Menorca Klippen, Grotten, weißer Strand

Die Pinien duften, vorbei an den Felsen lädt der einsame Strand einer der zahlreichen Buchten Menorcas zum Verweilen ein. Im Norden der Baleareninsel gibt es viel zu entdecken, am besten vom Wasser aus.

Mahón - Ruhig schaukeln die Segelschiffe im Hafen von Mahón. Die Morgensonne hüllt sie in ein weiches Licht. Schwalben zwitschern über den weiß getünchten Häusern an der Kaimauer. Fischer, die gerade ihren nächtlichen Fang abgeliefert haben, kehren in die Hafenkneipen ein, um sich mit einem Café con leche zu stärken. Ein Lieferwagen bringt eine Ladung Gin, seit der englischen Besatzung im 18. Jahrhundert das Nationalgetränk auf der Baleareninsel Menorca. "Jetzt aber die Leinen los. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns", ruft Skipper Xavier Nebot den Gästen zu, die eigentlich noch ein bisschen länger die romantische Hafenstimmung genießen wollten.

Auf einem Segelboot müssen alle anpacken, auch die Gäste. Ziel der Fahrt mit der "Tasmania I" ist Ciutadella im Westen Menorcas. Langsam gleitet das Schiff an den Häusern von Mahón vorbei, wo einst die Mayonnaise ("Soße aus Mahón") erfunden wurde. Einige Schiffsbesitzer putzen ihre Yachten und schauen neidisch der Expedition nach. Vorbei an der "Lazarett-Insel" und der Festungsanlage La Mola sucht sich Xavier im zweitgrößten Naturhafen der Welt den Weg ins offene Meer.

Der Blick in die Weite und das Flattern der weißen Segel lassen eine Art Entdeckernostalgie aufkommen. Skipper Xavier lacht - Landratten! Eigentlich sollte der Törn an der Südküste zu den Buchten Son Saura, Cala Macarelleta und die Cala Macarella führen. Doch es bläst ein starker Südostwind, und die See ist zu unruhig im Süden.

Viele Boote erreicht man nur per Boot

"Macht nichts", tröstet Xavier. "Für Segelliebhaber ist Menorcas Nordküste mit ihren wilden Klippen und tiefen Fjorden sowieso viel attraktiver. Außerdem gibt es hier genau so schöne Buchten und Strände wie im Süden. Die hier kennt bloß niemand und deshalb sind sie auch nicht so überlaufen wie die berühmte Cala Macarella", versichert der Skipper.

Viele Buchten im Norden sind fast nur mit dem Boot zu erreichen. Bis auf das Fischerdorf Es Grau gibt es kilometerweit kein Haus oder Hotel. Das Dorf liegt im Naturreservat S'Albufera d és Grau, dem größten Feuchtgebiet der Insel, in dem Schildkröten, Eidechsen, Fischadler, Flamingos und Störche heimisch sind. Der Park wurde - wie die ganze Insel - 1993 von der Unesco zum Biosphärenreservat erklärt.

Im Windschutz der Insel Isla en Colom wirft Skipper Xavier den Anker. Mit Kajaks setzen einige Gäste zur bizarren Felsküste über, andere machen eine Wanderung auf der Isla en Colom, eines der vielen unbewohnten Inselchen, die nur wenige hundert Meter vor den Stränden Menorcas liegen. Später in der Nacht knackt und kracht es in allen Ecken. Ungewöhnliche, unheimliche Geräuschen spielen vor allem in der ersten Nacht an Bord mit der Fantasie. Doch das leichte Schaukeln der Wellen lässt früher oder später jeden in den Schlaf sinken.

Die Segel sind gesetzt

Die Segel sind gesetzt

Nach der Morgendämmerung geht es weiter. Buchten wie die Cala Presili und die Inseln bei Punta de Montgofra laden zum Halt und zu einem Sprung ins kühle Nass ein. In der Nähe der Cala Mali bleiben einige Gäste im Wasser und tauchen zu den Höhlen am "queso suizo", dem "Schweizer Käse". Die von Licht durchflutete Grotte mit ihren Tunneln gehört zu den Höhepunkten der Unterwasserwelt Menorcas.

Nach zwei Tagen an Bord taucht am Horizont der Hafen von Fornells auf. Die Bucht erstreckt sich kilometerweit und ist durch ihr seichtes Wasser ein idealer Ort für Segel- und Windsurfschulen. Auch für alle Segelanfänger bietet sie eine angenehme Verschnaufpause, bevor es in die wilde Brandung vor dem Cap de Cavallería geht. Am nördlichsten Punkt der Insel ragen die Klippen bis zu 50 Meter hoch.

Es wird Abend, Skipper Xavier hält auf die Cala Pregonda zu. Der Wind liegt nur schwer im Hauptsegel. Xavier gibt jedem Anweisungen, was er zu tun hat. Alle müssen anpacken: Leinen strafen, Segel umschlagen und vor allem: sich festhalten. Die Belohnung für den Kraftakt ist eine der schönsten Buchten Menorcas. Weit und breit ist kein Mensch zu sehen. Per Beiboot erkunden einige Gäste die skurrilen Felsformationen, die die Bucht vor dem offenen Meer schützen.

Langsam geht die wilde, fjordartige und kahle Felsküste im Nordwesten in große Weideflächen und Pinienwälder über. Goldgelbe Kornfelder und Blumen verwandeln die Landschaft im Frühjahr und Herbst in ein Farbspektakel. Erneut taucht ein "Entdeckergefühl" auf, denn vom Segelboot aus wirkt Menorca an vielen Stellen wie unbewohnt.

Die scheue Schwester Mallorcas

In der sternenklaren letzten Nacht des Törns ankert die Yacht in der Cala d'Algaiarens. Der Geruch der Pinien am völlig verwaisten Strand, die bis ans Wasser reichen, vermischt sich mit dem Meeresduft. Ganz allein liegt die "Tasmania I" hier in der Bucht.

Vogelgezwitscher und die ersten Sonnenstrahlen laden vor dem Frühstück noch einmal zum Sprung ins Wasser ein. Vorbei an der Naturbrücke Pont d'en Gil steuert Skipper Xavier auf das Ziel zu: Ciutadella. Schon von weitem ist die Altstadt mit ihren maurisch-spanisch geprägten Häusern, der großen Festungsmauer und der Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert zu sehen. Auf der Hafenpromenade flanieren Touristen, in den Restaurants herrscht Hochbetrieb. Dennoch gibt es keine laute Musik und keine Bierseligkeit wie oft auf Mallorca oder Ibiza. Spätestens jetzt versteht der Gast, warum Menorca auch "die scheue Schwester Mallorcas" genannt wird.

Manuel Meyer, dpa

Reisetipps für Menorca

Reisetipps für Menorca

Anreise: Mehrere Fluglinien fliegen von verschiedenen deutschen Flughäfen nach Mahón auf Menorca.

Klima: Das Mittelmeerklima Menorcas zeichnet sich durch milde, feuchte Wintermonate und einen trockenen, heißen Sommer aus. Die beste Zeit für Segeltörns ist von Mai bis Oktober.

Information: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Myliusstraße 14, 60323 Frankfurt (Tel.: 069/72 50 38, Broschüren-Tel.: 06123/991 34).

Internet: www.spain.info, www.enmenorca.org, www.seaspain.info (Spanische Vereinigung der Nautikstationen), www.visitmenorca.com

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