Spurensuche Wege der Prinzessin

Wo sie ging und stand, war die Weltöffentlichkeit dabei - bis zum tragischen Ende. Noch heute hat Prinzessin Diana zahlreiche Verehrer, und Tausende Reisende machen sich Jahr für Jahr auf den Weg, die Stationen ihres Lebens zu sehen. Eine Reiseroute.

London/Paris - Ruhe herrscht nur an ihrem Grab. Ansonsten scheint kaum ein Ort, der jemals irgendeine Beziehung zu Prinzessin Diana hatte, in diesem Sommer von ihren Bewunderern ausgelassen zu werden: Paläste, in denen sie gewohnt hat; Wege, die sie entlanggegangen ist; Kirchen, in denen sie gebetet hat. Natürlich auch der Autotunnel in Paris, in dem sie vor zehn Jahren, am 31. August 1997, tödlich verletzt wurde.

All diese Orte sind zu touristischen Pilgerstätten geworden, für Zehntausende aus aller Welt. Einzig das kleine Mausoleum auf einer Insel inmitten des Anwesens ihrer Familie im mittelenglischen Althorp ist tabu. Besucher können es zwar sehen, aber nur aus gebührender Entfernung. Gar nicht weit entfernt hatte Prinz Charles 1977 seine künftige erste Ehefrau bei einer Jagdgesellschaft kennengelernt. Dianas Eltern, die hochwohlgeborenen Spencers, hatten den Thronfolger dazu auf ihren Familiensitz eineinhalb Autostunden nördlich von London eingeladen.

Vier Jahre später gab Diana Frances Spencer in der Saint Paul's Cathedral in London dem ältesten Sohn der Königin Elizabeth II. das Jawort und wurde zur Prinzessin von Wales. Und 20 Jahre nach der Jagdgesellschaft brachte ein Wagen Dianas Sarg auf das Landgut. "Seitdem ist Althorp in der ganzen Welt bekannt geworden", sagt Dianas Bruder Charles, der neunte Earl of Spencer.

Dianas einstiger Wohnsitz

Er hat die berühmte Trauerrede gehalten, am 6. September 1997 in der Westminster Abbey: "Heute ist der Tag, an dem wir die Chance haben, dir Dank zu sagen, dafür, dass du unsere Leben hast erstrahlen lassen, obwohl Gott dir selbst nur ein halbes Leben ermöglicht hat." Zehn Jahre danach, steht der Sommer 2007 in Großbritannien im Zeichen Dianas. Wer nicht auf dem Gedenkkonzert am vergangenen Wochenende war, kann auf Dianas Spuren wandeln und sich etliche Ausgangs- und Endpunkte für eine Reise wählen.

Althorp ist eine Option, vielleicht am besten für den Abschluss mit Blick auf das Grab. Von Anfang Juli bis Mitte September ist der Adelssitz unweit von Northampton geöffnet. Ein Museum mit Stücken aus Dianas einstigem Londoner Wohnsitz im Kensington Palast erinnert an die Prinzessin: als Kind, als Ehefrau, als Mutter, als Helferin für Menschen in Not. Natürlich nicht als Geliebte etlicher Männer. Und auch nicht als raffiniertes Showgirl, das mit den Medien zu spielen wusste.

Eine Ahnung von Diana als Vamp bekommen Besucher im Kensington Palast. Hier hat der Starfotograf Mario Testino sie wenige Monate vor ihrem Tod für das Stilmagazin "Vanity Fair" abgelichtet. Die überdimensionalen Fotos, die jetzt zwei Räume des Palastes schmücken, der einst das Zentrum ihres Universums war, zeigen eine selbstbewusste, schöne, begehrenswerte und laszive Diana.

Treffpunkt aller Diana-Fans: an der Goldenen Flamme

Treffpunkt aller Diana-Fans: an der Goldenen Flamme

Interessierte mit weniger Zeit dürften sich für ein individuell gestricktes Prinzessinnen-Kurzprogramm entscheiden. Drei bis vier straff organisierte Tage sollten dazu genügen. In jedem Fall aber sollten London und Paris miteinander kombiniert werden - denn keine Diana-Reise ist vollständig ohne den Ort, an dem sie starb.

