Elvis-Todestag Wallfahrt nach Memphis

Es ist eine Art Wallfahrtsort für Elvis-Fans aus aller Welt. Und vom 11. bis 19. August dürfte der Ansturm auf Graceland noch einmal größer ausfallen denn je. Dann ist es nämlich 30 Jahre her, dass der "King of Rock'n'Roll" hier im Alter von gerade einmal 42 Jahren starb.

Memphis - Man möchte meinen, jeden Augenblick geht die Tür auf und Elvis Presley kommt herein - mit seinem unnachahmlichen Hüftschwung, der schwarz gefärbten Schmalztolle und der wunderbar samtweichen Stimme. Das Wohnzimmer in seiner Villa "Graceland" in der US-Südstaatenmetropole Memphis sieht noch immer aus wie bewohnt. Der schwarz lackierte Flügel ist spielbereit aufgeklappt, die Gitarre lehnt an der Wand, und auf dem Tisch vor dem vier Meter langen, schneeweißen Ledersofa stehen Schalen und Gläser wie eben benutzt.

Aber Elvis lebt nicht mehr. Seit seinem geheimnisumwitterten Tod am 16. August 1977 liegt er draußen auf dem Familienfriedhof im Schatten einer weißen Marmorstatue. Das einstige Domizil des "King of Rock'n'Roll" ist seither zu einem Wallfahrtsort für Fans aus aller Welt geworden. Rund 600.000 Menschen pilgern Jahr für Jahr zu dem stattlichen Herrenhaus mit dem schönen Säuleneingang und der weitläufigen Pferdekoppel. "Graceland" ist fast so bekannt wie das Weiße Haus, 2006 wurde es zum nationalen Wahrzeichen der USA erklärt.

Zum 30. Todestag des Superstars in diesem Jahr dürfte der Zulauf größer sein denn je. Höhepunkt der Gedenkfeiern ist die traditionelle "Elvis-Woche" in Memphis vom 11. bis 19. August mit zahlreichen Veranstaltungen, einer Kerzenwache am Grab und einem Konzert, bei dem viele frühere musikalische Begleiter von Elvis auftreten, darunter Mitglieder der TCB Band, der Sweet Inspirations und der Imperials.

Dass Elvis bis heute eine solche Anziehungskraft hat, dürfte außer an seinem musikalischen Talent auch an einer geschickten Vermarktung liegen. Am 8. Januar 1935 als Sohn armer Eltern im nahe gelegenen Tupelo geboren, schaffte er in den fünfziger Jahren mit seiner Mischung aus Rhythm & Blues, Gospel und Country einen kometenhaften Aufstieg. Songs wie "That's All Right Mama", "Are You Lonesome Tonight?" und "Love Me Tender" wurden zu internationalen Hits. Millionen Fans verehrten den rockenden, die Hüften schwingenden Sänger als Symbol für den Protest gegen alle verstaubte Moral. Bis heute gilt Elvis als erfolgreichster Solomusiker der Popgeschichte.

Verspielte Kostüme und Straßenkreuzer

Verspielte Kostüme und Straßenkreuzer

In "Graceland" sind die heiteren Seiten dieser Karriere zu sehen: seine verspielten Kostüme und die unzähligen goldenen Schallplatten; sein "Dschungelraum" mit dem plätschernden Wasserfall, in dem einige der berühmtesten Songs entstanden; der mit 300 Metern Paradiesvogelstoff dekorierte Billard-Raum und schließlich das Automuseum mit dem berühmten rosa Cadillac sowie rund drei Dutzend weiteren Straßenkreuzern und schweren Motorrädern. Das ganze Haus atmet den Charme eines liebenswerten verzogenen Kindes.

Nur die mit einem weißen Flauschteppich belegte Treppe dürfen die Besucher nicht hinauf. Dort oben ist Elvis gestorben, einsam und allein im Alter von 42 Jahren. Erst Stunden später wurde er leblos im Badezimmer gefunden - die Zunge zerbissen, die Augen verdreht. "Plötzliches Herzversagen", befand der Arzt. Tatsächlich hat Elvis sich mit seiner Tablettensucht zu Grunde gerichtet. Spätestens seit der Trennung von seiner Frau Priscilla mit der gemeinsamen Tochter Lisa Marie wurde von Fettsucht und Drogenmissbrauch gemunkelt.

Am Grab werden zum 30. Todestag wohl so viele Blumen, Kränze und Grüße aus aller Welt eintreffen wie selten zuvor. Ein Fan hat schon mal eine Botschaft hinterlegt. "The greatest star on earth has now become the brightest star in heaven", steht da unter einem Elvis-Bild - "der größte Star der Welt ist jetzt der hellste Stern am Himmel."

Nada Weigelt, dpa

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.