entdecken - das Bastakiya-Viertel. Ursprünglich um 1890 von Händlern errichtet, repräsentiert es eine völlig andere Seite Dubais.

Besonders die großen Windtürme auf den Dächern der villenartigen Häuschen repräsentieren ein Stück Geschichte: Während heute in jedem noch so kleinen Gebäude Klimaanlagen surren, verschafften sich die Menschen noch vor wenigen Jahrzehnten mit baulichen Tricks Kühlung im mörderisch heißen Klima des Wüstenorts.

Dass die in Dubai üblichen Bauarbeiten auch im Museumsstadtteil allgegenwärtig sind, sollte keinen Besucher wundern. Eine Stadt, die von Architekten und Designern am Reißbrett geplant wird, überlässt selbst ihre Altstadt nicht dem Zufall. Diese entsteht völlig neu und schöner als je zuvor - die alten, aus Korallensteinen gebauten Häuser seien nicht zu retten gewesen. "Wir haben die Anlagen renoviert, um ihnen ein gutes Aussehen zu geben. Denn das Problem ist, dass die alten Materialien nicht lange genug halten", betont Ali Abdulwahab.

Brunnen, Zelte und alte Holzboote

Brunnen, Zelte und alte Holzboote

Ein ganz besonderes Original verbirgt sich dennoch im Gewirr der neuen alten Gassen: Die Keimzelle des Emirats. Sie liegt unter einer dicken Schicht Staub. Knapp fünf Meter lang, durch ein Holzdach vor der sengenden Sonne geschützt, können Touristen den letzten Rest Stadtmauer bewundern, hinter der die Einwohner Dubais vor 100 Jahren Schutz suchten.

Wer mehr über die Geschichte Dubais erfahren will, lässt den Creek und die Altstadt hinter sich und geht ins Dubai Museum. Integriert in ein altes Fort, werden hier Brunnen, Zelte und alte Holzboote präsentiert.

Im gut klimatisierten unterirdischen Innenraum lässt sich die Entwicklung der Wüstenstadt vom Beduinencamp über den Ölboom der 60er Jahre bis zum Bauboom der 90er Jahre anhand von Fotos und Filmen nacherleben. Öl spielt in Dubai übrigens eine geringere Rolle, als viele Touristen vermuten - 6 bis 8 Prozent der Einnahmen decke das Emirat aus dem schwarzen Gold, heißt es in der Ausstellung. Wirtschaftlich bedeutender sei die Position als Handelsmetropole im Nahen Osten. Über vier Millionen Menschen leben heute in Dubai, 1966 waren es noch 100.000.

Nach dem Gang durchs Museum komplettieren ein Besuch im nahe gelegenen Heritage Village mit Steinhäusern, Beduinenzelten und Gewürzläden und vor allem ein Bummel über die Märkte die Suche nach dem alten Dubai. Mit dem Taxi oder auch zu Fuß - Achtung, aufgrund der Hitze immer genügend Wasser mitnehmen - wird dazu das Viertel rund um den Gold-Souk und den Spice Market angesteuert.

In traditioneller arabischer Basar-Atmosphäre kann um üppigen Goldschmuckstück und um exotische Gewürze gefeilscht werden. In der Regel ist in Dubai tatsächlich alles Gold was glänzt. Kritischer sollte der Besucher bei vermeintlichen Antiquitäten sein: Als solche werden hier schon mal Gegenstände verkauft, die gerade einmal zehn Jahre alt sind, wie die Reiseleiterin betont.

Kai Gerullis, ddp

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