Taipeh Konfuzius' Erben

Hierzulande kennen die meisten seine Weisheiten wohl am ehesten aus der Lindenstraße, doch in Taiwan wird das Andenken an Konfuzius hochgehalten. Der Geburtstag des Meisters, der seinen Anhängern Güte, Respekt und Pflichterfüllung predigte, wird dort jedes Jahr in einem farbenfrohen Spektakel feierlich begangen.

Taipeh - Prachtvoll sehen sie aus, die Schüler mit ihren leuchtend gelben Gewändern und den schwarzen, sich nach hinten verjüngenden Hüten. In der linken Hand tragen sie eine Flöte, in der rechten den Di - einen Stab mit einem goldenen Drachenkopf, verziert mit langen Fasanenfedern.


Mit ernsten Gesichtern warten die Tänzer auf ihren Einsatz. Ein Jahr lang haben sie die überlieferten Schrittkombinationen geübt, die sie nun an Konfuzius' Geburtstag zu Ehren des Meisters aufführen - so, wie es seit fast 3000 Jahren üblich ist.

Konfuzius' Geburtstag am 28. September wird in Taiwan traditionell gefeiert. Überall im Land übergeben an diesem "Tag des Lehrers" Schüler ihren Lehrern kleine Geschenke. Der Konfuzianismus ist zwar keine Religion - die Lehren Kon Fu Tses prägen aber in hohem Maße die Gesellschaft.

Konfuzius wurde vermutlich 551 vor Christus geboren und wirkte als Berater an verschiedenen Fürstenhöfen. Er lehrte Güte, Mildtätigkeit, Respekt, Pflichterfüllung und Weisheit - Tugenden, die noch heute die Umgangsformen im alltäglichen Miteinander prägen.

Mit dem Sonnenaufgang beginnen in den Tempeln des Landes die Zeremonien - auch im Konfuzius-Tempel in Taipeh in der Talung-Straße. Ein dumpfer Ton erklingt - ein Schüler hat die Bo Fu, die traditionelle Trommel, geschlagen. Die Musiker und Tänzer laufen auf dem Vorplatz des Tempels ein und stellen sich auf ihre Positionen - gelb, rot und grün sind sie gekleidet.

Erst dann folgen die Honoratioren - Gelehrte, Amts- und Würdenträger. Der Bürgermeister der Stadt hat den Vorsitz. Die in Lila, Schwarz und Blau gekleideten Herren verteilen sich auf dem Platz - rote Teppiche weisen ihnen den Weg.

Generalprobe für Besucher

Generalprobe für Besucher

Helle Glockentöne und tiefe Trommelschläge wechseln sich ab. Die fünf Yi- und Ling-Xing-Tore werden geöffnet. Einer der Würdenträger bringt die Behälter mit den Überresten heiliger Tiere hinaus. Anschließend passiert die Willkommensprozession die Tore und begrüßt den Geist. Die Musiker, Tänzer und Offiziellen verbeugen sich - mit ihnen das Publikum.

In Taipeh ist die Zeremonie an Konfuzius' Geburtstag wegen des begrenzten Platzes im Tempel geladenen Gästen vorbehalten. Besucher können trotzdem dabei sein - und müssen dafür nicht einmal früh aufstehen: Am Vortag des großen Festes nachmittags gibt es eine Generalprobe. Neben den Angehörigen der teilnehmenden Kinder haben hier auch interessierte Besucher Zutritt.

Rund eineinhalb Stunden lang dauern die Feierlichkeiten. Opfergaben werden überreicht und später feierlich verbrannt. Begleitet von Flötenklängen drehen sich die Tänzer, verbeugen sich oder knien nieder. 36 Schüler, aufgestellt in sechs Reihen zeigen den traditionellen Tanz. 96 verschiedene Positionen mussten sie dafür lernen.

So fremdartig die Zeremonie anmutet, der Besucher kann ihr gut folgen. Auf einer Leuchttafel werden die Nummern der einzelnen Sequenzen angezeigt, und die Zuschauer können bequem auf einem Faltblatt nachlesen, was gerade passiert.

Wer den Konfuzius-Tempel besichtigen möchte, sollte jedoch einen anderen Tag wählen. Denn dann ist es hinter den hohen Mauern der Anlage ruhig. Der Tempel selbst ist kaum verziert - ganz im Gegensatz zu den daoistischen und buddhistischen Anlagen des Landes. Konfuzius schätzte die Schlichtheit, und so finden sich weder Steinlöwen noch Inschriften. Es heißt, dass es niemand wagt, sein eigenes literarisches Können vor dem großen Meister zur Schau zu stellen.

Carina Frey, dpa

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