Irlands Südwesten Grünes Idyll

Seltene Vögel, zahllose Schafe und eine verrostete Seilbahn, die ihre besten Tage längst gesehen hat. Im Südwesten Irlands, auf den Inseln vor der Küste des Ring of Kerry scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Ein Paradies für Reisende, die es gerne ruhig haben - oder "ruhiger als ruhig".

Killarney/Portmagee - Regen peitscht ans Fenster, der Himmel ist grau verhangen. "Sorry, Trip zu den Skelligs gecancelt", schickt Bootsführer Kenneth Roddy eine Kurznachricht aufs Handy. Das hätte man sich auch denken können. Am Tag darauf scheint zwar die Sonne, aber der Wind ist zu stark. Erst am dritten Tag lässt das Wetter einen Ausflug zu den Skellig-Inseln zu.

Die spektakulären Küstenstraßen haben den Südwesten Irlands bekannt gemacht. Ein weniger bekannter Ausblick auf die schroffen Klippen bietet sich von seinen unzähligen Inseln. 13 Kilometer vor der Küste des berühmten Ring of Kerry liegen die Skellig-Inseln wie schwimmende Pyramiden aus Sandstein im Atlantischen Ozean. Von Portmagee, einem winzigen Städtchen ganz im Westen der Iveragh-Halbinsel, bieten zahlreiche Skipper Bootstouren an.

Kenneth Roddy wartet bereits an der Hafenmole. Das Geschäft liegt in der Familie. Vor 40 Jahren fuhr sein Vater Joe die ersten Touristen zu den Skelligs. Rund 45 Minuten dauert die Fahrt. Nun leuchtet ein, warum das Wetter für diesen Ausflug mitspielen muss. Trotz des blauen Himmels und Sonnenscheins ist der Wellengang heftig. Auf der spartanischen Nussschale, ohne Unterstellmöglichkeiten, ohne Toilette und mit Platz für zwölf Fahrgäste, wächst der Respekt vor dem Meer. Nur Kenneths Hund Nini nimmt die Sache gelassen. Der neun Monate alte Welpe schläft während der gesamten Überfahrt seelenruhig.

Nacheinander landen die Boote im Hafen "Blind Man's Cove". Mit einem großen Schritt geht es vom schwankenden Deck auf die steile Hafentreppe. "In zwei Stunden bin ich wieder da", sagt Kenneth Roddy, winkt und fährt davon. Die Mönche, die vom 6. bis 13. Jahrhundert auf Skellig Michael wohnten, blieben dagegen bis zu ihrem Tod auf der Insel. Sie schufen die "Monk's Staircase", ausgetretene und verwitterte Steinstufen, die auch heute noch jeder Besucher hinaufklettern muss.

Den Blick fest nach oben gerichtet, rückt das Ziel immer näher. Feine Wolkenbänder durchziehen den strahlend blauen Himmel. Schicht um Schicht werden die Kleidungsstücke weniger. Geschwitzt und erschöpft ist schließlich das Ziel erreicht: die Mönchssiedlung in 215 Meter Höhe. Wie ein Adlerhorst schmiegen sich die Hütten auf den Felssattel unterhalb des Gipfels.

Weltkulturerbe in luftiger Höhe

Weltkulturerbe in luftiger Höhe

Noch immer stehen hier sechs aus Trockenmauerwerk errichtete Bienenkorbhütten, in denen die Eremiten vor 1000 Jahren lebten - am Ende der Welt, um Gott näher zu sein. Zwei bootförmige Oratorien, einige Kreuze und Grabsteine sind ebenfalls erhalten. Nachdem die Mönche Skellig Michael verlassen hatten, wurde die Insel zur Pilgerstätte. Seit 1996 ist sie Weltkulturerbe.

Vom Gipfel des Felsens bietet sich für Schwindelfreie ein traumhafter Blick auf die Küste und die Nachbarinsel Little Skellig. Dieses zweite, zehn Hektar große Felsmassiv umrundet das Boot auf dem Rückweg zum Festland. Plötzlich liegt der beißende Geruch von Vogelkot in der Luft. Der Himmel schwirrt. Eine der größten Basstölpelkolonien der Welt ist auf der Insel zu Hause. Geschätzte 20.000 bis 25.000 Paare brüten hier. Vor lauter weißen Punkten ist der Fels fast nicht mehr zu erkennen. Mit etwas Glück sind im Wasser auch Robben zu sehen.

Nach einer Dreiviertelstunde fährt Kenneth Roddy wieder in den Hafen von Portmagee ein. Wer mehr über die Skelligs wissen möchte, kann noch einen Besuch im Skellig Experience Centre direkt nebenan auf Valentia Island anhängen. Die Fahrt zu dieser Insel gestaltet sich gemütlich und angstfrei. Eine Brücke führt auf die elf Kilometer lange und drei Kilometer breite Insel. Von hier bietet sich ein spektakulärer Blick auf die Skelligs und den Ring of Kerry.

Der "kleinere Bruder" der berühmten Panoramastraße ist der Ring of Beara auf der Beara-Halbinsel. Schmale Straßen winden sich entlang der Küste. In der Mitte der Fahrbahn wächst Gras. Erst wenn einem ein anderes Auto entgegen kommt, stellt man fest, dass es keine Einbahnstraßen sind. So kann die Fahrt von Kenmare bis zur äußersten Spitze der Halbinsel gute zwei Stunden dauern.

Doch etwas ist hier anders als sonst: Keine Brücke, keine Fähre, sondern Irlands einzige Seilbahn verbindet seit 1969 das Festland mit Dursey Island. 250 Meter über dem Wasser ruckelt die alte, leicht angerostete Kabine gut sieben Minuten übers Meer, bis sie die Insel erreicht. Sechs Personen passen hinein - oder ein großes Tier. Denn auch die Schafe auf der Insel sind per "cablecar" gekommen. Die Seilbahn fährt nur zweimal am Tag, vormittags von 9.00 bis 11.00 Uhr und nachmittags von 14.30 bis 17.00 Uhr. Reservierungen sind nicht möglich, Insulaner haben immer Vorfahrt. Es empfiehlt sich, mindestens 30 Minuten vor der letzten Abfahrt da zu sein.

Zehn Menschen leben auf der westlichsten Insel des County Cork. Es gibt keine Shops, keine Restaurants, keine Pubs. Vier bis fünf Stunden dauert ein Spaziergang um die Insel. Neben Schafen zeigen sich mit etwas Glück seltene Vogelarten aus Sibirien und Amerika. Dursey Island ist ein Paradies für Menschen, die Erholung suchen. "Sie haben es sehr ruhig hier", bemerkt eine Touristin auf der Rückfahrt zu dem mitfahrenden Insulaner. "Ruhiger als ruhig", sagt dieser und lächelt zufrieden.

Nicole Jankowski, dpa

Irland: Die Skellig-Inseln in Bildern

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