Stromboli Wilde Schönheit

Heiße Quellen, enge Gässchen und mediterranes Flair wie aus dem Reisekatalog: Die Vulkaninsel Stromboli, die einst durch den gleichnamigen Film und die stürmische Liebesbeziehung von Ingrid Bergman und Roberto Rossellini Bekanntheit erlangte, hat weit mehr zu bieten als nur spektakuläre Feuerfontänen und eine berauschende Aussicht. Wer Lust auf beschauliches Dolce Vita hat, ist hier genau richtig.

Stromboli - Es war eine stürmische Liebesgeschichte, die 1949 auf der Insel Stromboli irgendwo vor der sizilianischen Küste begann. Bei Dreharbeiten lernten sich die junge verheiratete Schwedin Ingrid Bergman und der italienische Meisterregisseur Roberto Rossellini kennen - und erregten mit ihrer leidenschaftlichen Beziehung das Interesse der internationalen Klatschpresse.

Der Film "Stromboli - Terra di Dio" wurde zwar ein Flop, verhalf der Insel aber zu weltweiter Bekanntheit. Geblieben sind heute das Haus, in dem das "Skandalpaar" im Jahr 1949 logierte - und natürlich der mächtige Vulkan, der schon in Rossellinis Film alles andere überragte.

"Auch mein Vater hat damals an dem Film mitgearbeitet und den logistischen Part übernommen", erinnert sich Vito Russo, der Präsident der Hotelvereinigung Federalbergi der Äolischen Inseln. Stromboli ist eine dieser sieben Inseln, allesamt Perlen des Mittelmeers mit einem ganz eigenen Charme. Bereits 1997 hatte die UNESCO die Äolischen Inseln zum Weltnaturerbe erklärt, da "die vulkanischen Landschaften der Inseln klassische Gegenstände der fortdauernden Untersuchung der Vulkanologie weltweit darstellen".

Vor allem Deutsche und Schweizer haben Stromboli in den vergangenen Jahren für sich entdeckt, seit 2002 die Bilder eines heftigen Vulkanausbruchs um die Welt gingen. "Der Vulkan ist einfach eine Riesen-Attraktion, so wie das Kolosseum in Rom", sagt Russo. Angst hat er nicht: "Ich schlafe trotz des Vulkans völlig ruhig." Besonders beliebt sind abendliche Ausflüge auf den Vulkan, bei denen die Besucher nach mehrstündigem Kraxeln mit einer spektakulären Aussicht belohnt werden: Aus dem Krater speit der Stromboli Feuerfontänen, während ein Lavastrom auf der "Sciara del fuoco" - der Straße des Feuers - langsam Richtung Meer kriecht. Dieses Spektakel findet normalerweise alle paar Monate statt. Aber auch wenn der Vulkan "schlummert", hat die Insel einiges zu bieten.

Hort der Ruhe und Beschaulichkeit

Hort der Ruhe und Beschaulichkeit

Schon die Anfahrt per Fähre hat es in sich: Es ist 6.00 Uhr in der Frühe, gerade ist die Sonne aufgegangen, da taucht der "schwarze Gigant" am Horizont auf. Delfine springen aus dem stahlblauen Wasser, aus dem Krater steigen Schwefelwolken gen Himmel. Das Schiff steuert langsam auf die Insel zu, umfährt das kleine vorgelagerte Inselchen Strombolicchio und legt im kleinen Hafen "Porto Scari" an. Die Strände rechts und links sind schwarz, die flachen Häuser südländisch weiß.

Rund 350 Menschen leben ständig auf Stromboli, "darunter auch drei oder vier Deutsche", sagt Vivian Anceschi, eine Australierin, die es vor mehr als 20 Jahren in diesen Teil Europas verschlagen hat. Auch Vivian, die für den Zivilschutz tätig ist, hat zwar Respekt, aber keine Angst vor dem Vulkan: "Ich könnte gar nicht mehr in einer Stadt leben, ich ziehe die natürliche Gefahr einfach den von Menschen verursachten Gefahren vor."

Urlauber sollten etwas Zeit einplanen, um den Rhythmus der Insel zu verstehen. Wer Ruhe sucht, wird sie hier finden. Es gibt keine lauten Discotheken wie auf der Nachbarinsel Panarea und keine überfüllten Strandbäder. In den engen Gässchen sind fast nur "Ape" - die Dreiräder von Piaggio - sowie kleine Elektroautos unterwegs. Palmen, Feigenkakteen, Kapernsträucher und Bougainvilleen säumen den Weg - Stromboli ist ein Schmuckstück voll mediterraner Blumenpracht.

In den familiengeführte Restaurants werden die Gäste unter anderem mit der köstlichen "Pasta alla strombolana" verwöhnt: Die Knoblauch-Tomatensoße wird dabei mit wildem Fenchel und Minze verfeinert. Auch Tun- und Schwertfisch stehen auf fast jeder Speisekarte, ebenso die sizilianische "Caponata" aus Tomaten, Oliven, Kapern und Auberginen.

Wer vor dem Abendessen noch etwas Entspannung sucht, kann sich in den heißen Quellen Strombolis verwöhnen lassen. Mario, ein gebürtiger "Strombolaner" mit weißer Zottelmähne und dichtem Vollbart, bringt Interessenten vom "Hotel Ossidiana" zu einem nahe liegenden runden Becken aus Naturstein. Es dampft, das Wasser sieht gelblich aus und irgendwie wenig appetitlich - aber wer sich einmal hineingewagt hat, wird mit butterweicher Haut und einem samtigen Wohlgefühl belohnt.

Kleinster Hafen der Welt

Kleinster Hafen der Welt

Eine Besonderheit von Stromboli liegt darin, dass eine Seite der Insel nur per Boot erreichbar ist. Hier liegt das Örtchen Ginostra mit knapp 30 Einwohnern - und dem kleinsten Hafen der Welt, in dem Platz für ein einziges Boot ist. Unter anderem sei der Schriftsteller Umberto Eco ("Der Name der Rose") ein Fan des abgeschiedenen Örtchens, erzählen die Inselbewohner.

Stromboli ist ein Geheimtipp für Touristen, die ganz weit weg von der üblichen Geräuschkulisse europäischer Städte Ferien machen wollen. Hier gibt das Donnern des Vulkans den Ton an - oder die absolute Stille der Unterwasserwelt, in der Seeanemonen, Schwämme, Korallen und Seesterne in allen Farben leuchten und Schwärme kleiner Fische, Hechte und Barsche an Tauchern vorbeiziehen. Bootsverleiher Bartolo bringt es auf den Punkt: "Leider bleiben viele Leute nur für einen Tag und reisen dann weiter auf die anderen Inseln - schade eigentlich, denn Stromboli ist viel mehr als nur ein Vulkan."

Carola Frentzen, dpa

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