Skifahren in den Anden Flucht in die Kälte

Wenn die Temperaturen in Europa steigen und sich die Strände füllen, sehnen sich einige nach dem genauen Gegenteil: Winter und Skifahren. Wie wäre es da mal mit Chile und Argentinien, wo in den Anden neben gut ausgebauten und teils menschenleeren Pisten auch noch spektakuläre Panoramen mit Bergseen und erloschenen Vulkanen locken?

Las Leñas - Ein beliebtes Reiseziel in den Anden ist beispielsweise Las Leñas, das auch als "Sankt Moritz der Anden" bezeichnet wird. Eine Geldbörse mit entsprechend viel Kleingeld vorausgesetzt, muss hier niemand auf Jet-Set und Après-Ski verzichten.

Mark und Nico, zwei Schweizer Studenten, schwören schon seit dem Jahr 2000 auf Las Leñas in der argentinischen Provinz Mendoza, das Aushängeschild des Wintertourismus im Land der Gauchos: "Die Bedingungen, die man vorfindet, sind ein Traum - kein Vergleich mit zu Hause."

Doch nicht nur Amateure schätzen die gute Schneelage, die in der Regel von Mitte Juni bis Mitte Oktober Pistenspaß garantiert: Bis vor einigen Jahren machte der Ski-Weltcup jährlich im August in Las Leñas Station, manche Alpin-Verbände nutzen die Hänge auf über 3400 Metern als Sommertrainingslager. Auch Snowboardprofis und Freunde des Heli-Skiings schätzen den Ort mit seinen 27 Pisten.

Die Abfahrten im unberührten Tiefschnee lassen Nico gar Vergleiche zu "jungfräulichen Märchenprinzessinen" ziehen. So viel Paradies hat aber seinen Preis - auch in dieser Hinsicht muss das Skilaufen in den Anden die Vergleiche mit europäischen Nobelressorts nicht scheuen. Es wundert deshalb kaum, dass neben kaufkräftigen US-Amerikanern und europäischen Skifahrern vor allem Angehörige der argentinischen Oberschicht, betuchte Chilenen und Brasilianer die Hänge hinab fahren. Für Liftbenutzung und Hotel muss ein Erwachsener in der Hauptsaison pro Woche mit umgerechnet 1000 Euro rechnen. Dazu kommen noch die Ausgaben für Gastronomie und Nachtleben.

Skifahren am Ende der Welt

Skifahren am Ende der Welt

Das ebenfalls in Mendoza gelegene Skigebiet Penitentes kann in Sachen Pistenangebot und Glamour zwar nicht mit Las Leñas mithalten. Es ist aufgrund der Bergkulisse mit Gipfeln von 5000 bis 6000 Metern Höhe aber ebenfalls ein Klassiker - und um etliches günstiger. Und weiter südlich, in San Martín de los Andes in der Provinz Neuquen, stellt das Gletscher-Skigebiet Chapelco unter Beweis, dass die Anden weit mehr sind als nur ein Ausweichquartier: Der Ausblick auf den Lácar-See und den lange erloschenen, 3747 Meter hohen Vulkan Lanin gehören mit zu den Gründen, dass hier in der Hochsaison täglich fast 5000 Skiläufer ihre Spuren in den Schnee drücken.

Mit dem Cerro Bayo in Villa La Angostura und mit Caviahue verfügt Neuquen noch über zwei weitere namhafte Wintersportgebiete. In Caviahue können Urlauber nach dem Pistenspaß in den berühmten Thermen der Umgebung Erholung suchen. Auch in der Nachbarprovinz Río Negro locken am Cerro Catedral nahe der bekannten Tourismusstadt Bariloche 39 Liftanlagen und ein herrliches Andenpanorama die Skitouristen. Das gleiche gilt für La Hoya bei Esquel in der Provinz Chubut.

Skizirkus in Feuerland

Besonders geschätzt bei europäischen Wintersportnomaden sind die 19 Pisten am Cerro Castor bei Ushuaia in Feuerland ganz im Süden Argentiniens. Die Hänge sind nicht mit Las Leñas vergleichbar, doch das Motto "Skifahren am Ende der Welt" ist samt der damit verbundenen Atmosphäre ein Anreiz, dem viele nicht widerstehen wollen.

Auch in Chile können Skifahrer im europäischen Sommer auf ihre Kosten kommen. Die Skigebiete Portillo, La Parva, Valle Nevado und El Colorado/Farellones bieten eine Infrastruktur, die als international durchaus konkurrenzfähig gilt. Die Orte sind maximal 150 Kilometer von der Hauptstadt Santiago entfernt, so dass sich der Skiurlaub gut mit Besichtigungstouren zu Sehenswürdigkeiten verbinden lässt. Weiter im Süden sind die Wintersportorte Corralco, Termas de Chillán, Ski Pucón und Antillanca einen Besuch wert. Wie in Caviahue in Argentinien kann auch in Antillanca der Pistenzauber mit Thermalbädern im nahe gelegenen Puyehue verknüpft werden.

Die Wintersportorte Argentiniens und Chiles investieren jährlich viel Geld in den Ausbau ihrer Beförderungsanlagen, so dass im Vergleich zu Europa kaum Qualitätsabstriche zu verzeichnen sind. In jedem Fall sind die Skigebiete in den Anden in der Regel weit weniger überlaufen als ihre Pendants in den Alpen - ein Umstand, der auch für Skitourengeher den Sprung über den Atlantik attraktiv machen kann. Sie erleben unberührten Pulverschnee abseits der Pisten sowie weit und breit keine Menschenseele - das wiegt alle Anreisestrapazen auf.

Markus Leiter, dpa

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.