Wenn die Reisekasse es hergibt, bietet sich eine Übernachtung im Pariser "Ritz" an. Oder wenigstens ein Champagner Cocktail in der dortigen "Hemingway Bar". Danach gleitet es sich viel entspannter durch die "Ritz"-Flügeltür auf die Place Vendôme. Es ist die Tür, durch die am Abend des 30. August 1997 Diana und ihr damaliger Begleiter Dodi al-Fayed ins Freie traten - ohne zu ahnen, dass sie nur noch sehr kurze Zeit leben würden.

Von der Place Vendôme geht es zum Tunnel an der Place de l'Alma, zu Fuß in einer halben Stunde erreichbar. Treffpunkt der Diana-Pilger aus aller Welt ist die Goldene Flamme der Freiheit. Die Kopie des Fackelfeuers ist nicht etwa zum Gedenken an die Prinzessin aufgestellt worden, wie Besucher immer wieder glauben. In Sichtweite des Eiffelturms "lodert" die Flamme schon seit 1989 als Geschenk der Zeitung "International Herald Tribune" an die Stadt Paris.

Die Leute kommen von ganz allein

Für die "Dianisten" bekam sie jedoch in der Nacht zum 31. August eine neue zusätzliche Bedeutung: das Feuer des Herzens der Prinzessin. Jeden Tag fotografieren sich Hunderte Touristen mit der Flamme und dem Unglückstunnel im Hintergrund. Einige Verwegene riskieren sogar Ärger mit der Polizei und gehen in den Alma-Tunnel hinein, um sich vor dem berühmt-berüchtigten Pfeiler 13 abzulichten, auf den der Mercedes mit Diana und Dodi prallte.

Offiziell wendet sich Paris von solcherart Touristen ab. "Wir wollen nicht profitieren vom Tod der Prinzessin", heißt es beim örtlichen Fremdenverkehrsamt. Deshalb werde der Diana-Tourismus "keineswegs gefördert". Doch die Leute kommen von ganz allein. Vor allem kommen sie natürlich aus Großbritannien, wo das Geschehen im Alma-Tunnel immer noch - und jetzt wieder ganz besonders - von Gerüchten über ein Mordkomplott umrankt wird. Geschürt werden sie unter anderem von Dodis Vater Mohammed al-Fayed, dem Besitzer des Paris "Ritz" und des Londoner Edelkaufhauses Harrods.

Von der Goldenen Flamme ist es nur ein kurzer Weg mit der Metro zum Gare du Nord. Von dem Fernbahnhof am Nordrand des Pariser Zentrums braucht der Schnellzug "Eurostar" ganze zweieinhalb Stunden - davon knapp 20 Minuten im Tunnel unter dem Ärmelkanal - bis ins Zentrum von London zum Bahnhof Waterloo. Von dort aus geht es am besten zu Fuß über die Westminster Bridge zum Big Ben am Parlament.

In London ist Diana überall

In London ist Diana überall

Hier ist wieder eine Entscheidung fällig: Wohin zuerst? Nach rechts, zur Downing Street, wo Premierminister Tony Blair noch an Dianas Todestag das Wort von der "Prinzessin des Volkes" prägte? Oder lieber nach links, zur Westminster Abbey, wo Elton John am 6. September 1997 bei der Trauerfeier, die Hunderte Millionen Menschen weltweit am Bildschirm verfolgten, zur Melodie von "Candle in the Wind" den auf Diana umgemünzten Text "Goodbye, English Rose" sang?

Oder geht es vielleicht doch geradeaus, durch den St. James' Park direkt zum Gitterzaun des Buckingham Palastes? Dort hatte das Volk, wie es damals schien, sämtliche Blumen von London und Umgebung zusammen mit Teddybären, Puppen und Spruchbändern zu einem einzigen gewaltigen bunten Meer der Erschütterung aufgetürmt.

Egal, wo man sich hinwendet: In London ist Diana überall. Es ist schier unmöglich, noch dazu im Sommer ihres zehnten Todestages, ihr nicht zu begegnen. Nicht nur an den Zeitungskiosken und Souvenirläden ist ihr Konterfei allgegenwärtig. Selbst die ehrwürdige National Portrait Gallery am Trafalgar Square wollte oder konnte sich dem Diana-Boom nicht entziehen: Sie zeigt Fotos der Prinzessin, aufgenommen von Paparazzi bis zu den echten Künstlern des Faches.

Harrods setzt eigenes Denkmal

"Wohin ich gehe", hatte die Prinzessin einst gesagt, "folgt die Weltpresse nach." Folgen kann man ihr heute auf etlichen Wegen, aber nur einer hat eigens Metallplaketten zur Orientierung auf dem Boden: "The Diana Princess of Wales Memorial Walk" ist darin eingraviert. 90 solcher Bodenplatten sollen es auf insgesamt 11,8 Kilometer Länge sein. Sie alle aufzusuchen, grenzt fast an Extremsport. Ein "Muss" ist sicher der Abschnitt vom Kensington Palast durch den Hyde Park. Er führt vorbei am Diana-Gedächtnis-Kinderspielplatz, der für Erwachsene nur in Begleitung von Kindern zugänglich ist, bis hin zum Diana-Gedächtnis-Brunnen.

Das Werk der US-amerikanischen Designerin Kathryn Gustafson, das umgerechnet 5,4 Millionen Euro kostete, war lange umstritten. Elton John nannte es einst gar "Abwasserkanal". Doch inzwischen wird die Anlage aus Granitkanälen, in denen sprudelndes gegenläufiges Wasser das widerspruchsvolle Leben der Prinzessin symbolisiert, durchaus angenommen. Bei schönem Wetter tummeln sich Familien, Kinder und Pärchen auf der Anlage.

Ein Gebäude sucht man auf dem Plan des "Diana Walk" durch London allerdings vergeblich: das Kaufhaus Harrods. Dabei ist es ein echtes "Muss". Nicht unbedingt, um dort einzukaufen. Aber eine Diana-Reise ist nicht komplett ohne den Schrein und das Denkmal für sie und Dodi, die Mohammed al-Fayed in seinem Luxuswarentempel errichten ließ. Zu sehen sind Diana und Dodi als Bronzefiguren, die sich festhalten und einem Vogel gen Himmel zu folgen scheinen. Und es gibt sie als Paar auf ovalen Fotos, eingerahmt von Grünpflanzen und Kerzen. Das Wort "Kitsch" kommt einem vielleicht in den Sinn, aber im Angesicht von so viel Verehrung nicht über die Lippen - nicht laut jedenfalls.

Thomas Burmeister, dpa

Reisetipps für London und Paris

Reisetipps für London und Paris

Anreise: Es gibt zahlreiche Flugverbindungen von Deutschland nach London und Paris. Für eine kombinierte Reise in beide Städte bieten sich One-Way-Flüge an. Für die Strecke zwischen beiden Metropolen ist dann die Schnellzugverbindung Eurostar am besten geeignet. Jeden Tag verkehren von etwa 5.30 Uhr bis 20.00 mehr als ein Dutzend Schnellzüge zwischen den Bahnhöfen Waterloo in London und Gare du Nord in Paris. Die Fahrtzeit beträgt zwei Stunden und 35 Minuten. Erwachsene zahlen für ein Ticket je nach Tag und Abfahrtszeit zwischen 59 britischen Pfund (rund 90 Euro) und 220 Pfund (330 Euro).

Klima: Das Wetter in Paris ist meist ein wenig freundlicher als das in Deutschland. Der Sommer ist mit Durchschnittstemperaturen von 25 Grad recht warm. Im Juli und August sind Werte über 30 Grad keine Seltenheit. Londons Wetter ist besser als sein Ruf. im Juli und August gibt es im Schnitt sieben bis acht Regentage, meist regnet es aber auch dann nur für wenige Stunden. Höchsttemperaturen von 22 Grad schließen "Hundstage" mit mehr als 30 Grad nicht aus.

Geld: In Frankreich wird mit dem Euro bezahlt, in Großbritannien mit Pfund. Ein Pfund kostet etwa 1,43 Euro (Stand: Juli 2007).

Informationen: Visit Britain, Hackescher Markt 1, 10178 Berlin (Tel.: 01801/46 86 42 zum Ortstarif), Maison de la France, Postfach 10 01 28, 60001 Frankfurt (Tel.: 0900/157 00 25 für 49 Cent/Minute). www.visitbritain.com, www.franceguide.com, www.visitlondon.com, http://de.parisinfo.com/, www.althorp.com, www.hrp.org.uk/KensingtonPalace, www.royalparks.org.uk/parks/hyde_park/diana_memorial.cfm www.tfl.gov.uk/tfl/gettingaround/walkfinder/walkdetails.asp?id=36.

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